Wochenendlese #003: Batman&Robin, The Fade Out, Criminal, Zero, The Heart of the Beast

Was war am Wochenende los? Bei mir gab’s viel Comics. Was genau?

1. Grant Morrison: Batman&Robin

Nach Batman and Son, Batman: The Black Glove und Batman R.I.P. ging Grant Morrisons Batman-Run mit den drei Trades von Batman&Robin weiter, die eine Überleitung zu Batman Incorporated darstellen. Auch ohne den DC-Megaevent Final Crisis war für mich Batman&Robin verständlich, die vorgehenden Batman-Titel sind allerdings schon empfehlenswert, wenn man alle Zusammenhänge nachvollziehen will. Leider hat Morrison dabei nur im ersten Trade mit Frank Quietly zusammengearbeitet (das Team-Up hatte u.a. schon bei All-Star Superman und WE3 bestens geklappt), aber auch die anderen Zeichner schlagen sich gut: sie zeigen Gotham düster, grellbunt, karnevalesk. Morrison präsentiert ein Best-Of seines Könnens, indem er einerseits auf Versatzstücke seiner beiden stilprägenden Vertigo-Serien Seven Soldiers und The Invisibles und vor allem auf das Personal der vorangegangenen Batman-Titel zurückgreift. Insgesamt unterhaltsam, aber kein Meisterwerk wie All-Star Superman.

2. Brubaker/Philipps/Breitweiser: The Fade Out #4

Die vierte Nummer von Ed Brubaker und Sean Philipps aktueller Serie The Fade Out hat wieder sehr viel Spaß gemacht, auch wenn gar nicht so viel passiert ist. Es ist auf jeden Fall für mich eine ganz neue Leseerfahrung, eine Serie im Heftformat zu lesen (und nicht wie sonst im Trade). Apropos Heftformat: Diesmal gab’s auch wieder aufschlussreiches Bonusmaterial, u.a. einen historischen Fall, der dem der Dahlia ähnelt, aber nie dessen Bekanntheit erreicht hat. Leider ist Elizabeth Breitweisers Assistent gestorben, dem diese Ausgabe dementsprechend gewidmet wurde.

3. Brubaker/Philipps/Breitweiser: Criminal Special Edition

Rechtzeitig zur Neuauflage der Criminal-Trades mit neuen Covermotiven bei Image hat das Brubaker-Team eine 48-seitige und abgeschlossene „Special Edition“ realisiert! Darin geht es um Teegs, der im Knast in Ruhe einen Savage-Comic lesen will und dabei gestört wird. Dadurch gibt es einen Comic im Comic (ähnlich wie zuvor in Alan Moores Watchmen oder in Dylan Horrocks The Magic Pen). Es gibt auch wieder eine ordentliche Portion Gewalt und es hat einfach saumäßig Spaß gemacht, einen Kurztrip in den Criminal-Kosmos zu machen. Übrigens: wie bei The Fade Out gab es auch zur „Special Edition“ eine Sonderausgabe im Überformat – und die hatte wiederum das Covermotiv des Comics, das Teeg liest. Also: nerdig und deshalb gut!

4. Ales Kot: Zero Vol. 3

Wer Ales Kot noch nicht kennt, sollte das SCHNELLSTENS nachholen. Der tschechische Autor hatte mich schon in Change und im aktuellen Secret Avengers-Run begeistert. Zero ist ein hammermäßiger Spy-Near-Future-Thriller mit wechselnden Zeichnern, die einen ausdrucksreichen, dynamischen Strich pflegen. Durch die homogene Kolorierung (von Jordie Bellaire!) gibt es jedoch keine heftigen grafischen Brüche. Inhaltich geht es um einen gealterten Agenten, der in einer nahen Zukunft gefesselt ist und durch eine Pistole bedroht wird. In episodenhaften Rückblenden lernen wir nach und nach dessen Biographie kennen und die ist von Gewalt gekennzeichnet. Die Trades lesen sich schnell, weil viele stumme Sequenzen vorkommen, die mal actionreich sind und mal alltäglichen Handlungen zeigen. Was mir sehr gut gefallen hat, war ein Verweis auf einen meiner Lieblingsregisseure: Kot erwähnt den russischen Filmemacher Andrej Tarkowski und dessen Filme The Mirror und Stalker (einer meiner absoluten Lieblingsfilme – kommt noch im Blog bei den Filmklassikern!).

5. Motter/Dupre/Philipps: The Heart of the Beast

The Heart of the Beast hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und wurde von Dynamite als Hardcover-Ausgabe mit Spotlack neu aufgelegt. Die Groteske nimmt Bezug auf Mary Shelleys Frankenstein or The Modern Prometheus, jedoch in einer abgewandelten, nicht-phantastischen Variante, sondern als Romanze mit vielen Kunst- und Gewaltpassagen. Da es sehr viel um Kunst, Ausstellungen und Künstler geht, hat sich Philipps hierzu einen malerischen Stil (ohne Konturen) angeeignet, der stark an Comickünstler wie Kent Williams oder Jon J. Muth erinnert, die in den 1980er Jahren den (US-)Comic als Leinwand interpretierten. Dean Motter hat dazu noch intermedial gearbeitet, indem er Passagen aus Shelleys Vorlage in Form von handgeschriebenen Sätzen collagenhaft in das Seitenlayout integriert hat. Zudem verwendet der Autor Briefe der Protagonistin, um seine Geschichte zu erzählen, so dass The Heart of the Beast ein polyphones Kunstwerk darstellt. Eine beeindruckende Groteske über Liebe, Kunst und Gewalt!

Wochenendlese #002: Oscarverleihung 2015

So. Gestern wurden die Oscars vergeben. Und natürlich komm‘ jetzt auch ich nicht umhin über das Thema zu sprechen. Dieser Jahrgang erleichtert das Ganze jedoch: wurden doch mit Interstellar (auch wenn es nur „Beste visuelle Effekte“ war), Grand Budapest Hotel, Boyhood und Birdman gleich vier Filme von Lieblingsregisseuren nominiert – und schließlich ausgezeichnet!

Boyhood und Richard Linklater

Doch so sehr ich mich darüber freu‘, so sehr bedauer‘ ich, dass Boyhood nicht mehr abräumt, denn Richard Linklater hätte das vedient, aber immerhin gut, dass Patricia Arquette einen erhalten hat und der Film überhaupt nominiert wurde. Für alle, die noch gar nicht über das Coming-Of-Age-Drama wissen: der Film wurde über 12 Jahre (!) gedreht, d.h., dass die Schauspieler mitgealtert sind und der Protagonist im Alter von 5 bis 18 Jahren dargestellt wird und wir als Zuschauer miterleben, wie er aufwächst. Das erzeugt eine ungemeine Sogwirkung und der 165 Minüter wird zu einer Art Mini-Serie mit Soap-Atmosphäre im Kinoformat.

Linklater war schon immer ein Konzept-Regisseur: sehr zu empfehen sind seine Animationsrealfilme Waking Life und die Philip K. Dick-Adaption A Scanner Darkly, bei denen sie Sequenzen mit realen Darstellen in realen Kulissen gedreht wurden und im Nachhinein digitial bearbeitet und animiert wurden. Dazu sind beide Filme narrative reizvolle und anspruchsvolle Werke mit philosophischen Inhalten.

Ganz nett ist die Orson Welles-Hommage Me & Orson Welles und überraschend gut die romantisch-philosophische Trilogie (Before Sunrise, Before Sunset, Before Midnight) mit Ethan Hawke und Julie Delpy, bei denen das Filmpaar jeweils in einer Stadt zusammenkommt und in schlagfertigen Dialogen philosophiert und austauscht. Das klint wenig sensationell, funktioniert aber so gut, dass man unterhalten wird und stets ein Spannungsbogen vorhanden ist.

Birdman und Alejandro González Iñárritu

Im Fall von Birdman bin ich dagegen schon zufriedener: A. G. Iñárritu ist einer der ganz Großen und hat den Goldjungen in der Königskategorie „Bester Film“ und in „Bese Regie“ und „Bestes Originaldrehbuch“ mehr als verdient. Eine vollständige Review findet ihr hier in meinem Blog (siehe Verlinkung im Filmtitel) und dort sind auch weitere Verlinkungen zu Rezensionen seiner anderen (genialen!) Filme.

The Grand Budapest Hotel und Wes Anderson

Bei Grand Budapest Hotel hat’s mich doch sehr überrascht, damit hatte ich nicht gerechnet: Daumen hoch, auch wenn es nur Nebendisziplinen waren, in denen Wes Andersons Komödie ausgezeichnet wurde. Mir persönlich sticht dieses Werk jetzt nicht viel weiter hervor im Gegensatz zu seinem bisherigen Werk, aber es zählt gemeinsam mit der rotzfrechen Pfadfinder-Insel-Satire Moonrise Kingdom und dem liebvoll inszenierten The Fantastic Mr. Fox zu meinen persönlichen Favoriten, wobei natürlich auch The Royal Tannenbaums,

Und jetzt mal eine Frage in die Runde: Welche Filme wurde mit dem Oscar prämiert, aber hatten euch enttäuscht? Ich fand zum Beispiel The Curious Case of Benjamin Button mit 13 Nominierungen heillos überbewertet.

Und: welche Filme mögt ihr, die zwar vielfach nominiert wurden, aber am Ende nichts bekommen oder, die gar nicht erst nominiert wurden? American Hustle und True Grit wurden jeweils zehn mal nominiert und sind leer ausgegangen. Oder: Brad Pitt und Johnny Depp warten noch heute auf eine Auszeichnung.

Wochenendlese #001

Was hatte das Wochende diesmal zu bieten? Ich war nur ganz kurz in meinem Laden des Vertrauens, um mein Fach zu leeren. Die Ausbeute: Zero von Ales Kot und Rork Gesamtausgabe 1 von Andreas. Ersterer ist eine innovativ erzählte und von wechselnden Comiczeichnern illustrierte Near-Future-Thriller-Serie von Image Comics, die absolut zu empfehlen ist. Hier hatte ich ja zuvor schon Kots One Shot Change gelobt und es sieht wohl ganz so aus, als gäb’s da einen neuen Lieblingsautor.

Auch filmtechnisch gab’s was Neues: Sin City und Sin City 2 (BD) sowie Prisoner, Stereo und Her (DVD). Letzteren hatte ich am Wochenende auch gesichtet. Von Spike Jonze mochte ich Being John Malkovich, aber Her hat mich enttäuscht: Oscar in der Kategorie „Bestes Drehbuch“? Never! Nur weil sich ein (nicht brilliant wie in The Master) Joaquin Phoenix in ein Operating System (gesprochen von Scarlett Johansson) anstatt in eine Frau aus Fleisch und Blut verliebt, macht das noch lange keinen Spannungsbogen oder eine (so) originelle Story aus. Kann den Hype überhaupt nicht verstehen.

Und dann gab’s auch noch 3D-Kino! Peter Jacksons finaler Hobbit: The Battle of the five Armies. Fazit: Nun hat sich endgültig eine Mittelerde-Müdigkeit bei mir eingestellt. Pathos triefende Kitschszenen und in die Länge treibende Dialogszenen wechseln sich mit gelungenen Kampf- und Schlachtszenen ab. Mir hat er besser als die ersten beiden gefallen, aber insgesamt ist die Trilogie doch eine herbe Enttäuschung.

Was bringt die Woche (außer das die Champions Leaugue endlich wieder beginnt)? Ich warte ungeduldig auf Grant Morrisons Batman&Robin-Trades sowie auf Brian Woods Conan-Run. Bin schon sehr gespannt und vielleicht wird’s ja was mit Sin City die Woche und nach dem ersten Durchblättern von Rork bin ich auch schon heiß auf den Fantasy-Klassiker.