Zuletzt gesichtet #002: „The Salvation“ von Kristian Levring

Western haben bei mir (=Western-Muffel) nach der gelungenen Wiederbelebung durch jüngere Filme wie 3:10 to Yuma, True Grit und Django Unchained einen neuen Stand bekommen. Zudem bin ich ein ausgewiesener Fan von Mads Mikkelsen. So war die Wahl für Kristian Levrings dänischen Spätwestern The Salvation keine schwere.

Darin tritt Mikkelsen als Familienvater auf, dessen Familie erschossen wird. Der Täter ist dann auch noch der Bruder eines Schutzgeld erpressenden Ex-Colonels Delarue (genial: Fußballlegende Eric Cantona als Fiesling). Eva Green mimt eine stumme Witwe, die sich gegen das System Delarue auflehnt.

The Salvation ist ein geradliniger Rache-Western, der manchmal spröd und vor allem resolut daherkommt: Da wird nicht lange gefakelt und auch die Dialoge halten sich in Grenzen. Die Darsteller machen allesamt einen guten Eindruck, wobei mir die Rollen insgesamt zu eindimensional und klassisch gestrickt wurden. Außerdem wirkt die Kulisse (auch wegen dem Licht) etwas überstilisiert, aber das sind nur kleine Wehrmutstropfen.

Fazit

The Salvation erschien mir wie eine Mischung aus Michael Kohlhaas (daran ist wohl die Sprödheit des Nordischen Kinos und Mikkelsen schuld, der auch dort die Hauptrolle spielt) und 3:10 to Yuma. Erzählerisch kann er True Grit oder Django Unchained nicht das Wasser reichen und trotzdem war er spannend und unterhaltsam bis zum Schluss.

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Zuletzt gesichtet #001: „Prisoners“ von Denis Villeneuve

2014 hatte ich im Kino Enemy von Denis Villeneuve gesehen – und ich war leider eher ernüchtert. Mir war das Mystery-Drama zu prätentiös, trotz einer guten Darstellung von Jake Gyllenhaal. Von daher war ich lange skeptisch, was die anderen von den Kritikern gelobten Arbeiten Villeneuves angingen. Doch nachdem ich immer öfter über Prisoners gestolpert bin, habe ich dem Thriller schllussendlich doch noch eine Chance gegeben.

Und das war gut so. Denn Prisoners ist ein spannend aufgebauter und inhaltlich interessanter Thriller geworden. Dabei sind die Hauptdarsteller in atypische Paraderollen geschlüpft: Hugh Jackman mimt den willensstarken Macher, aber auch gewissermaßen das Opfer (Vater eines Entführungsopfers), das zum Täter wird. Gyllenhaal dagegen zeigt sich als zögerlichen Kriminalkommisar, der den Fall scheinbar nicht mit der erforderlichen Stringenz angeht (zumindest aus der Sicht der Betroffenen).

Es es ist also ein Entführungsthriller, und doch erinnert er atmosphärisch auch an Mordthriller wie Seven oder Zodiac. Ansonsten schneidet Villeneuve mit der Folter ein (damals hochaktuelles) brisantes politisches Thema an und zeigt auf raffinierte Art die moralischen Fallstricke auf. Vor allem das Ende erinnert auch an den Maestro selbst, Alfred Hitchcock.

Fazit

Prisoners ist ein wendungsreicher und schnörkellos inszenierter Thriller mit guten Darstellern und diskusionswürdiger Thematik. Hat mich persönlich wieder mit Villeneuve versöhnt, nachdem mir Enemy (der sicherlich auch nicht grottenschlecht war) nicht so zugesagt hatte.

Zuletzt gelesen #007: Warum überzeugt der Genre-Mix „Peter Panzerfaust“ nicht ganz?

Wer kennt nicht Peter Pan? Eben. Doch Image hat eine Serie veröffentlicht, die die Charaktere aus dem phantastischen Setting in den Zweiten Weltkrieg verfrachtet. Die Übersiedlung des Stoffes in ernstere Gefielde hatte ja schon bei Régis Loisels Meisterwerk Peter Pan hervorragend funktioniert. Doch als Kriegsgeschichte?

Kurtis J. Wiebe und Tyler Jenkins haben das jedenfalls kaltschnäuzig gemacht. Und der Stoff funktioniert tatsächlich auch ohne Fliegen, Krokodil und (zumindest im ersten Trade) Hook. Die Waisenjungen um Peter schlagen den Nazischergen hier und da ein Schnippchen und benötigen hierfür keinen Feenzauber, sondern nur Mut und Grips (okay: und Schusswaffen). Durch clevere Strategien machen sie Schwächen in Erfahrung und Stärke wett.

Das Problem liegt jedoch in der glorifizierten Charakterisierung der Waisenjungen, die sich zu souverän gegen die erwachsenen Nazis behaupten und allen voran Peter wird als heilbringender Messias gefeiert. Gut, man könnte entgegnen, dass das auch schon in der Vorlage ist, aber da gibt es mit Hook immer noch einen bedrohlichen Widersacher, der bei Peter Panzerfaust fehlt. Obwohl auch die Waisen Verluste zu beklagen haben, gibt es dennoch keine wirkliche Gefahr oder Herausforderung bisher, aber das könnte im Lauf der Serie besser werden.

Das Artwork weist einen individuellen, stilisierten Strich auf, der sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft, aber dennoch gut zum Erzählton passt.

Fazit

Der erste Trade von Peter Panzerfaust stellt eine gelunge Genre-Mischung aus Coming-of-Age, Zweiter Weltkrieg und Abenteuer dar, scheitert aber an Pathos und fehlendem Gegner bzw. an der fehlenden Herausforderung.

Zuletzt gelesen #005: Warum ist Sergio Toppis „The Collector“ eine kunstvolle Abenteuer-Serie?

Es gibt Comics (oder Filme oder Romane), die lassen sich einfach und schnell konsumieren. Diese sind leicht zugänglich, weil sie unseren Sehgewohnheiten entsprechen und nicht viel abverlangen. Dann gibt es Comics für Genießer. Diese haben aufwendige, meist künstlerisch wertvolle Artworks, die sich von gewohnten Sehgwohnheiten unterscheiden und in denen jedes einzelne Panel genauso gut in einer Kunstausstellung hängen könnte. Enki Bilal, François Schuiten, Kent Willliams, Jon J. Muth, Bill Sienkiewicz, Dave McKean, André Juillard, Gibrat oder Sergio Toppi (hier ist ein Teaser zu meinem Reddition-Artikel über Toppi) sind solche Comickünstler.

Von zuletzt genanntem stammt die fünfbändige, leicht mystisch angehauchte Abenteuerserie Le collectionneur, die ich mir auf Englisch als Gesamtausgabe (von Archaia) gegönnt hab‘. Inhaltlich stellt die Serie eine Mischung aus Hugo Pratts Corto Maltese und George Lucas‘ Indiana Jones dar. Der Protagonist ist wie Corto Maltese ein charismatischer, stoischer Abenteurer, der mit seinem schlitzohrigen Lächeln und einer mystischen Verbindung zu höheren Mächten allen Gefahren trotzt. Er ist aber entgegen Maltese ein durchaus ambitionierter Abenteurer, denn er sammelt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts legendenumwobene Artefakte wie Waffen oder Kunstgegenstände.

Toppi nutzt die Legenden um die Artefakte für interessante historische Rückblicke, die er in seine Abenteuer einstreut. Die fünf Bände ähneln sich konzeptionell: es gibt ein Artefakt, dass der Sammler begehrt, aber jede Menge Hindernisse, die es zu überwinden gibt (hier variiert der italienische Autor so viel wie geht). Deshalb ist es besser die Bände nicht in einem Rutsch zu lesen, sondern portioniert mit Pausen, denn dann freut man sich jedesmal wieder und kann die unzusammenhängenden Abenteuer ohne Schmälerung genießen.

Das Seitenlayout bricht oft die gängige Abfolge von Panels zugunsten einer freien Darstellungsweise ohne Panels auf. Toppi verwendet in narrativer Hinsicht auch eine ungewohnte Form des Rückblicks: in einem Panel sehen wir einen Erzähler, der im Sprechblasentext etwas Vergangenes wiederaufleben lässt (Legende eines Artefakts) in den darauffolgenden Panels erhalten wir in stummen Panels Impressionen des Geschilderten. Standardisierte narrative Erzählweisen sind Voice Overs aus dem Off (Dialog oder Erzähltext) zu vergangenen Ereignissen (oft sind diese dann auch stilistisch oder farblich anders gestaltet). Toppis Vartiante ist ungewöhnlich und ist deshalb (auch noch heute) sehr innovativ.

Die exotischen Schauplätze wechseln, so dass wir mal in Irland, Neuseeland, Australien oder Neuguinea unterwegs sind. Die jeweiligen Eingeborenen mit ihren malerischen Kriegsbemalungen und exotischen Kleidungen stellen für Toppis ornamentalen Strich eine Steilvorlage dar, die er gemeinsam mit den Naturhintergrunddarstellungen meisterlich zu nehmen weiß. Das schwarzweiße Artwork ist etwas für Genießer, deren Blick auch einmal länger auf einem Panel haften bleibt, um die genuinen Ornamente in den kleidungen, Haaren oder Landschaften zu bestaunen. Diesem Ornamentalstil liegt nicht nur handwerkliche Meisterschaft, sondern auch ein mystisches Raunen zugrunde, das man aus dem Filmbereich sonst nur von Andrej Tarkowski kennt.

Hier ist eine Leseprobe der französischen Gesamtausgabe.

Fazit

Le collectionneur ist eine stilistisch meisterliche Abenteuerserie mit Klassikerstatus. Man braucht dazu allerdings ein Faible für Kunst (Toppi ist stark von der Gravur und Gustav Klimt beeinflusst worden) oder künstlerische Illustrationen, um Freude daran zu finden.

Zuletzt gelesen #004: Warum ist „Black Widow“ ein stilsicherer Spionage-Thriller?

Zuletzt hatte ich doch einige Marvel-Serien gelesen. Der Verlag hat sich seit dem Neustart (Marvel Now!) erneuert. Eine Innovation daraus waren Serien wie The Superior Soes of Spider-Man, die ihren Fokus mehr auf Charaktere legen, oder Serien, die visuell neue Pfade betreten wie Elektra. Nun habe ich mit Black Widow noch eine Serie begonnen. Bisher sind zwei Trades erschienen und da mich die Ästhetik sofort angesprochen hatte, habe ich im Laden meines Vertrauens gleich beide bestellt.

Die Story stammt von Nathan Edmonson (noch nie gehört) und nimmt im ersten Trade plottechnisch gleich volle Fahrt auf, jedoch noch ohne durchschlagend zu überzeugen. Wir erleben Natasha Romanova als Geheimagentin im Feld, die (buchstäblich, also als Freelancer) auf eigene Rechnung oder im Auftrag von S.H.I.E.L.D. spioniert und Zielpersonen befreit oder tötet, wobei sie auf befreundete Helden (Daredevil, Punisher, Winter Soldier) trifft. Hier werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die Marvel-Redakteure nicht allein auf den Charakter verlassen wollten, was unnötig ist, aber andererseits sind Team-Ups und Cameos ja auch nicht ungewöhnlich für Superheldencomics. Plottechnisch spannend wird es dann im zweiten Trade, weil die Herausforderungen interessanter und gefährlicher für Natalia werden.

Ähnlich wie bei Elektra werden die Actionsequenzen durch eine Grundfrage strukturiert: Wer bin ich? Die Identitätsfrage wächst zwar nicht zur Identitätskrise aus, aber Zweifel über das Widow’sche Einzelgängertum macht sich hier und da breit. Während Elektra ihre Identität aus der Vergangenheit (narrativ durch Erinnerungen) bezieht, baut sich die Identität der Ex-KGB-Agentin eher aus der Gegenwart zusammen: heimatlos bzw. überall beheimatet, findet sie sich überall zurecht, aber ist nirgends zuhause. Nur wenige Konstanten (wie ihre Katze oder ihr Anwalt) stützen ihren ungewöhnlichen Lebensrhythmus.

Vollkommen überzeugend sind dagegen die Illustrationen von Phil Noto. Es gibt keine Tusche, sondern „nur“ kolorierte Bleistiftzeichnungen, wodurch die Ästhetik sehr plastich wirkt. Die lichtdurchfluteten, bunten Farben wirken stilistisch sehr frisch und verleihen der Serie einen ganz individuellen Look (hoffentlich lassen die nicht andere Illustratoren ran). Weniger Hochglanz wie gewohnt und sehr übersichtlich gestaltet, gefällt das Artwork auf Anhieb ohne mit der Zeit etwas davon einzubüßen.

Fazit

Black Widow ist eine stilsichere Marvel-Serie, die mit der Zeit auch inhaltlich interessanter wird. Im Espionage-Thriller-Bereich kommt Black Widow nicht an Ales Kots Zero (derzeit das beste in dem Genre) heran, muss sich aber nicht vor Ed Brubakers Velvet verstecken. Ich werde die Serie (ähnlich wie Elektra) erstmal weiterlesen und abwarten, ob sie sich weiter steigert.

Zuletzt gelesen #003: Warum ist „Kililana Song“ von Benjamin Flao eine wunderschöne Kenia-Ballade?

Das Cover von Kililana Song (zumindestens vom ersten Teil) strahlt farbenfroh, wie die perfekte Urlaubslektüre entgegen. Dieser frohe Schein enthält noch keine Andeutungen der durchaus dramatischen Inhalte von Benjamin Flaos zweibändigem Graphic Novel.

Themen sind Drogen, Armut, Gewalt, Bauprojekte, Umweltzerstörung, Meer, Europäier in Afrika, afrikanische Mythologie und Familiegeschichte, verpackt in eine Geschichte zwischen urbaner Streifzug, Drogenschmuggel und mythischem Meeresabenteuer. Flao schafft es jedoch, diese Themen auf leichtfüßige Art und ohne Pathos zu erzählen.

Das liegt zum einen an dem 10-jährigen kenianischen Protagonisten, der als Sympathieträger und/oder Identifikationsfigur fungiert, und Flaos lichtdurchflutete Illustrationen, die durch naunciert-aquarelliertte Farben und eine übersichltiche Seitenlayout gekennzeichnet sind.

Mich haben die dichte Atmosphäre, der lockere Erzählton der dramaturgische Aufbau und Höhepunkt an Matthias  Schultheiss‘ Reise mit Bill erinnert, thematisch hat Flao jedoch eigene Schwerpunkte gesetzt. Die beiden gebundenen Bände gibt’s auf Deutsch bei schreiber&leser.

Fazit

Kililana Song ist wunderschön illustriert, stilistisch individuell und eindrucksvoll, inhaltlich interessant sowie erzählerisch spannend. Flaos Kenia-Ballade ist ein modernes Märchen für Erwachsene (man klingt das abgedroschen, aber das sind leider genau die Worte, die auf die Graphic Novels perfekt passen). Unbedingt bei akutem Fernweh einnehmen!

Zuletzt gelesen #002: „Conan“ von Brian Wood

Wer Brian Wood noch nicht kennt: er ist ein talentierter US-Comicautor, der sich vor allem durch Independent-Arbeiten für Dark Horse, Vertigo und Image Comics einen Namen gemacht hat. Er versteht es, klassische Genres neu zu interpretieren und durch seine prosaisch-episodenhaften Erzählweise zu brandmarken. Nachdem ich schon seinen stilprägenden Near-Future-Thriller Channel Zero (mit Becky Cloonan), seinen wegweisenden Coming-Of-Age-Road-Trip Local (mit Ryan Kelly), seine Wikingerserie Northlanders (u.a. Ryan Kelly, Becky Cloonan und Fiona Staples) und seine Superhelden-Volleyball-Dystopie Mara (mit Ming Doyle). Als sein zentrales Opus Magnum wird in der Regel die ausufernde Near-Future-Thriller-Serie DMZ (u.a. mit Andrea Mutti und David Lapham) genannt, mich schreckt dabei aber allein schon die schiere Länge ab (12 Trades). Daher habe ich mich auf den überschaubaren Conan-Run gestürzt, der in gerade mal vier Trades vorliegt und im Original bei Dark Horse erschienen ist.

Zentral geht der Conan -Run um Geschlechtsbilder: Die (veränderte) Rolle von Mann und (beziehungsweise zur emanzipierten) Frau. Bêlit und Conan sind ein Liebespaar wie Bonny&Clyde erleben durch ihre Abenteuer etliche Zerreißproben. In Zeiten, wo Scheidungen fast schon zum Normalfall gehören oder feste Bindungen zu Karrierehindernissen werden überprüft Wood auf höchst unterhaltsame Weise, wie Liebe unter widrigen Umständen bestehen kann. Conan akzeptiert selbstverständlich eine zur Göttin stilisierte, unabhängige Frau und diese wiederum akzepitert bedingungslos den ihr kulturell fremden Mann.

Daneben muss festgehalten werden, dass Wood einen textlastigen Erzählstil pflegt mit prosaischem Erzähltext und deftigen Dialogen. Woods typische episodenhafte Erzählweise (wie in der noch laufenden Dark Horse-Serie The Massive oder am stärksten in der 7-bändigen Vertigo-Serie Northlanders) kommt dabei allen zugute, die keinen Bock haben, die komplette bzw. ausufernde Conan-Serie zu lesen. Wood beginnt einfach aus dem Nichts heraus und schildert in vier Trades seine Interpretation des Wilden.

Die Zeichnungen sind weniger formvollendete Hochglanz-Optik und schwanken stark. Woods Conan zählt deshalb sicherlich nicht zu den am besten gezeichnetsten Serien, aber sie visualisieren das Raue der Story sehr gut – also eher Rock als Pop. Immerhin die Farben stammen von Dave Stewart, die Stimmung auf hoher See oder im Kampfgetümmel an Land gut einfängt. Ansonsten stammen die Zeichnungen u.a. von Paul Azaceta, den ich hier ja schon für Outcast gelobt hatte, und Becky Cloonan.

Zu den einzelnen Bänden: Ich würde sagen, dass der erste Band (Conan 13: „Quenn of the Black Coast“) der beste ist. Der zweite Trade (Conan 14: The Death) ist auch noch okay (aber schon merklich schwächer), wohingegen der dritte (Conan 15: The Nightmare of the Shallows) getrost ausgelassen werden kann (hier wiederholt sich Wood und verläuft sich im Nirgendwo). Der Abschlussband (Conan 16: Song of Bêlit) schlägt dann wieder versöhnlich den Bogen zum ersten Band. Also im Prinzip reichen der Auftakt- und der Schlussband, wer nicht genug bekommt, kann ja dann immer noch die anderen Bände holen. Auf Deutsch ist der Run unter dem Titel Conan – Der Barbar bei Panini Comics erschienen.

Fazit

Woods Conan-Run zeigt vordergründig gewohnte und deshalb kurzweilige Savage-Adventure-Kost, die qualitativ schwankend, aber ausdrucksstark illustriert wurde. Macht Spaß und setzt keinerlei Vorkenntnisse der laufenden Serie voraus, ist aber nur Wood-Komplettisten in seiner Gänze ans Herz gelegt, sonst lieber selektiv die Bände auswählen. Ansonsten zählt Conan sicherlich nicht zum Besten, was Wood gemacht hat. Neueinsteigern würde ich den One Shot Mara (Image) oder die Serie Northlanders (Vertigo) empfehlen.

Zuletzt gelesen #001: „Outcast“ und „Das rote Dreieck“

Mit „Zuletzt gelesen“ gibt’s ab sofort eine neue Kategorie, die den Weggang der kurzlebigen „Wochenendlese“ auffangen soll. Der Titel verrät ja auch schon alles und ich will gar nicht länger um den heißen Brei reden. Nur noch eines: es handelt sich hierbei nicht um ausgewachsene Rezensionen.

Outcast (2014/onoing)

Um Image Comics kommt man einfach nicht mehr herum. Die Frage ist inzwischen doch eher, wie viele Image-Serien man liest. Outcast ist eine spannend erzählte, realistisch gehaltene und atmosphärisch dichte Exorzismus-Serie von Robert Kirkman, Paul Azaceta und Elizabeth Breitweiser. Der erste Trade hat mich überzeugt, obwohl ich kein großer Horror-Fan bin (siehe Rachel Rising), weil hier nicht der Schock im Vordergrund steht, sondern die Charaktere. Abgesehen von der düster gehaltenen Kolorierung hat mich das Artwork und die übersichtliche Panelgestaltung stark an Titel wie Come Back erinnert. Sehr spannende und vielversprechende Eröffnung, die definitiv Lust auf mehr macht!

Das rote Dreieck (1995)

Dann gab’s auch wieder etwas Klassisches: Andreas hatte ich bereits durch meine Rezension zur Rork Gesamtausgabe vorgestellt. Die Serie war für mich Grund genug, das Werk des deutschen Comiczeichners näher unter die Lupe zu nehmen. Und mit Das rote Dreieck hatte ich ein limitiertes Exemplar (beim Arboris Verlag erschienen) erbeutet, das beim Durchblättern eine interessante Mischung aus Architektur, innovativer Comicsprache und phantastischer Geschichte zu versprechen schien. Und dem war dann auch so. Andreas lotet die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit grafisch und erzählerisch auf sehr rätselhafte Weise aus. Mystery-Perle irgendwo zwischen François Schuiten und Moebius!

Warum ist „Rork“ von Andreas ein vielschichtiges Meisterwerk der Phantastik?

Während ich Cromwell Stone bisher liegen gelassen habe (sträflich, ich weiß, ich weiß, werd‘ ich bald nachholen, versprochen!), hat mich Rork gleich angesprochen. Der phantastische Klassiker des deutschen Comickünstlers Andreas (Martens) erscheint in einer schmucken Neuauflage als zweibändige Gesamtausgabe bei schreiber&leser, also zugreifen! Bisher kannte ich von Andreas (zu meiner Schande) lediglich die zynische Geschichtsgroteske Quintos (sehr empfehlenswert!) über den spanischen Bürgerkrieg.

Um was geht Rork? Keine Ahnung. Nein, Spaß beiseite, so wirklich weiß ich jetzt nach dem ersten Band der Gesamtausgabe tatsächlich noch nicht. Der Titelheld ist ein zeitloser Weißhaariger mit übernatürlichen Fähigkeiten, der an Hugo Pratts mystisch wie stoisch veranlagten Abenteurer Corto Maltese erinnert, nur dass er nicht durch die Weltgeschichte mäandert, sondern ähnlich wie Major Grubert in Moebius‚ Le Garage Hermétique durch Realitäten.

Zunächst begleiten wir den Helden durch Kurzgeschichten und fragen uns, was das ganze soll? Nette phantastische Kurzgeschichten, die von ihrer Qualität an die literarischen Kurzgeschichten eines H. G. Wells oder Ray Bradbury erinnern, aber nur Stückwerk bleiben. Nein. Denn Andreas schafft es nach einer Weile alle Fäden zusammenzuführen und aus mal mehr, mal weniger pointierten Kurzgeschichten eine ausgewachsene Story zu fabrizieren. Und das macht Spaß.

Andreas zeigt sich als vielseitiger Erzähler, der durch die Variation von Rhythmus, Seitenlayout und den gezielten Einsatz von Erzähltext, Dialog und stummen Sequenzen für viel Abwechslung sorgt. Diese grafische (schwarzweiß und koloriert) wie narrative Heterogenität wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas unentschieden, entfaltet auf lange Sicht aber eine ungeheure Originalität wie wir sie selten zu Gesicht bekommen. Die innovative Comicsprache lässt sich schwer vergleichen, aber Anklänge an Antoine-Marc Mathieu oder François Boucq.

Der deutsche Comiczeichner führt einen spitzen Strich mit kantigen Gesichtern und detailverliebten Hintergründen, Schraffuren und einer Vorliebe/Stärke für architektonische und (bedeutungsschwangere) geometrische Motive. Phantastische Wesen und Elemente prallen auf historische Bauwerke und die Natur. Insofern ist zweifelsohne eine Parallele zum Werk der belgischen Schuiten-Brüder vorhanden, doch wirkt Andreas‘ Arbeit abwechslungsreicher, weil er die geometrische Strenge immer wieder durchbricht.

Fazit

Rork ist eine rätselhafte Phantastik-Serie, die die Qualität von literarischen Klassikern mit einer erzählerischen und grafischen Raffinesse vereint. Andreas breitet seine Genialität behutsam und mit langem Atem, aber um so einschlägiger auf und ich bin untröstlich, dass ich bisher so wenig vom Deutschen gelesen habe. Das wird sich ändern!

„Stereo“: Warum erinnert der Psycho-Thriller an „Drive“ und „Oldboy“?

Mit Stereo (2014) gab’s endlich mal wieder was Deutsches in meinem heimischen Kino. Der Cast ist mit Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu prominent besetzt. Der Regisseur Maximilian Erlenwein war für mich dagegen noch ein unbeschriebenes Blatt. Die Erwartung war mittelhoch. Und so war ich überrascht und hocherfreut ob dieser gelungen Mischung aus Drive (2011) und Oldboy (2003). Inhaltlich geht es um Erik (ein überzeugender Jürgen Vogel, wie wir ihn aus Der freie Wille kennen!), der sich eine neue Existenz aufbauen will, aber von seiner Vergangenheit eingeholt wird.

Aus Drive (und aus der Pusher-Trilogie bzw. von Nicolas Winding Refn allgemein) hat sich Erlenwein das Stilisierende, den einsamen Anti-Helden auf dem Motorad und dem rechten Pfad, die dichte und knisternde Atmosphäre, ausbrechende Gewalt, die elektronische Filmmusik (mit Moderat!!!) und die patriarchaisch-bodensätzige Mafia-Unterwelt übernommen.

Aus Oldboy stammen vor allem der inhaltliche Komponenten: Rache-Motiv, innere Zerrissenheit zwischen Moral und Trieb, ausbrechende Gewalt. In einer Szene verneigt sich Erlenwein explizit vor Park Chan-wook, aber ich will hier nicht spoilern (diejenigen, die Stereo und Oldboy kennen, können die besagte Szene ja kommentieren).

Es gibt noch mehr Filmzitate: so wird auch Stanley Kubricks Filmadaption A Clockwork Orange (1971) in einer Traumsequenz zitiert.

Erwähnenswert ist auch der Schnitt, der der Narration in einzelnen Sequenzen Abwechslung beschert: Durch schnelle Cuts von Nahaufnahmen auf Details durchbricht Erlenwein seine Erzählweise und lässt Andeutungen für sich sprechen. Hätte er gerne noch öfter einsetzen dürfen. Ansonsten ist mir auch das Licht aufgefallen: in den Nachtszenen sorgen beispielsweise Flutlichter auf einem Feld für eine entrückte Stimmung.

Fazit

Stereo ist ein spannender, kompakter, stimmungsvoller, stilisierter, überdurchschnittlicher Psycho-Thriller (made in Germany)! Mich hat es jetzt jedenfalls neugierig auf Erlenweins Debütfilm Schwerkraft (2009) gemacht.