Zuletzt gelesen #042: „Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland“ von David Schraven und Vincent Burmeister

Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland ist das Comicdebütwerk von David Schraven und Vincent Burmeister. Sie verfolgen keinen minutiösen dokumentarischen Ansatz über das Unglück, sondern wählen das historische Setting, um eine erfundene spannende Serienmördergeschichte zu erzählen. Der Ich-Erzähler arbeitet auf der norwegischen Bohrinsel und beginnt ein Verhältnis mit einer Mitarbeiterin. Ein Nebenbuhler hat es auch auf seine Geliebte abgesehen. Der Konflikt eskaliert.

Die Bohrinsel ist symbolisch stark aufgeladen und steht in sozialem Bezug für Ausweglosigkeit, Instabilität und Außeralltäglichkeit. Das Leben auf der Bohrinsel führt bei den Menschen zu Scheuklappenblick und einer Transformation moralischer Vorstsellungen, so dass Grenzen des normalen Miteinanders schnell überschritten werden, wodurch Gewalt zu einem probatem Mittel wird, über das sich der Mantel des Schweigens ausbreitet.

Die Bohrinsel selbst steht auf einer Meta-Ebene für den technischen Fortschritt, der sich gegen die feindselige Natur (das Meer) behauptet. Der Mensch ist korrumpiert, weshalb der Protagonist letztlich gegen das Menschenwerk vorgeht und die natürlich gegebene Ausgangsposition widerherstellt. Die raue See versinnbildlicht mit ihren starken Wellen die innere Aufgewühltheit des Protagonisten, der von allen enttäuscht wird und deshalb zum Berserker wird, bis zur Katharsis.

Schraven verwendet ausschließlich die Ego-Perspektive des Protagonisten, was eine stark subjektive Sicht erlaubt, die typischen Crime Noir-Texten entspricht. Mit einer nahezu belanglosen Art berichtet der Anti-Held von Gewalt und Katastrophen auf der Bohrinsel.

Die technisch einwandfreien Illustrationen weisen kräftige Konturen, viele Details und nuancierte Farben auf. Die Bilder und Sequenzen wirken weniger dynamisch als wie festgefrorene Momentaufnahmen. Durch die Kombination von großen Panels, Einseitern und Doppelseiten auf der einen Seite und Querformat der Graphic Novel auf der anderen Seite, entsteht eine cinemascopische Ästhetik: Man versinkt förmlich in den Seiten. Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland beim Carlsen Verlag erschienen.

Fazit

Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland ist eine spannende archetypische Allegorie vor einem interessanten historischem Setting. Das schöne Artwork kommt durch das ungewöhnliche Querformat herrlich zur Geltung. Man darf nur nicht den Preis mit der Lektürezeit (ca. 15 Minuten) aufwiegen (außerdem ist es eines jener Bücher, die man immer wieder aus dem Regal zum Durchblättern und Herzeigen in die Hand nimmt). Starkes Debüt, made in Germany!

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