Liebster Blog-Award von „Paranoyer“

LiebsterBlogAward

Mein geschätzter Blogger-Kollege Jan Noyer alias Paranoyer hat mich für den Liebster-Blog-Award nominiert. Danke dafür! Er hat sich dafür entschuldigt, dass die Fragen sich nicht nur auf Comics beziehen. Kein Ding! Schließlich gibt es im (Medien-)Leben noch mehr (aber nicht viel!). Ne, tolle Sache, der ich mich mit Freude (und sorgfalt) widme. Hier sind die Fragen von Jan und meine Antworten. Und allen von mir Nominierten rate ich, auch mitzumachen!

1. Aliens begegnen uns ja ständig in allen möglichen Medien. Doch wie sieht es für dich in der Realität aus? Glaubst du an die Existenz von außerirdischem Leben irgendwo im All oder hältst du die Erde für einen (für uns) glücklichen Zufall?

Sag niemals nie! Ich selbst glaube nicht daran, aber ausschließen würde ich es auch nicht.

2. Empfindest du TV-Serie wirklich, wie immer mal wieder postuliert wird, als „Medium der Zukunft“, dass dem Kino den Rang ablaufen wird (oder es schon getan hat)? Oder ist das alles zu sehr gehypt?

TV-Serien sind wohl eher das „Medium der Stunde“. Wie es für die Zukunft aussieht, steht auf einem anderen Blatt. Momentan sieht ganz danach aus, als würde der Boom weitergehen. Aber was passiert in zehn Jahren, wenn es irgendeine neue mediale Innovation gibt und sich das Publikum neu orientiert? Was, wenn es keine originellen Stories mehr gibt? Ich glaube nicht, dass TV-Serien in Zukunft komplett aussterben werden, aber vielleicht stagniert der Hype irgendwann. Da braucht nur mal ein Drehbuchautorenstreik o.ä. kommen und Zack! kann es ganz schnell gehen.

3. Ganz ehrlich: Verfolgst du manche Blogs nur, damit du über die dort veröffentlichten Meinungen den Kopf schütteln kannst?

Nope. Wenn ich merke, dass mich ein Blog so gar nicht anspricht, dann lass ich es auch. Meine Zeit ist mir dazu zu schade.

4. Manche Leute lehnen schwarz/weiß-Filme kategorisch ab. Findest du diese Haltung albern oder kannst du sie, zumindest auf irgendeiner Ebene, nachvollziehen?

Also ich selbst kann mich an eine Zeit erinnnern, in der ich auch so eingestellt war: „Das ist doch altmodisch/langweilig“! Das war in meiner Jugend (in der ich hauptsächlich Hollywood- und Blockbusterfilme geschaut habe), bis ich Jim Jarmusch und danach die Filmgeschichte entdeckt habe. Wenn ich mich in den obsoleten Entwicklungsstand zurückversetze, dann kann ich es nachvollziehen, aber man sollte sich eben auch weiterentwickeln und offen sein.

5. „Mann benutzt lebenden Igel als Fußball.“ Wie sehr regen dich solche Meldungen auf bzw. lassen sie dich an dem Zustand der Menschheit verzweifeln (alternativ kann auch jede andere Meldung eingesetzt/gedacht werden)?

Das macht mich sehr wütend und traurig, ich hasse Tierschänder abgrundtief. Und ja, das erinnert mich an die verwerflichen Seiten der Menschheit. Deshalb spende ich auch gezielt an WWF, weil Tiere unschuldig sind und beschützt werden sollen.

6. Was sind deine Strategien, um nach einem stressigen Tag wieder einen Ausgleich zu finden?

Wenn, das Adrenalin rauscht und der Puls schlägt, dann hilft bei mir nur Fitnesstraining (zuhause, nicht in der Muckibude!) und/oder Basketball – kurzum Sport. Dabei kann ich abschalten, das beruhigt die Nerven und der Kopf fühlt sich danach wieder frei an. Dann habe ich die Muße, um (übermäßig) Medien zu konsumieren!

7. Auf welches Medium/Kunstform könntest du persönlich am ehesten verzichten (ohne es selbstredend ganz abschaffen zu wollen, da ja jeder sein Faible haben darf)? Bücher, TV, Radio, Videospiele oder etwas ganz anderes?

Videospiele. Das ist keine Hypothese, dafür habe ich mich schon lange entschieden. Hat mir schon immer Spaß gemacht, aber mit dem Älterwerden muss man halt priorisieren.

8. Blogger, besonders die Film- und/oder Buchaffinen, berichten ja immer wieder von Platzproblemen. Kennst du das oder hast du deine Sammelwut im Griff bzw. einen Weg gefunden, alles unterzubringen?

Ich gehöre ganz klar zu den Platzproblem-Typen. Ich betrachte mich nicht als Sammler im eigentlichen Sinne, also ich bin kein bibliophiler Sammler oder Sammler um des Anhäufens Willen. Nein, vielmehr bin ich einfach nur Vielleser und Filmfan und konsumiere ganz einfach nur viel. Der Unterschied liegt darin, dass ich (schlechte Titel) immer wieder auch aussortiere und verkaufe und nicht alles behalte, was ich mir anschaffe.

9. Wo wir gerade bei Sammelwut sind: hast du als Kind Zeitschriften gesammelt? Wenn ja, welche und vor allem: tust du es heute noch?

Ja, als Kind habe ich den Tierfreund und Limit gesammelt. Als Jugendlicher dann Cinema, The Source und Basket. Und heute sind es brand eins, Philosophie Magazin und 11 Freunde.

10. Twitter interessiert es, den Deutschen im Klischee sowieso, andere nehmen es einfach hin: das Wetter. Welche Jahreszeit entspricht deiner Vorstellung von einem „super Wetter“ am ehesten und warum?

(Hoch-)Sommer! Dann kann am Baggersee liegen und Comics/Romane/Zeitschriften lesen, sich abkühlen, vom 10-Meter-Turm springen und danach auf dem Freiplatz Basketball spielen gehen. Dann ist es lange hell und man kann in den Biergarten. Man braucht nicht so viele Kleidungsstücke, keine Heizung und kann eiskalt duschen. Das Eis und Bier schmeckt dann am besten und Grillen ist angesagt.

Das war’s auch schon – es hat sehr viel Spaß  gemacht!

Und hier die Nominierten, von denen ich mir eine Beantwortung meiner Fragen erhoffe:

Lukas von Fragmentum und Das Batman Projekt.

Tobias von Texte und Bilder.

Thies von Tradepaperback.

Marco von Mind’s Delight.

Philipp von Comickladde.

Meine Fragen:

1.) Jeder Comicleser hat so seine Vorlieben. Wie liest du am liebsten? Hefte oder Paperbacks? Original oder auf Deutsch? Softcover oder Hardcover? Oder ist dir alles egal, Hauptsache Comic?

2.) Die meisten verbinden mit Comics Superheldencomics, dabei gibt es so viel mehr. Liest du (nur) US-Comics oder (auch) franko-belgische Comics und Graphic Novels? Warum bzw. in welchen Anteilen?

3.) Ein gutes Artwork kann einen umhauen, aber wenn die Story langweilt bringen die besten Illustrationen nichts. Auf was achtest du mehr: Autor oder Zeichner?

4.) In der Comicsammlug zählt der Überblick. Nach welchen Kriterien sortierst du deine Sammlung? Alphabetisch? Nach Verlagen? Autoren?

5.) Der Klimawandel verändert vielleicht unser Leben. Die Ressourcen sind begrenzt. Bist du eher Optimist oder Pessimist was die Entwicklung der Menschheit angeht?

6.) Comics gelten oft als eskapistisches Medium, reine Unterhaltung, wirklichkeitsfremd. Beschäftigst du dich mit Politik oder gesellschaftlichen Entwicklungen?

7.) Dein Chef gibt dir einen Tag frei/die Uni fällt aus. Was machst du (wenn du keine Comics liest)?

8.) Urlaub ist die schönste Zeit. Welche Art Urlaub machst du? Bist du eher der Bildungs-/Städtereisetyp oder relaxt du lieber am Strand?

9.) Es gibt viele Leser, die keine Klassiker lesen, weil ihnen das altbackene Artwork missfällt. Kannst du das nachvollziehen?

10.) Kein Mensch ist eine Insel. Lässt du dich gern von anderen (Comic-)Bloggern beeinflussen?

Die Regeln, wenn du nominiert wurdest und mitmachst:

Danke dem Blogger, der Dich nominiert hat.

Verlinke den Blogger, der Dich nominiert hat.

Füge eines der Liebster-Blog-Award Buttons in Deinen Post ein.

Beantworte die Dir gestellten Fragen.

Erstelle 10 neue Fragen für die Blogger, die Du nominierst.

Nominiere Blogs, die weniger als 300 Follower (halte ich persönlich für eine optionale Angabe) haben.

Informiere die Blogger über einen Kommentar, dass Du sie nominiert hast.

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Zuletzt gelesen #026: „Scene of the Crime“ von Ed Brubaker

Nachdem ich 2014 in San Francisco war, habe ich Scene of the Crime bei der zweiten Lektüre mit ganz anderen Augen gelesen. Natürlich ist Frisco als Crime-Setting ohnehin aus den Filmklassikern Vertigo von Alfred Hitchcock oder Chinatown von Roman Polanski bekannt. Aber wenn man selbst dort war, ist es halt nochmal was anderes.

Die Miniserie stammt aus der Feder von Ed Brubaker und markiert seinen Durchburch Ende der 1990er Jahre. Danach folgten seine vielfach ausgezeichneten Mainstream-Meisterwerke (der Daredevil-Run und seine Gotham Central-Miniserie), die letztlich wiederum zu den creator-owned Serien (wie Sleeper oder Criminal) führten.

Gemeinsam mit seinen Lieblingszeichnern Michael Lark (Daredevil, Gotham Central und Captain America) und Sean Philips (Sleeper, Criminal, Fatale und The Fade Out) überträgt Brubaker den klassischen Noir-Thriller von Dashiell Hammett und Raymond Chandler in den Comic und die Gegenwart. Ein Privatdetektiv erhält den Auftrag die Schwester einer jungen Frau zu finden. Ab dann nimmt alles seinen typischen Gang inklusive Sogwirkung.

Das Besondere an Scene of the Crime ist zunächst die Noir-Erzählweise: Brubaker (der bis dato noch keine vergleichbar lange Miniserie realisierte) nutzt viel und einen nüchternen Erzähltext, der die Gedankenwelt des Protagonisten widergibt. Die Dialoge sind üppig (Brubaker findet zu üppig, er selbst würde das heute nicht mehr so machen, wie er im Bonusmaterial verrät) und zeitgemäß.

Inhaltich präsentiert Brubaker einen ambivalten Charakter mit Vergangenheit, die ihn in verschiedenen Formen einholt (ein typisches Brubaker-Element, dass er fortan als festen Bestandteil seines narrativen Arsenals nutzt). Die Figuren sind Ambivalent, das Setting und die Handlung sehr realistisch. Es gibt kaum Actionszenen, aber durchaus Gewaltdarstellungen. Insgesamt wirkt die Story noch sehr klar und klassisch wie eine Art Brubaker-Light. Dennoch fesselt die Geschichte und die Figuren sind interessant.

Die Zeichnungen von Lark sind realistisch-stilisiert, die Einstellung wirken sehr filmisch, wobei Lark hier noch nicht auf dem Höhepunkt seines Könnens ist. Die Tusche von Philips sorgt dank des großzügigen Einsatzes von Schwarz für harte Kontraste und die perfekte Stimmung. Im Bonusmaterial sehen wir, dass die Bilder in Schwarzweiß vielleicht sogar die bessere Wahl gewesen wären. Trotzdem schöne Illustrationen, die sehr europäisch wirken und durchschnittliche US-Publikationen immer noch in den Schatten stellen.

Fazit

Scene of the Crime hat den Stein ins Rollen gebracht und ist eine herausragende Crime-Miniserie, die als abgeschlossene Hardcover-Ausgabe (mit Bonusmaterial) von Image Comics neu aufgelegt wurde. Noch nicht so düster und fatal wie die späteren Brubaker-Arbeiten, auf alle Fälle klarer und realistischer. Ein Muss für Crime-Fans!

Zuletzt gelesen #025: „Miracleman Book Three – Olympus“ von Alan Moore

Es gibt nur wenige Comicautoren wie Alan Moore. Ich will jetzt gar nicht alle Klassiker von ihm auflisten oder in Lobhudelei verfallen, aber er zählt schon auch zu meinen Lieblingsautoren (wem es noch nicht aufgefallen ist, „Lieblingsautoren“ ist eine eigene Kategorie in diesem Blog).

Aus seinem Frühwerk (Anfang der 1980er Jahre) stammt die hochgelobte und über Jahre vergriffene Serie Miracleman. Marvel hatte sich die Rechte schon in den 2000er Jahren gesichert und Gerüchte über eine Neuauflage machten die Runde. Immer wieder hatte sich der Termin verschoben (was mich immer wieder dazu getrieben hatte nach überteuerten Ausgaben in Online-Antiquariaten zu schielen). Nun liegt die Serie endlich vollständig, neu koloriert und mit zahlreichem Bonusmaterial versehen auf Englisch als schöne Hardcover-Ausgabe vor (auf Deutsch erscheint die Serie bei Panini als erschwingliche Softcover-Ausgabe).

Warum hat die Neuauflage so lange auf sich warten lassen? Nicht zuletzt auch wegen Rechtsstreitigkeiten. Moore hat sich dagegen erfolgreich gewehrt, dass die Neuauflage mit seinem Namen versehen ist! Der querulantige Kauz hatte sich schon bei den Filmadaptionen zu The Leaugue of Extraordinary Gentlemen, Watchmen und V for Vendetta durchgesetzt, dass sein Name nirgends erscheint (zu stark wog anscheinend die Enttäuschung über die Verfilmung seines Werks From Hell). Marvel hat es so gelöst, dass als Autor „The Original Writer“ angegeben wird, in dem Vertraufen darauf, dass eh alle Comicnerds wissen, wovon die Rede ist.

Doch nun zur Serie und zum dritten Band „Olympus“. Miracleman erscheint zunächst als archetypische Superheldenserie: Der Titelheld wird (durch das Schlüsselwort „Kimota“ – rückwärts und leicht abgewandelt von „Atomic“) unverhofft zum übermächtigen Metawesen und bekämpft seine Nemisis. Was ist jetzt das Besondere an der Serie? Moore greift (für die damalige Zeit) inhaltlich revolutionäre Themen auf wie die Schwangerschaft, denn im Alltag und ohne Keyword ist der Held ein Normalsterblicher mit ganz gewöhnlichen Problemen.

„Olympus“ ist der finale Akt der Serie, in dem sich Moore zu Höchstleistungen steigert: Der Erzähltext liest sich wie hochliterarische Prosa (weshalb für die Englischschwachen die deutsche Übersetzung vorteilhaft ist) und dringt in die seelischen Tiefen des Charakters. Ich kenne wirklich sonst nichts Vergleichbares aus der (Superhelden-)Comicwelt, was bildliche Beschreibungen, Charakterisierung und sprachliche Formulierung berifft. So liest sich der Band/die Serie auch nicht konsumierleicht nebenher, vielmehr erfordert der Text die komplette Aufmerksamkeit des Lesers.

Inhaltlich betritt Moore in „Olympus“ in utopische Gefilde: Schon der Titel spielt auf die Olympier der antiken griechischen Mythologie, die die Titanen vertrieben. Die Metawesen errichten in Moores Comic dank ihrer Gaben auf Erden utopische Zustände (ähnlich wie übrigens in Mark Gruenwalds Marvel-Miniserie Squadron Supreme von 1985/86). Dadurch erhält der Superheld eine gestalterische, politische Dimension, die es bis dato so nicht im Comic gab. Und auch sonst enhthält Miracleman viele Elemente der antiken griechischen Mythologie (die ich hier niemals alle auflisten kann).

Ein philosophischer Grundstein der Serie und des dritten Bandes ist Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra: Der Übermensch überwindet den Nihilismus (der sich aus dem Tod Gottes ergibt) und entwirft religionsunabhängige Moralvorstellungen. Miraclemans Nemisis verkörpert die amoralische Variante des Übermenschen. So bilden die beiden Metawesen eine Medallie mit zwei Seiten. Dieses dualistische Prinzip von Gut und Böse greif auf das gnostische Grundprinzip zurück, das im Comic visuell aufgegriffen wird: Miracleman erscheint hell und blod, wohingegen der Schurke düster und schwarzhaarig ist. Ihr seht also, dass viel Metaphysisches in Miracleman steckt.

Daneben gibt es natürlich auch Actionszenen und Superheldencomicelemente, die jedoch deutlich hinter der Meta-Ebene zurücktreten und vor dem philosophischen Kontext gelesen werden müssen. Auch hier revolutioniert Moore das Genre, indem er die Auswirkungen eines Superheldenkampfes in London fatalistisch für die Bevölkerung inszeniert, indem die Londoner wie die Fliegen sterben und die Stadt ruiniert wird.

Narrativ ist die innovative Erzählweise Moores hervorzuheben, der mit Parallelmontagen und ungewöhnlichen Sequenzen/Seitenlayouts aufwaretet. Noch heute wirken die Panelformen und Sequenzen neu, raffiniert und andersartig. Für die Zeichnungen ist John Totleben verantwortlich, der sich für die utopischen Szenerien beim Zeitungsstripklassiker Winsor McCay (Little Nemo in Slumberland) orientiert und barocke Hintergründe erschafft hat. Im Bonusmaterial kann man seinen Schaffensprozess von der Bleistiftzeichnung zur Tuschierung nachvollziehen und dadurch zum Teil Änderungen beobachten. Überhaupt ist das Bonusmaterial mit einem kommentierten Making-Of (vergleichbar mit einem Audiokommentar bei Filmen) sehr aufschlussreich und gibt sogar noch Interpretationsansätze mit auf den Weg.

Fazit

Nach der Lektüre von Miracleman bleibt mir nichts anderes übrig, als die Lobesfanfare anderer Kritiker nachzuahmen. Die Serie war inhaltich, erzählerisch und visuell seiner Zeit voraus und ist bis heute kaum erreicht (dekonstruktivistische Superheldencomics wie Watchmen ausgenommen, aber das ist ja wieder Moore). Autoren wie Warren Ellis (Supergods) oder Kieron Gillen (The Wicked + The Divine) kratzen mit ihren Werken nur an der Oberfläche von Miracleman. Nichts für Zwischendurch, dafür für die Ewigkeit!

Der Captain America-Run von Ed Brubaker Teil 4: Heroic Age (Steve Rogers)

Der Captain America-Run von Ed Brubaker geht nun in seine vierte Runde. Nachdem zuletzt Bucky Barnes (als Captain America) im Fokus stand, rückt nun wieder Steve Rogers (als Commander für verdeckte Missionen) ins Rampenlicht. Streng genommen handelt es sich hier um einen kleinen Exkurs, denn Captain America ist nicht mit an Bord.

In Steve Rogers: Super Soldier will der Nachkomme des Supersoldatenserumerfinders (wow, was für ein langes und verschwurbeltes Wort) das Serum neu erfinden und an den meistbietenden Terroristen verkaufen. Die Story ist ein ziemlicher Lückenfüller voll mit Spy-Thriller-Action, die nicht an Brubakers Image-Serie Velvet herankommt. Dale Eaglesham sorgt für grundsolide actiongeladene Bilder.

Daraufhin folgen zwei Volumes von Secret Avengers, in denen Steve Rogers geheime Aufträge mit einer handvoll Superhelden ausführt. Im ersten Band fliegt das Team zum Mars und im zweiten Band bekommen sie es in FataleImmortal-Iron-Fist-Manier (weitere Titel von Brubaker) mit einer mysteriösen chinesischen Geheimbund zu tun, der ein teuflischen Ritual einsetzen will. Das Artwork von Mike Deodato garantiert realistische Hochglanzoptik, Will Conrad pflegt dagegen einen leicht stilisierten Strich. Mir hat das erste Volume besser als das zweite gefallen, beide insgesamt besser als der Steve Rogers-Story und lesenswert.

Pre-Death of Captain America:

  • [The Marvels Project]
  • Captain America: Winter Soldier
  • Captain America: Red Menace
  • Captain America: Civil War (collected in The Death of Captain America)

Death of Captain America:

  • The Death of Captain America (Vol. 1-3)
  • The Man with No Face
  • Road to Reborn
  • Captain America: Reborn

Heroic Age (Bucky as Cap):

  • Two Americas
  • No Escape
  • The Trial of Captain America
  • Prisoner of War
  • Captain America & Bucky Vol. 1
  • Captain America & Bucky Vol. 2

Heroic Age (Steve):

  • Steve Rogers: Super Soldier
  • Secret Avengers Vol. 1
  • Secret Avengers Vol. 2

Post-Fear Itself:

  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 1
  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 2
  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 3
  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 4
  • Winter Soldier

Der Captain America-Run von Ed Brubaker Teil 3: Heroic Age (Bucky Barnes)

Weiter geht’s beim Captain America-Run von Ed Brubaker! Ich hab‘ nun in einem Rutsch die „Heroic Age“-Storyline mit Bucky Barnes gelesen und muss sagen, dass es saumäßig viel Spaß gemacht hat (Noch einmal zur Erinnerung: Nach der genialen „Pre-Death„-Phase folgte mit der durchwachsenen „Death of„-Phase ein nicht von der Hand zu weisender Qualitätsverlust).

In Captain America: Two America muss sich Bucky Barnes als Captain America mit dem 1950er-Jahre-Captain America messen und in Captain America: No Escape kriegt er es mit Baron Zemo zu tun. Beides sind hochspannend und linear erzählte Storylines, in denen Brubaker auf Rückblenden und Nebenhandlungen verzichtet. Nach den Wirren kehrt nun wieder Ruhe ein, was dem Run sehr gut tut. Klar verliert der Run dadurch ein innovativer Qualtität was Inhalt und Erzählstil angeht. Aber die straighte Art hat mir in diesen beiden Trades trotzdem sehr gut gefallen!

In The Trial of Captain America muss sich Bucky für seine Taten als Winter Soldier vor Gericht verantworten, dessen Konsequenzen bis in Captain America: Prisoner of War hineinragen. Hier steigert sich Brubaker erneut und bringt die Serie zu neuen Höhen: Brubaker konzentriert sich auf das Schicksal von Barnes und benötigt sonst nur wenige Nebenfiguren, um eine mitreißende wie tiefgehende Story zu erzählen. Auch die Zeichnungen von Butch Guice machen wieder alles gut, was zuletzt gelitten hatte: Sein Stil ist eher an Noir orientiert und verleiht der düsteren Story den passenden Rahmen. Deshalb ist für mich Captain America: Prisoner of War mit ein Höhepunkt des Runs, der leider dadurch unnötig geschmälert wird, dass er Jubiläumsmaterial von anderen Autoren enthält (das ich gar nicht erst gelesen habe).

Im Fall von Captain America & Bucky Vol. 1 +2 ist beim ersten Trade noch halbwegs alles okay: Es geht um Buckys Vergangenheit während des Zweiten Weltkriegs, aber der zweite Trade, für den Brubaker offensichtlich nur noch als Co-Autor (wenn überhaupt!) verantwortlich war, ist absolute Geldmacherei und kann getrost ausgelassen werden. Für die Storyline in der Gegenwart völlig unerheblich und zeichnerisch wie inhaltich banal bis schwach!

Pre-Death of Captain America:

  • [The Marvels Project]
  • Captain America: Winter Soldier
  • Captain America: Red Menace
  • Captain America: Civil War (collected in The Death of Captain America)

Death of Captain America:

  • The Death of Captain America (Vol. 1-3)
  • The Man with No Face
  • Road to Reborn
  • Captain America: Reborn

Heroic Age (Bucky as Cap):

  • Two Americas
  • No Escape
  • The Trial of Captain America
  • Prisoner of War
  • Captain America & Bucky Vol. 1
  • Captain America & Bucky Vol. 2

Heroic Age (Steve):

  • Steve Rogers: Super Soldier
  • Secret Avengers Vol. 1
  • Secret Avengers Vol. 2

Post-Fear Itself:

  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 1
  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 2
  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 3
  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 4
  • Winter Soldier

Der Captain America-Run von Ed Brubaker Teil 2: Death of Captain America

Weiter geht’s beim Brubaker-Captain-America-Marathon! Nachdem ich euch schon die „Pre-Death„-Trades vorgestellt hatte, folgen nun die „Death of Captain America“-Trades von Ed Brubaker.

Den Anfang macht die vielfach ausgezeichnete Storline The Death of Captain America. Hier fährt Brubaker sein ganzes Können auf, wobei er von den Rückblenden abkommt und verstärkt Parallelmontagen verwendet. Das gelingt ihm sehr gut und der Run erreicht mit diesem Trade seinen vorläufigen (?) Höhepunkt.

Der darauffolgende Trade The Man with no Face ist dagegen absolute Zeit- und Geldverschwendung: Die Erzählweise ist weitaus linearer und nicht mehr so komplex, die Charakterisierung bleibt auf der Strecke und der Plot bringt die eigentliche Storyline nicht voran. Es ist lediglich eine beliegbige Epsiode von Bucky Barnes als Captain America, die wohl als Lückenfüller gedient hat – Finger weg!

Road to Reborn nimmt dann gaaaanz laaaangsam wieder die Fäden von The Death of… auf, wobei vieles widergekäut wird, vor allem Sharon Carters Rolle. Dazu gibt es eine nette Ansammlung von huldigenden Jubiläumsepisoden. Kann man also problemlos überspringen, wenn man kein Komplettist ist.

Erst in Captain America: Reborn geht es wieder zur Sache. Hier schafft es Brubaker wieder zumindest in die Nähe des Niveaus von „Pre-Death“ und The Death of… zu gelangen, indem die Komplexität wieder zunimmt.

Pre-Death of Captain America:

  • [The Marvels Project]
  • Captain America: Winter Soldier
  • Captain America: Red Menace
  • Captain America: Civil War (collected in The Death of Captain America)

Death of Captain America:

  • The Death of Captain America (Vol. 1-3)
  • The Man with No Face
  • Road to Reborn
  • Captain America: Reborn

Heroic Age (Bucky as Cap):

  • Two Americas
  • No Escape
  • The Trial of Captain America
  • Prisoner of War
  • Captain America & Bucky Vol. 1
  • Captain America & Bucky Vol. 2

Heroic Age (Steve):

  • Steve Rogers: Super Soldier
  • Secret Avengers Vol. 1
  • Secret Avengers Vol. 2

Post-Fear Itself:

  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 1
  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 2
  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 3
  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 4
  • Winter Soldier

Der Captain America-Run von Ed Brubaker Teil 1: Pre-Death

Der Name steht für Crime Comics, die den Geist von Hard-Boiled/Noir-Kultschriftstellern wie Dashiell Hammet und Raymond Chandler in eine neue Epoche (und in ein anderes Medium) getragen haben: Die Rede ist von Ed Brubaker. Den Crime-Liebhabern ist vielleicht gar nicht bekannt, dass der Autor auch jede Menge Superhelden-Mainstream-Comics gemacht hat (genauso, wie dem Mainstreampublikum vielleicht unbekannt ist, dass er auch Indepedent-Crime-Comics geschrieben hat). Jedenfalls gibt es einen ellenlangen Captain America-Run von Brubaker und ich stell‘ in euch im Blog vor.

Was sich so locker liest, hat es jedoch ganz schöm in sich: Das bedeutet nämlich nichts weniger als ein Lesemarathon von über 20 Tradepaperbacks! Der komplette Run kann thematisch untergliedert werde (siehe Auflistung unten) und daran will ich mich auch von der Reihenfolge her bei der Vorstellung halten (will heißen, ich fasse immer die Trades zusammen, die einen inhaltlichen Bogen spannen).

Den Anfang machen die „Pre-Death“-Trades, wobei ich The Marvel Project weggelassen haben (Komplettisten-Alarm!), weil es sich nicht um eine reine Captain America-Story handelt (und ich den Titel schlicht und erfreifend nicht auf dem Schirm hatte).

Hier haben mir Captain America: Winter Soldier und Captain America: Red Menace richtig gut gefallen. Brubaker liefert hier die Origin für den Winter Soldier und nutzt dabei zahlreiche Rückblenden, Nebenstories und -charaktere sowie Voice-Over-Passagen. Er versteht es, den Charakter auf seine typische Art neu zu interpretieren und selbst den Nebenfiguren neue Dimensionen abzugewinnen. Charakterisierung und Action hatlen sich die Waage, so dass alle auf ihre Kosten kommen. Die Zeichner Steve Epting und Michael Lark (mit denen Brubaker noch mehr Projekte realisiert hat) sorgen für eine realistische und sogstarke Atmosphäre, in die der Leser unmittelbar hineingezogen wird.

Captain America: Civil War kann man dagegen getrost weglassen: Die Story ist ein Tie-In bezüglich des Marvel-Megaevents „Civil War“ und bringt nur am Rande den Cap-Run voran und liegt qualitativ wesentlich hinter den ersten beiden Trades und dem darauffolgenden zurück. Außerdem ist er breeits im Ultimate-Collection-Trade The Death of Captain America enthalten.

Pre-Death of Captain America:

  • [The Marvels Project]
  • Captain America: Winter Soldier
  • Captain America: Red Menace
  • Captain America: Civil War (collected in The Death of Captain America)

Death of Captain America:

  • The Death of Captain America (Vol. 1-3)
  • The Man with No Face
  • Road to Reborn
  • Captain America: Reborn

Heroic Age (Bucky as Cap):

  • Two Americas
  • No Escape
  • The Trial of Captain America
  • Prisoner of War
  • Captain America & Bucky Vol. 1
  • Captain America & Bucky Vol. 2

Heroic Age (Steve):

  • Steve Rogers: Super Soldier
  • Secret Avengers Vol. 1
  • Secret Avengers Vol. 2

Post-Fear Itself:

  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 1
  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 2
  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 3
  • Captain America by Ed Brubaker Vol. 4
  • Winter Soldier

Die besten Filmklassiker des 21. Jahrhunderts: Die 2010er Jahre

Das Jahrzehnt ist gerade mal zur Hälfte abgeschlossen, und doch gibt’s schon den einen oder anderen jüngeren Filmklassiker. Mit von der Partie sind nachwievor die Coen-Brüder, Darren Aronofsky und Christopher Nolan. Altbekannte Meister wie Quentin Tarantino, Terrence Malick oder Martin Scorcese zeigen, dass sie immer noch nicht ihr Pulver verschossen haben. Neu auf der Bühne erscheinen mit David O. Russel und Steve McQueen zwei originelle/talentierte Filmemacher. Aus Deutschland kommt so gut wie nichts bislang. Jacques Audiard hält einsam die Fahne für Frankreich hoch.

Die 2010er Jahre

Black Swan (2010)

*Un prophete (2010)*

Inception (2010)

*The Fighter (2010)*

True Grit (2010)

*The Tree of Life (2011)*

*Shame (2011)*

*Oh boy (2012)*

Django Unchained (2012)

Liebe (2012)

American Hustle (2014)

The Wolf of Wall Street (2014)

Birdman: Or The Unexpected Virtue of Ignorance (2014)

Was hat euch in den 2010er Jahren in puncto Autorenkino bisher am besten gefallen?

Comics sammeln, aber wie? Teil II

Es ist vollbracht: Mein Regal hat Nachwuchs bekommen! Es sind Obstkisten geworden. Der Unterschied zu handelsüblichen Weinkisten ist der, dass Obstkisten von innen genagelt werden, so dass schräge oder längliche Bälkchen an den Ecken Platz wegnehmen. Dafür sehen sie von außen besser aus. Ein weiterer Unterschied ist das Format: diese Obstkisten haben quer gelegt die perfekte Höhe für US-Trades und können hoch gestellt großformatige Franko-Belgier beherbergen.

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Zuerst war Handarbeit angesagt: abkehren und abwaschen. Dann in der Sonne trocknen lassen.

Beim Einräumen der obdachlosen Comic-Exemplare stand ich natürlich vor einem enormen Problem: Wie sortiere ich vernünftig und stimmig? Meine Kritierien hatte ich euch ja bereits hier im Blog ausgebreitet.

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Also ich hab‘ mich schlussendlich dazu entschieden fünf Obstkisten für US-Trades, also quer zu verwenden. So konnte ich eine Obstkiste für Alan Moore und Frank Miller bereitstellen (oben links, über den beiden hochkantigen), eine für Dave McKean, Brian Wood und Image-Serien (oben links bei den vier querformatigen) eine für Ed Brubaker (oben rechts bei den vier querformatigen Kisten), eine für Vertigo/DC- und DC-Titel wie Grant Morrison und J. M. DeMatteis (unten links beim Quartett) sowie Marvel-Titel (unten rechts beim Quartett).

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Die beiden hochkantigen Kisten (unten links) hab‘ ich mir franko-belgischem Überschuss bestückt, der thematisch oder stilistisch eine hohe Affinität zu US-Comics besitzt: Alejandro Jodorowsky, Boucq, Moebius und Jerome Charyn. Ganz witzig ist auch die freie Nische für formell oder inhaltich herausfallende US-Comics.

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Links biegen sich im großen weißen Regal (Achtung skandinavischer Billigschrott!) schon die Bretter durch. Hier sind meine Graphic Novels (u.a. von Joan Sfar, Christohe Blain, Marc-Antoine Matthieu oder Will Eisner) und franko-belgischen Alben (u.a. Klassiker von François Schuiten, Enki Bilal, André Juillard oder Hugo Pratt) aufgehoben. Links daneben (leider abgeschnitten und nicht mehr richtig im Sichtfeld) beginnt dann ein Regal mit Romanen und im untersten Fach sind noch Mangas (genauer nur Gegikas von Jirō Taniguchi) und niedrige Graphic Novels verstaut. Beim nächsten Mal zeige ich euch noch den Rest (im Wohnzimmer und Keller).

Wie sammelt ihr? Auf welche Regalsysteme schwört ihr? Wie sortiert ihr?

Die besten Filmklassiker des 20. Jahrhunderts: die 1990er Jahre

Die 1990er Jahre sind das Jahrzehnt, in dem ich die Klassiker (zumindest gegen Ende der 90er) als Zeitzeuge gesehen habe (und nicht wie bei 1920-1940, 1950er, 1960er, 1970er oder 1980er als Historiker).

Hollywood is back – vor allem Jim Jarmusch, Ethan & Joel Coen und David Lynch sorgen für außergewöhnliches Autorenkino. Oliver Stone und Quentin Tarantino bringen das Thema „Gewalt“ auf neue Art auf die Leinwand.

Mit David Fincher (mit Brad Pitt und Edward Norton), Darren Aronofsky und Paul Thomas Anderson (mit Phlipp Seymour Hoffman) erscheinen zum Ende hin neue innovative Talente. Spike Jonze beweist erstmals erfolgreich, dass Musikvideo-Regisseure auch zum Film wechseln können.

International sind Krzysztof Kieślowski (mit seiner wegweisenden Trilogie), Lars von Trier, Roberto Benigni, Hans-Christian Schmid und Wim Wenders erwähnenswert, weil sie besondere Erzählweisen verwenden.

8. Die 1990er

Bis ans Ende der Welt (1991)

Night on Earth (1991)

Reservoir Dogs (1992)

*Trois couleurs: Bleu (1993)*

Pulp Fiction (1994)

Natural Born Killers (1994)

*Trois couleurs: Blanche (1994)*

*Trois couleurs: Rouge (1994)*

Dead Man (1995)

Twelve Monkeys (1995)

Fargo (1996)

Lost Highway (1997)

La vita è bella (1997)

*Pi (1998)*

Festen (1998)

23 – Nichts ist so wie es scheint (1998)

Fight Club (1999)

Magnolia (1999)

Being John Malkovich (1999)