Dufaux & Jérémy: Barracuda 5 – Kannibalen [zuletzt gelesen #066]

U_3863_1A_ECC_BARRACUDA_05.IND8Das Piratengenre feiert ein Revival – und das ist gut so. Wobei die Seeräuber und Rum trinkenden Schatzsucher im Comicbereich nie wirklich weg waren. Mit Barracuda (Dargaud) machen Jean Dufaux und Jérémy eine Serie (sechs Bände sind geplant, aber da wäre ich vorsichtig, bei Dufaux kann es mitunter auch mehr werden), die das Genre nicht grundlegend erweitert (auch hier geht es um einen Schatz), aber resolut und mit interessanten Figuren umsetzt. Dufaux hat sich als Meister von Abenteuerserien vor historischen Kulissen erwiesen: Serien wie Murena oder Giacomo C. zählen zum besten, was der Belgier gemacht hat. Erfreulicherweise verzichtet er in Barracuda auf phantastische Elemente (wie im schwächeren Conquistador), es gibt nur wenige magische Elemente. Nun hat die Egmont Comic Collection den fünften Band unter dem Titel „Kannibalen“ auf Deutsch veröffentlicht.

Wenn sich Schicksale und Säbel kreuzen

17. Jahrhundert: Raffy (Sohn des Piraten Blackdog) ist in den Händen der Spanier, nachdem diese Puerto Blanco erfolgreich eingenommen haben und die wollen den Ehebrecher am liebsten massakrieren. Seine Herzensdame Maria del Scuebo und Jean Forehand, die den Roten Falken zu Hilfe ruft, wollen ihn mit den verbliebenen Freunden befreien. Auch Blackdog befindet sich in Gefangenschaft: die kannibalistischen Moori verlangen (wie alle anderen auch) den Diamenten von Kashar. Gibt Blackdog seinen Schatz Preis, um seinen Sohn zu retten und seine Freiheit zu erkaufen? Was hat es mit dem Roten Falken auf sich?

Auch im fünften Band spielt sich alles hauptsächlich auf der Insel ab. Dennoch gibt es einige typische Piratenmomente. Die „Barracuda“ bekommt einen Kurzeinsatz und die Freibeuter kämpfen vereint gegen die Spanier. Die Ereignisse spitzen sich jetzt drastisch zu (Dufaux hat alle Fäden fest in der Hand), so dass im abschließenden sechsten Band das endgültige Finale kommen darf. Der Belgier erzählt sehr rasant (wenig dialogreiche Szenen) und verwendet einen (sparsam eingesetzten) Erzähler. Er wechselt dabei immer wieder die Handlungsebenen und Schauplätze und schafft es, das große Figurenensemble mit Überblick einzusetzen.

Kraftvolle und intensive Bilder

Jérémys Illustrationen bestechen aufgrund intensiver Farben durch eine greifbare Unmittelbarkeit. Seine Zeichnungen sind eindrucksvoll, weil er einen individuellen Strich führt und kraftvolle Bilder schafft, egal ob historische Kleidung, Waffen, Schiffe oder Gebäude, Figuren, Kampfszenen oder ruhige Szenen. Sein großes Vorbild könnte der verstorbene Comiczeichner Philippe Delaby gewesen sein (mit dem Dufaux in Murena und Ritter des verlorenen Landes zusammengearbeitet hat). Das besondere an Jérémys Bildern ist die dichte Atmosphäre, die zwischen Realismus und magischer Entrücktheit oszilliert. Man spürt förmlich den Urwald auf der Insel, das plätschernde Meer und die Energie, die von den Protagonisten ausgeht (dabei ist Jérémy noch ein blutiger Anfänger).

In Barracuda 5 spitzen sich die Handlungen zu, die Spannung erreicht einen vorläufigen Höhepunkt. Dufaux und Jérémy haben alles fest im Griff und bescheren dem Leser beste Piratenkost mit viel Gewalt, interessanten Charakteren und einem magischen Schatz. Was mir auch sehr gut gefallen hat, war das graue Vorsatzpapier, das mit einer Kampfszene (man sieht die Kannibalen-Horde) illustriert ist. Mehr Infos zur Serie gibt es auf der Verlagsseite.

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Christin & Juillard: Lena und die drei Frauen [zuletzt gelesen #063]

I3567m Paradies warten die Jungfrauen – das wird islamistischen Selbstmordattentätern gemeinhin versprochen. Doch was ist, wenn es Attentäterinnen sind, die (sich) für den Dschihad töten? Dieser Frage gehen Pierre Christin und André Juillard in Lena et les trois femmes (Dargaud; dt. Lena und die drei Frauen; Salleck Publications) nach. Wer Christin kennt, weiß, dass er ein Faible für politisch brisante und zeitgemäße Themen hat (man denke an seine Politfiktionen mit Enki Bilal aus den 1980er Jahren). Das Album ist keine direkte Fortsetzung von Le long voyage de Léna (Dargaud; dt. Lenas Reise; Carlsen/Salleck Publications), denn dieser Band war in sich abgeschlossen, jedoch erlebt die Titelheldin ein neues Abenteuer, wobei das Album problemlos als eigenständiges Werk gelesen werden kann (deshalb ist das Album auch nicht als Serie durchnummeriert).

From Outback to Paris

Lena ist eine Ex-Geheimagentin, die (nach den Ereignissen von Le long voyage de Léna) ein neues Leben in Australien begonnen hat. Doch dann unterbricht der französische Geheimagent Paul-Marie de Calluire ihre Wüstenrunden, die offenbaren, dass sie vielleicht doch nicht ganz zufrieden ist, mit ihrem Neuanfang. Lena soll noch einmal eine geheime Mission übernehmen, um einen Terroranschlag in Paris zu vereiteln. Gibt sie ihre neue Familie auf? Ist sie bereit, sich in ein Terrornetzwerk einschleusen zu lassen?

Christin und Juillard schildern unaufgeregt, aber (äußerst) stilvoll vom islamistischen Terror. Dabei stehen die Rekrutierung und Ausbildung von Attentätern im Mittelpunkt, was mit einer dokumentarischen Nüchternheit, aber nicht ohne Spannung inszeniert wird. In spröden (vollkommen positiv gemeint), realistischen Sequenzen begleitet der Leser die Titelheldin dabei, wie sie zunächst gebrieft wird und danch bei unspektakulären Wartezeiten oder schweißtreibenden Übungen im Terrorlager teilnimmt.

Die Geschichte erzählt Christin aus der Sicht von Lena, die in prosaischen (und ausführlichen) Texten als Ich-Erzählerin fungiert, wodurch sich Lenas Gefühlsleben vor dem Leser in der Tiefe ausbreitet. Die Namen der titelgebenden drei Frauen bzw. Muslima haben symbolischen Charakter. Dass Halima („sanft, liebich“), Ahlem („Traum“) und Suad („Wohlergehen“) zu Märtyerinnen werden wollen, kann als Widerspruch gedeutet werden, der die Absurdität des Terrors spiegelt.

Stilvoller Polit-Thriller

Die Erzählweise Chrisins unterstreicht dabei perfekt die typischen Illustrationen Juillards. Er führt einen prägnanten, flächigen und spitzen Strich, der in der Tradition der ligne claire steht, die Juillard allerdings verfeinert und erweitert. Die Farben sind flächig, zurückhaltend und realistisch. Die Einstellungen zeigen das Geschehen mit einer eleganten Beiläufigkeit. Auf Effekte verzichtet der Meister. Dabei beherrscht er das Outback genauso stilsicher wie die zerklüftete Lagerlandschaft und die Metropole.

Lena et les trois femmes ist beste Comicunterhaltung aus der Feder zweier Meister, die der Titelheldin aus Le long voyage de Léna eine weitere Geschichte schenken. Ihr Polit-Thriller erscheint quasi-dokumentarisch als stilbewusste Studie des Terrorismus. Die Dialoge einzelner Terroristen ist dabei authentischen Äußerungen entlehnt. Wer sehr gut illustrierte Polit-Thriller mag, sollte sich das Album nicht entgehen lassen. Auf der Verlagsseite gibt es eine Leseprobe und Infos.

Liebster Blog-Award von „Paranoyer“

LiebsterBlogAward

Mein geschätzter Blogger-Kollege Jan Noyer alias Paranoyer hat mich für den Liebster-Blog-Award nominiert. Danke dafür! Er hat sich dafür entschuldigt, dass die Fragen sich nicht nur auf Comics beziehen. Kein Ding! Schließlich gibt es im (Medien-)Leben noch mehr (aber nicht viel!). Ne, tolle Sache, der ich mich mit Freude (und sorgfalt) widme. Hier sind die Fragen von Jan und meine Antworten. Und allen von mir Nominierten rate ich, auch mitzumachen!

1. Aliens begegnen uns ja ständig in allen möglichen Medien. Doch wie sieht es für dich in der Realität aus? Glaubst du an die Existenz von außerirdischem Leben irgendwo im All oder hältst du die Erde für einen (für uns) glücklichen Zufall?

Sag niemals nie! Ich selbst glaube nicht daran, aber ausschließen würde ich es auch nicht.

2. Empfindest du TV-Serie wirklich, wie immer mal wieder postuliert wird, als „Medium der Zukunft“, dass dem Kino den Rang ablaufen wird (oder es schon getan hat)? Oder ist das alles zu sehr gehypt?

TV-Serien sind wohl eher das „Medium der Stunde“. Wie es für die Zukunft aussieht, steht auf einem anderen Blatt. Momentan sieht ganz danach aus, als würde der Boom weitergehen. Aber was passiert in zehn Jahren, wenn es irgendeine neue mediale Innovation gibt und sich das Publikum neu orientiert? Was, wenn es keine originellen Stories mehr gibt? Ich glaube nicht, dass TV-Serien in Zukunft komplett aussterben werden, aber vielleicht stagniert der Hype irgendwann. Da braucht nur mal ein Drehbuchautorenstreik o.ä. kommen und Zack! kann es ganz schnell gehen.

3. Ganz ehrlich: Verfolgst du manche Blogs nur, damit du über die dort veröffentlichten Meinungen den Kopf schütteln kannst?

Nope. Wenn ich merke, dass mich ein Blog so gar nicht anspricht, dann lass ich es auch. Meine Zeit ist mir dazu zu schade.

4. Manche Leute lehnen schwarz/weiß-Filme kategorisch ab. Findest du diese Haltung albern oder kannst du sie, zumindest auf irgendeiner Ebene, nachvollziehen?

Also ich selbst kann mich an eine Zeit erinnnern, in der ich auch so eingestellt war: „Das ist doch altmodisch/langweilig“! Das war in meiner Jugend (in der ich hauptsächlich Hollywood- und Blockbusterfilme geschaut habe), bis ich Jim Jarmusch und danach die Filmgeschichte entdeckt habe. Wenn ich mich in den obsoleten Entwicklungsstand zurückversetze, dann kann ich es nachvollziehen, aber man sollte sich eben auch weiterentwickeln und offen sein.

5. „Mann benutzt lebenden Igel als Fußball.“ Wie sehr regen dich solche Meldungen auf bzw. lassen sie dich an dem Zustand der Menschheit verzweifeln (alternativ kann auch jede andere Meldung eingesetzt/gedacht werden)?

Das macht mich sehr wütend und traurig, ich hasse Tierschänder abgrundtief. Und ja, das erinnert mich an die verwerflichen Seiten der Menschheit. Deshalb spende ich auch gezielt an WWF, weil Tiere unschuldig sind und beschützt werden sollen.

6. Was sind deine Strategien, um nach einem stressigen Tag wieder einen Ausgleich zu finden?

Wenn, das Adrenalin rauscht und der Puls schlägt, dann hilft bei mir nur Fitnesstraining (zuhause, nicht in der Muckibude!) und/oder Basketball – kurzum Sport. Dabei kann ich abschalten, das beruhigt die Nerven und der Kopf fühlt sich danach wieder frei an. Dann habe ich die Muße, um (übermäßig) Medien zu konsumieren!

7. Auf welches Medium/Kunstform könntest du persönlich am ehesten verzichten (ohne es selbstredend ganz abschaffen zu wollen, da ja jeder sein Faible haben darf)? Bücher, TV, Radio, Videospiele oder etwas ganz anderes?

Videospiele. Das ist keine Hypothese, dafür habe ich mich schon lange entschieden. Hat mir schon immer Spaß gemacht, aber mit dem Älterwerden muss man halt priorisieren.

8. Blogger, besonders die Film- und/oder Buchaffinen, berichten ja immer wieder von Platzproblemen. Kennst du das oder hast du deine Sammelwut im Griff bzw. einen Weg gefunden, alles unterzubringen?

Ich gehöre ganz klar zu den Platzproblem-Typen. Ich betrachte mich nicht als Sammler im eigentlichen Sinne, also ich bin kein bibliophiler Sammler oder Sammler um des Anhäufens Willen. Nein, vielmehr bin ich einfach nur Vielleser und Filmfan und konsumiere ganz einfach nur viel. Der Unterschied liegt darin, dass ich (schlechte Titel) immer wieder auch aussortiere und verkaufe und nicht alles behalte, was ich mir anschaffe.

9. Wo wir gerade bei Sammelwut sind: hast du als Kind Zeitschriften gesammelt? Wenn ja, welche und vor allem: tust du es heute noch?

Ja, als Kind habe ich den Tierfreund und Limit gesammelt. Als Jugendlicher dann Cinema, The Source und Basket. Und heute sind es brand eins, Philosophie Magazin und 11 Freunde.

10. Twitter interessiert es, den Deutschen im Klischee sowieso, andere nehmen es einfach hin: das Wetter. Welche Jahreszeit entspricht deiner Vorstellung von einem „super Wetter“ am ehesten und warum?

(Hoch-)Sommer! Dann kann am Baggersee liegen und Comics/Romane/Zeitschriften lesen, sich abkühlen, vom 10-Meter-Turm springen und danach auf dem Freiplatz Basketball spielen gehen. Dann ist es lange hell und man kann in den Biergarten. Man braucht nicht so viele Kleidungsstücke, keine Heizung und kann eiskalt duschen. Das Eis und Bier schmeckt dann am besten und Grillen ist angesagt.

Das war’s auch schon – es hat sehr viel Spaß  gemacht!

Und hier die Nominierten, von denen ich mir eine Beantwortung meiner Fragen erhoffe:

Lukas von Fragmentum und Das Batman Projekt.

Tobias von Texte und Bilder.

Thies von Tradepaperback.

Marco von Mind’s Delight.

Philipp von Comickladde.

Meine Fragen:

1.) Jeder Comicleser hat so seine Vorlieben. Wie liest du am liebsten? Hefte oder Paperbacks? Original oder auf Deutsch? Softcover oder Hardcover? Oder ist dir alles egal, Hauptsache Comic?

2.) Die meisten verbinden mit Comics Superheldencomics, dabei gibt es so viel mehr. Liest du (nur) US-Comics oder (auch) franko-belgische Comics und Graphic Novels? Warum bzw. in welchen Anteilen?

3.) Ein gutes Artwork kann einen umhauen, aber wenn die Story langweilt bringen die besten Illustrationen nichts. Auf was achtest du mehr: Autor oder Zeichner?

4.) In der Comicsammlug zählt der Überblick. Nach welchen Kriterien sortierst du deine Sammlung? Alphabetisch? Nach Verlagen? Autoren?

5.) Der Klimawandel verändert vielleicht unser Leben. Die Ressourcen sind begrenzt. Bist du eher Optimist oder Pessimist was die Entwicklung der Menschheit angeht?

6.) Comics gelten oft als eskapistisches Medium, reine Unterhaltung, wirklichkeitsfremd. Beschäftigst du dich mit Politik oder gesellschaftlichen Entwicklungen?

7.) Dein Chef gibt dir einen Tag frei/die Uni fällt aus. Was machst du (wenn du keine Comics liest)?

8.) Urlaub ist die schönste Zeit. Welche Art Urlaub machst du? Bist du eher der Bildungs-/Städtereisetyp oder relaxt du lieber am Strand?

9.) Es gibt viele Leser, die keine Klassiker lesen, weil ihnen das altbackene Artwork missfällt. Kannst du das nachvollziehen?

10.) Kein Mensch ist eine Insel. Lässt du dich gern von anderen (Comic-)Bloggern beeinflussen?

Die Regeln, wenn du nominiert wurdest und mitmachst:

Danke dem Blogger, der Dich nominiert hat.

Verlinke den Blogger, der Dich nominiert hat.

Füge eines der Liebster-Blog-Award Buttons in Deinen Post ein.

Beantworte die Dir gestellten Fragen.

Erstelle 10 neue Fragen für die Blogger, die Du nominierst.

Nominiere Blogs, die weniger als 300 Follower (halte ich persönlich für eine optionale Angabe) haben.

Informiere die Blogger über einen Kommentar, dass Du sie nominiert hast.

Media Monday #220 u.a. über den italienischen Neorealismus, Kieron Gillen und Fargo

Nein, ich betone diesmal nicht, dass die Zeit zu schnell vergeht (das wisst ihr ja schließich selbst bzw. sonst wird es langweilig). Wie ihr bestimmt mitbekommen habt, hat mich derzeit wieder stärker das Serienfieber gepackt (True Detective S01, Boardwalk Empire S05 und nun Fargo S01). Am Wochenende habe ich dennoch auch wieder eine paar Comics gelesen, die mich allerdings leider eher enttäuscht haben: das assoziative Afterlife-Meta-Drama Appartement 23 von Guillaume Sorel hat gemischte Gefühle bei mir hinterlassen. Silbermond über Providence von Eric Herenguel war ein Fehlgriff, weil ich mir irrtümlicherweise einen Western mit Heldin vorgestellt hatte (das Cover vermittelt den Eindruck) und einen Mystery-Western mit einem großen Figurenensemble bekam. Zudem war die Story etwas wirr erzählt. Auch von der Kolonialisierungsmystery Conquistador von Jean Dufaux (eigentlich Lieblingsautor) hatte ich mir mehr erwartet, aber nach zwei Bänden werde ich die Serie wohl nicht mehr weiterlesen, weil sie nicht an die anderen Dufaux-Serien heranreicht. Hier sind meine Antworten zu den Fragen vom Medien_Journal.

1. Die Serienepisode ____ wird mich vermutlich noch lange beschäftigen, denn ____ . Obwohl ich hin und wieder die Zeit finde, Serien zu schauen, beschäftigt mich normalerweise keine einzelne Episode längerfristig. Klar, The Wire oder Breaking Bad hatten einen Nachhall auf meine Gedankenwelt, aber exzessiv hatte ich mich nicht mit deren Episoden beschäftigt. Zuletzt hatte ich bei Boardwalk Empire Season 5 gerätselt, wie es wohl weitergeht, aber mehr auch nicht. So wichtig ist mir das ganze dann doch nicht bzw. so viel Zeit habe ich nicht (mehr). Für mich sind Serien reine Unterhaltung, Denkanstöße kommen eher aus der Literatur oder von Comics.

2. Ein Durchschnittsmensch kann ja wirklich nicht gerade herausragend schauspielern, aber der Rückgriff des italienischen Neorealismus (zum Beispiel Roberto Rosselini oder Frederico Fellini) auf Laiendarsteller hat sich damals bezahlt gemacht. Das war einfach eine neue Art des Kinos, authentisch und unmittelbar.

3. Als Fan der ersten Stunde macht es mir sehr viel Spaß die Karrieren von Filmemachern wie Darren Aronofsky (seit Pi) oder Christopher Nolan (seit Memento, The Following kam erst danach) zu verfolgen. Klar, auch die beiden machen nicht immer alles richtig, aber sie bewahren sich eine eigene Handschrift und schaffen einen guten Spagat zwischen Mainstream- und Kunstkino.

4. Fernsehen kann man ja dank Streaming etc. mittlerweile quasi überall, doch muss ich sagen, dass ich überhaupt keinen Bock hab‘, mich an meinen Computer im Arbeitszimmer zu setzen und zu streamen, wenn ich einen großen Fernseher im gemütlichen Wohnzimmer habe. Was ich aber ab und an mal streame sind Sportübertragungen, sogar auch schon mal auf dem Smartphone, aber da steht die Gemütlichkeit nicht so im Vordergrund, da geht’s dann mehr um das mitfiebern oder darum, sich kurz ein Bild vom Geschehen zu machen, und das bleibt der Gang zur Apotheke.

5. Bei der Lektüre von Kritiken, die stichhaltig meiner Meinung widersprechen, muss ich immer meine eigene Kritik auf den Prüfstein stellen. Ich kann da nicht anders und hinterfrage, ob ich zu mild oder zu hart mit einem Titel war. Ich meine, ich weiß sicher, ob ich nach dem Konsum/der Rezeption eines Titels zufrieden/enttäuscht war oder gemischten Gefühle empfinde und das ändert sich dann auch nicht wirklich, aber es erschüttert meine die Grundfeste meiner Ansicht.

6. Von der Marvel-Miniserie Journey into Mystery von Kieron Gillen hätte ich mir ja doch deutlich mehr erwartet, denn schließlich erhält sie sehr gute Kritiken und der Autor wird ohnehin hochgelobt. Doch die Story hat mich zeitweise ermüdet, obwohl das Ausgangsszenario (Hintergrund zu Marvel-Megaevent Feat Itself) und der Protagonist (Kid Loki) sehr interessant sind. Seine Young Avengers-Miniserie (ebenfalls Marvel) hat mir auch sehr viel besser gefallen, wobei auch dort nicht die Story, sondern das Storytelling und das Artwork entscheidend war. Nahezu dasselbe gilt für seine creator-owned-Serie The Wicked + The Divine (Image Comics), bei der seine typischen Motive vereint (Musik und Mystery).

7. Zuletzt habe ich die ersten beiden Episoden von Fargo Season 1 gesehen und das war recht unterhaltsam, aber noch nicht herausragend, weil viele Coen-Elemente zwar aufgegriffen wurden, aber das gewisse Etwas noch fehlt. Die Episoden sind im Vergleich zu den Coen-Filmen atmosphärisch nicht dicht genug, das Pfeffer fehlt noch, aber ich bin dennoch gespannt, wie es jetzt weitergeht und ich muss mir wohl auch klarmachen, dass die Coens ja nur auführend produzieren und nicht Regie führen (ein Dilemma, dass ich auch bei Man of Steel und Christopher Nolan hatte).

Patrice Pellerin: Der Schrei des Falken Gesamtausgabe 3 [zuletzt gelesen #062]

650-307508-20140620133755Exotische Schauplätze, spannende Schatzsuche, ausgefuchstes Katz-und-Maus-Spiel, historisch beeindruckende Bilder und finaler Showdown! Die historisiende Abenteuerserie L’Epervier (Dupuis) von Patrice Pellerin geht in die letzte Runde. Bei comicplus+ ist die Comicserie unter dem Titel Der Schrei des Falken – Gesamtausgabe auf Deutsch in einer edlen Gesamtausgabe erschienen. In drei Bänden liegt der erste Zyklus der Serie vollständig vor (ursprünglich sechs Bände, ebenfalls comicplus+). Der dritte Band der Gesamtausgabe enthält die beiden Bände „Der Schatz am Mahury“ und „Die Tränen des Tlaloc“ sowie Bonusmaterial aus dem französischen Begleitband Archives secrètes.

Exotische Kulisse, historische Pracht und finaler Showdown

Nachdem das Abenteuer in der Bretagne begann und auf hoher See fortgesetzt wurde, landen die Protagonisten 1742 schließlich in Guyana. Yann de Kermeur („Der Falke“) hat die „Pomone“ gestohlen und verfolgt die „Medusa“, die (nachwievor) von den (immer noch) Niederträchtigen Marquis de la Motte und Hervé de Villeneuve gesteuert wird, um die Gräfin Agnès de Kermellec zu befreien und um wieder Herr über sein eigenes (königliches) Schiff zu sein. Doch zunächst holt ihn seine Vergangenheit (und die Intrige) auch in Übersee ein und er wird (wieder einmal) festgenommen und eingesperrt. Währendessen zwingen die Widersacher Kermeurs Mannschaft, gefährliche Tauchgänge in Tonnen durchzuführen, um den Schatz zu bergen. Kann der Falke seine (rechtmäßige) Unschuld beweisen? Die „Medusa“ (samt tapferer Crew) befreien? Und was ist mit dem Schatz (Aztekengold)?

Pellerin streift in dieser Gesamtausgabe nebenbei Themen wie Kolonialisierung und Sklaverei. Der Protagonist erhält dadurch zusätzliche Möglichkeiten zur Demonstration seiner Moralvorstellungen und etabliert sich noch klarer zum integren Helden. Er ist ganz der klassische Held in Reinform, ohne ambivalente Tendenzen und vielschichtige Facetten wie sie der (Anti-)Held der jüngeren Vergangenheit (in der Popkultur) besitzt. Umgekehrt sind die Schurken noch waschechte Schurken, ganz ohne nuancierte Zwischentöne, einfach unmoralisch (zumindest Villeneuve). Komplex sind nicht die Charaktere, sie sind mustergültige Schablonen, allerdings vor einer komplex erzählten und vielschichtig gespinnten Geschichte. Das (und die historische Genauigkeit) macht den Reiz von L’Epervier aus. Beim Frauenbild gibt es jedoch insofern eine Modernisierung, als dass die Gräfin selbstbewusst und mutig auftritt und sogar dem Chevalier das Leben retten darf.

Pellerin führt einen klaren Strich, der sich am Stil seines Vorbilds André Juillard orientiert. Mit einer unnachahmlichen Vorliebe für Details lässt er das 18. Jahrhundert (vor allem die Seefahrt) lebendig werden. Band drei der Gesamtausgabe enthält beeindruckende Bilder von Gebäuden (Kolonialstil), Waffen, Ausrüstung, Urwald, Kleidung und Schiffen. Genial ist beispielsweise auch eine Szene, in der sich Yann mit einem Kajak durch die Mangroven manövriert. Man spürt auf jeder Seite, dass Pellerin befreundete Historiker befragt hat und ausgiebig recherchiert hat. Dieser Umstand und die gewissenhafte Arbeitsweise (Pellerin schreibt, zeichnet und koloriert in Eigenregie!) entschuldigen auch die lange Veröffentlichungsdauer der Einzelbände (alle zwei Jahre erscheint ein neuer Band). In puncto Raumverständnis und Einstellung hat er sich zudem von Jean Giraud (und dessen an den Film angelegtes Panellayout) inspirieren lassen.

Klassiker des Abenteuercomics in edler Ausgabe

Die Aufmachung der Gesamtausgabe lässt keinen Wunsch offen. Der gebundene Band wird auf Vorder- und Rückseite mit Spotlack veredelt. Die wunderschöne Ausgabe wird durch ein leicht strukturiertes, griffiges Vorsatzpapier (hier Dunkelgrün) abgerundet. Das Bonusmaterial enthält einen Kurzcomic sowie illustrierte Erläuterungen über Yann als Korsar und bei Hofe. L’Epervier wurde übrigens gleichnamig verfilmt, nur leider (noch) nicht ins Deutsche synchronisiert.

Der Schrei des Falken – Gesamtausgabe 3 begeistert durch eine spannende Zuspitzung aller vorangegangenen Ereignisse bis zum Finale. Ein erstklassiger Abschluss des ersten Zyklus‘ einer genialen Abenteuerserie. Es wäre mehr als begrüßenswert, wenn auch der zweite Zyklus (bisher zwei Bände) derart prachtvoll zugänglich wird. Auf der Verlagshomepage gibt es mehr Infos zur Gesamtausgabe und beim Comicvertrieb PPM gibt es Leseproben. Für mich ist L’Epervier ohnehin einer der besten Seefahrercomics.

Patrice Pellerin: Der Schrei des Falken Gesamtausgabe 2 [zuletzt gelesen #061]

650-307502Aufgeblähte Segel, steil aufragende Masten, Frauen im Korsett, Schergen mit Perücke und tapfere Narbengesichter. Die historisiende Abenteuerserie L’Epervier (Dupuis) von Patrice Pellerin geht weiter. Bei comicplus+ ist die Comicserie unter dem Titel Der Schrei des Falken – Gesamtausgabe auf Deutsch in einer edlen Gesamtausgabe erschienen. In drei Bänden liegt der erste Zyklus der Serie vollständig vor (ursprünglich sechs Bände, ebenfalls comicplus+). Der zweite Band der Gesamtausgabe enthält die beiden Bände „Die Medusa läuft aus“ und „Verräter an Bord“ sowie Bonusmaterial u.a. aus dem französischen Begleitband Archives secrètes.

Seefahrt-Abenteuer – spannend erzählt und eindrucksvoll illustriert

Pellerin macht genau da weiter, wo er nach den ersten beiden Bänden aufgehört hatte. Bretagne im 18. Jahrhundert: de Kermeur alias „Der Falke“ wird wegen Mordes gesucht und will dennoch seine Crew befreien. Die Gräfin Agnès de Kermellec wurde von ihrem Cousin (Hervé de Villeneuve) niedergeschlagen und erinnert sich nicht mehr an die Vorkommnisse. Gemeinsam mit dem Marquis de la Motte und der „Medusa“ plant de Villeneuve sie in See zu stechen (in Richtung Guyana). Kann der „Falke“ seine (loyale und tapfere) Crew befreien? Schafft er es, wieder (rechtmäßiger) Herr über seine „Medusa“ zu werden? Was hat es mit dem (rätselhaften) Schatz auf sich? Erinnert sich die (hübsche) Gräfin wieder und entlarvt ihren (niederträchtigen) Cousin?

Pellerin erzählt seine fesselnde Geschichte dialogreich und erzähltextarm. Dadurch wirkt das Dargestellte sehr unmittelbar. Aufgrund mehrerer Handlungsebenen und eingebauter Rückblicke verwendet er zudem eine komplexe Erzählweise. Bei den Rückblicken rundet er seine Panels ab, wodurch diese visuell als solche erkennbar sind. Durch das große Figurenensemble und die Schauplatzwechsel sorgt Pellerin für viel Abwechslung und einen stets aufrechterhaltenen Spannungsbogen. Trotz des erzählerischen Anspruchs wirkt die Serie stets überschaubar und spannend.

Die Charakterisierung des Protagonisten erschließt sich indirekt – aus seinen Taten und Worten. Dazu kommen die im Bonusmaterial enthaltenen prägende Lebensstationen (Guyana, Piraten, Galeerensklave, Freiheit), die in Form von Kurzcomics und illustrierten Texten aufgerollt werden und dem Charakter Tiefe verleihen. Die Gesamtausgabe lohnt sich also auch für diejenigen, die die Serie bereits in Einzelbänden besitzen oder schon gelesen haben.

Pellerin führt einen klaren Strich, der sich am Stil seines Vorbilds André Juillard orientiert. Mit einer unnachahmlichen Vorliebe für Details erweckt er das 18. Jahrhundert und die Seefahrt zum Leben. Der zweite Band der Gesamtausgabe enthält beeindruckende Szenen von Schiffen auf hoher See. Man merkt, dass Pellerin befreundete Historiker befragt hat und gewissenhaft recherchiert hat. Dieser Umstand und die ausgefeilte Illustrationskunst (Pellerin schreibt, zeichnet und koloriert in Eigenregie!) entschuldigen auch die lange Veröffentlichungsdauer der Einzelbände (alle zwei Jahre erscheint ein neuer Band). In puncto Raumverständnis und Einstellung hat er sich zudem von Jean Giraud und dessen filmischen Verständnis inspirieren lassen, was vor allem bei den Schiffsmanövern auf hoher See zum Tragen kommt.

Klassiker des Abenteuercomics in schmuckem Gewand

Die Aufmachung der Gesamtausgabe lässt keinen Wunsch offen. Der gebundene Band wird auf Vorder- und Rückseite mit Spotlack veredelt. Die wunderschöne Ausgabe wird durch ein leicht strukturiertes, griffiges Vorsatzpapier (hier Dunkelgrün) abgerundet. L’Epervier wurde übrigens gleichnamig verfilmt, nur leider (noch) nicht ins Deutsche synchronisiert.

Der Schrei des Falken – Gesamtausgabe 2 besticht weiterhin durch (inhaltliche) Vieseitigkeit, (erzählerische) Komplexität, (historische) Authentizität und (visuelle) Finesse. Kurzum: eine anspruchsvolle wie mitreißende Abenteuerserie, die seinesgleichen sucht und comicplus+ veröffentlicht sie in vollendeter Form. Es wäre mehr als begrüßenswert, wenn auch der zweite Zyklus (bisher zwei Bände) derart prachtvoll zugänglich wird. Auf der Verlagshomepage gibt es mehr Infos zur Gesamtausgabe und beim Comicvertrieb PPM gibt es Leseproben. Für mich ist L’Epervier ohnehin einer der besten Seefahrercomics.

Patrice Pellerin: Der Schrei des Falken Gesamtausgabe 1 [zuletzt gelesen #060]

gafalke1Kanonenfeuer und Fechtkunst, schnelle Schiffe und schöne Frauen! Das sind die altbekannten Zutaten für Seefahrerabenteuer. Die historisiende Abenteuerserie L’Epervier (Dupuis) von Patrice Pellerin vereint jedoch nicht nur diese altbekannten Zutaten, sondern bereichert und erneuert das Genre. Die Comicserie ist auf Deutsch in einer edlen Gesamtausgabe unter dem Titel Der Schrei des Falken – Gesamtausgabe bei comicplus+ erschienen. In drei Bänden liegt der erste Zyklus der Serie vollständig vor (ursprünglich sechs Bände, ebenfalls comicplus+). Der erste Band der Gesamtausgabe enthält die ersten beiden Bände („Kermellecs Geheimnis“ und „Der Totenkopf-Felsen“) und Bonusmaterial u.a. aus dem französischen Begleitband Archives secrètes.

Klassisches Abenteuer, komplexe Erzählweise und realistische Illustrationen

Pellerin fackelt nicht lange herum, sondern geht sofort ins Eingemachte: Der Chevalier Yann de Kermeur (ehrenwehrter Kapitän der „Medusa“ mit dem Spitznamen „Der Falke“) will sich vor der bretonischen Küste mit seinem Freund (dem Grafen de Kermellec) treffen. Er findet Kermellec aber sterbend auf, aber dieser verrät ihm noch ein rätselhaftes Geheimnis. Während der wahre Mörder mit einer Tonstatue geflohen ist, wird nun Kermeur für den Mord angeklagt. Die Enkelin (Gräfin Agnès de Kermellec) verständigt den Marquis de la Motte aus Brest, um Kermeur vor Gericht zu bringen. Ihr Cousin (Hervé de Villeneuve) verhält sich indes immer merkwürdiger ihr gegenüber. Indessen lässt der Marquis (in Brest) die „Medusa“ entern und die Crew verhaften. Gelingt dem (unschuldigen) „Falken“ die Flucht? Überlebt die (loyale) Crew die Folter? Was hat es mit der (unscheinbaren) Tonpuppe auf sich? Wer ist der (maskierte) Mörder?

Ohne viel Erzähltext und mit sprudelnden Dialogen nimmt die verschachtelt erzählte Story schnell an Fahrt auf. Dank zahlreicher und wechselnder Schauplätze, parallelen Handlungsebenen und einem reichhaltigen Figurenensemble strickt Pellerin in windeseile ein fesselndes Gespinnst aus (adeliger) Intrige, (ausgefuchsten) Fluchtplänen, (anbahnender) rätselhafter Schatzsuche, (einer Prise) Romantik, (detailgetreuer) Seefahrt, (bewährter) Fecht- und Kampfkunst und (eingeschworener) Seefahrermännlichkeit. Die komplexe Narration und die historische Glaubwürdigkeit hebt L’Epervier weit über den Durchschnitt, wobei es Pellerin gelingt, alles klar und leicht wirken zu lassen – die Story ist nie überfordernd oder unübersichtlich. Einziger Makel sind die zum Teil gesteltzten Sprüche (aber wer weiß schon, wie die Menschen sich damals unterhalten haben).

Das liegt vor allem an seinem klaren Strich, der sich am Stil seines Vorbilds André Juillard orientiert. Ohne Schraffuren, aber mit einer unnachahmlichen Detailverliebtheit, erweckt er die vergangene Epoche zum Leben. Der erste Band der Gesamtausgabe enthält stellenweise atemberaubende Szenen von Schiffen, Schiffswerften und Fachwerkhäusern. Man merkt, dass Pellerin befreundete Historiker befragt hat und gewissenhaft recherchiert hat. Dieser Umstand und die ausgefeilte Illustrationskunst (Pellerin schreibt, zeichnet und koloriert in Eigenregie!) entschuldigen auch die lange Veröffentlichungsdauer der Einzelbände (alle zwei Jahre erscheint ein neuer Band). In puncto Raumverständnis und Einstellung hat er sich zudem von Jean Giraud und dessen filmischen Verständnis inspirieren lassen.

Klassiker des Abenteuercomics in vollendeter Form

Die Aufmachung der Gesamtausgabe lässt keinen Wunsch offen. Der gebundene Band wird auf Vorder- und Rückseite mit Spotlack veredelt. Die wunderschöne Ausgabe wird durch ein leicht strukturiertes, griffiges Vorsatzpapier (hier Dunkelgrün) abgerundet. Dazu enthält der Band als Bonusmaterial Hintergrundinformationen zur Serie und zum Autor sowie einen exklusiven dreiseitigen Comic über die Familie Kermeur. Die Gesamtausgabe lohnt sich also auch für diejenigen, die die Serie bereits in Einzelbänden besitzen oder schon gelesen haben. L’Epervier wurde übrigens gleichnamig verfilmt, nur leider (noch) nicht ins Deutsche synchronisiert.

Der Schrei des Falken – Gesamtausgabe 1 beginnt (inhaltlich) vieseitig, (erzählerisch) komplex, (historisch) authentisch und (zeichnerisch) eindrucksvoll. Kurzum: Pellerin liefert uns eine anspruchsvolle wie mitreißende Abenteuerserie, die seinesgleichen sucht und comicplus+ veröffentlicht sie in schmuckem Gewand. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn auch der zweite Zyklus (bisher zwei Bände) derart prachtvoll zugänglich wird. Auf der Verlagshomepage gibt es mehr Infos zur Gesamtausgabe und beim Comicvertrieb PPM gibt es Leseproben. Für mich ist L’Epervier ohnehin einer der besten Seefahrercomics.

Didier Convard: Das geheime Dreieck – Gesamtausgabe 7 [zuletzt gelesen #059]

Krimis sind imm650-308130-20141202084312er wieder faszinierend. Und esoterische Krimis erfreuen sich (nicht erst) seit Dan Brown größter Beliebtheit. Freimaurer, Geheimkulte, ganz klar, das passt hervorragend zum Krimi. Le Triangle Secret (dt. Das geheime Dreieck) ist eine solche esoterische Krimiserie und sie stammt aus der Feder des Comicszenaristen Didier Convard, der dazu mit wechselnden Zeichnern zusammengearbeitet hat. Was ist noch so besonders an der Serie? Die Handlung des Krimis ist eigentlich in der Gegenwart angesiedelt, aber durch Rückblicke in die Geschichte gibt es immer wieder längere Passagen, die in verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte spielen. Außerdem gibt noch zwei weitere unschlagbare Komponenten. Die eine ist die Vorstellung, dass der Vatikan eine eigene militante Untergrundschwadron unterhält, um seine Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Die zweite ist die Thematisierung der Unsterblichkeit, die universell erscheint und eng an Jesus Christus geknüpft wurde.

Überblick über die Serie oder: Was ist bisher passiert?

Der erste Zyklus ist seinerzeit beim ehemaligen Ehapa Verlag erschienen und längst vergriffen. Hier geht es um die „Erste Loge“, die sich als Traditionsahnen von Jesus Christius sehen, aber nicht in religiöser, sondern in wissenschaftlicher Hinsicht. Sie suchen das fünfte Evangelion, das „Narrentestament“, das von einer Verwechslung beim Tode Christi handelt. Gegner sind die „Hüter des Blutes“, die das kirchliche Dogma (Jesus starb am Kreuz und ist wiederauferstanden) mit Gewalt verteidigt.

Ab dem zweiten Zyklus hat comicplus+ das Ruder übernommen. Hier geht es weiterhin um den Kampf zwischen den Parteien. Ein Ritualmörder hackt seinen Opfer die rechte Hand ab und markiert deren Stirne mit einer fünf, die auf die Ritter verweisen, die das Grab von Christi Bruder Thomas gefunden haben. Der zweite Zyklus markiert den Höhepunkt der Serie. Gerade die historischen Episoden sind genial.

Dritter Zyklus „Die Hüter des Blutes“

Mit Le Triangle Secret L’intégrale (dt. Das geheime Dreieck – Gesamtausgabe) liegt nun eine neunbändige edle Gesamtausgabe vor, die auf Deutsch ebenfalls bei comicplus+ erscheint und die Serie in edler Form zugänglich macht. Band 7 der Gesamtausgabe enthält die ersten beiden Einzelbände des dritten Zyklus „Les Gardiens du Sang“ (dt. „Die Hüter des Blutes“), der zeitlich vor den Ereignissen der ersten beiden Zyklen spielt. Von daher kann man den Zyklus im Prinzip ohne Vorkenntnisse bzw. vor den anderen beiden Zyklen lesen, aber davon würde ich trotzdem abraten.

Hier steht Professor Jean Nomane im Fokus, der überraschend nach drei Jahren wieder bei seiner ehemaligen Freundin auftaucht und wegen Mordes an Kardinal Mottelli gesucht wird. Nach und nach wird jedoch klar, dass es eine geschickt eingefädelte Intrige der „Hüter des Blutes“ war, die ihn zum Verdächtigen gemacht hat. Währenddessen forscht eine geheime vatikanische Forschungsgruppe in Kooperation mit einem Schweizer Konzern an einer Essenz für die Unsterblichkeit.

Dialogreich und detailliert

Convard erzählt seine Geschichte hauptsächlich mit dialogreichen Sequenzen. Dadurch werden wir als Leser unmittelbar in das Geschehen hineingeworfen und erfahren nach und nach mehr von den Verstrickungen und Drahtziehern im Hintergrund. Andererseits ist es auch ein erklärungswütiger Erzählstil, man muss viel lesen, was nicht heißt, dass nichts passiert. Im Gegenteil, die Schauplätze ändern sich oft und es passiert viel. Es gibt ein großes Figurenensemble, bei dem man den Überblick bewahren muss. Dennoch macht das alles sehr viel Spaß. Es ist nur kein Comic, den man nebenher oder zwischendurch konsumiert, sondern einer, der die volle Aufmerksamkeit erfordert.

Im Allgemeinen erzählt Convard sehr ruhig, klassisch und spröde, was ich nicht negativ, sondern positiv auslege. Im dritten Zyklus hat er sich jedoch herausgenommen eine Idee drastischer zu werden, was jedoch immer noch im Rahmen bleibt. Denis Falque zeichnet die Gegenwartsepisoden. Er führt einen detailliert-realistischen Strich mit leicht individueller Note, wodurch alles schön übersichtlich bleibt, aber auch reizvoll erscheint. Die Pariser Stadtszenen wirken sehr realistisch und die Figuren haben einen individuellen Stil.

Die historischen Rückblicke werden von wechselnden Zeichnern übernommen und führen uns diesmal zu Cagliostro, der hier als Universalgenie und geistiger Bruder von Christus inszeniert wird. Die ersten historischen Abschnitt hat Patrick Jusseaume gezeichnet, der einen reduzierten Strich plegt, der im Vergleich mit den anderen Zeichnern unspektakulärer und stilisierter wirkt. Den zweiten hat André Juillard (der Meister höchstselbst!) übernommen, der bislang auch schon die Cover illustriert hat und für seinen unnachahmlichen klaren Stil bekannt ist. Während Convard den ersten Rückblick mit Dialogen und Nomane als Erzähler ausstattet, wird der zweite Rückblick ausschließlich von Nomane erzählt. In Voice-Over-Passagen berichtet er von Cagliostros Abenteuer in Ägypten, wobei die Szenen systematisch in seitenbreiten, filmischen Panels angelegt sind. Dadurch wirkt diese Passage schematischer als die erste, die in abwechslungsreichen Panelstrukturen angelegt ist.

Guter Inhalt und schöne Aufmachung

Der siebte Band von Le Triangle Secret L’intégrale verspricht spannende Krimikost, wobei der dritte Zyklus nicht an die herausragende Qualität des zweiten Zyklus anknüpfen kann. Vor allem die historischen Rückblicke waren im zweiten Zyklus beeindruckender. Convard liebäugelt außerdem mit dem Heldenkino, wenn immer wieder Anspielungen auf jenes ausgeprochen werden und es gibt einen stilisierten Vollstrecker. Dennoch wissen auch diese beiden Abenteuer zu fesseln und enthalten einen interessanten Hauptcharakter. Wer nicht genug bekommt vom Le Triangle Secret-Universum, sollte unbedingt zugreifen. Für Schmalspurleser reichen sicherlich auch die ersten beiden Zyklen.

Die Gesamtausgabe erscheint in gebundenen Bänden mit Spotlack und enthält insgesamt neben den drei Zyklen („Das geheime Dreieck“, „I.N.R.I.“ und „Die Hüter des Blutes“) die ersten beiden Bände des Spin-Offs „Hertz“. Jeder Band der Gesamtausgabe ist jeweils auf 1.000 Exemplare limitiert und enthält Bonusmaterial. Diesmal eine bewertende Einordnung des dritten Zyklus, eine Skizze von Jusseaume, eine Studie von Juillard und eine Infobox über Cagliostro. Die wunderschöne Aufmachung wird durch ein leicht strukturiertes Vorsatzpapier (hier Gelb) abgerundet. Beim Verlag gibt es mehr Infos zur Gesamtausgabe und beim Comicvertrieb PPM gibt es (eine) Leseprobe(n).

Media Monday #217 u.a. über Hawkeye, schlechte Vorlagen und Synchronstimmen

Schon wieder eine Woche um. Mann-o-Mann, wie die Zeit doch vergeht. Dieses Wochenende ist bei mir medienmäßig nichts passiert. Trotzdem gibt’s auch heute am Montag wie immer den Media Monday: Hier sind die Fragen vom Medien_Journal und hier sind meine Antworten dazu!

1. Den Roman The Circle von Dave Eggers musste ich abbrechen, denn das war leider überhaupt kein Lesegenuss. Das Szenario war an sich schon interessant, aber die Protagonist hat mich völlig kalt gelassen und die Story war unglaubwürdig und unspektakulär.

2. Wenn ich doch nur bedeutend mehr Zeit hätte, würde ich mehr Romane lesen und Serien anschauen, das kommt beides definitiv zu kurz. Ich würde dann auch wieder gern Die Zeit und zur Abwechslung auch mal wieder ein wissenschaftliches Buch lesen. Vielleicht würde ich mich dann auch ehrenamtlich engagieren, ich hätte Bock, WWF zu unterstützen.

3. Die Synchronstimme von Christian Bale finde ich gut, aber muss er sich den Sprecher mit Johnny Depp teilen? Dann kommt es auch dazu, dass im Film Public Enemies einer plötzlich eine andere bekommt und alle verwirrt sind.

4. Fragt man mich nach meiner/meinem derzeitigen LieblingsdarstellerIn würde ich immer noch Christian Bale und Alain Delon benennen. Bei den Frauen macht Jessica Chastain einen guten Job.

5. Die Vorlage zu Sin City hat mir mal überhaupt nicht gefallen, obwohl es ein gefeierter Klassiker von Frank Miller ist. Klar, stilistisch hat die Serie durchaus seinen Reiz, aber inhaltlich hat es mich echt nicht vom Hocker gerissen.

6. Wenn das deutsche Fernsehen versucht, amerikanische TV-Formate zu adaptieren, geht das selten gut. Bestes Beispiel ____ . Davon habe ich überhaupt keinen Plan. Ich schau kaum Fernsehen und das, was ich schaue, ist keine Adaption von amerikanischem Fernsehen.

7. Zuletzt habe ich Hawkeye von Matt Fraction (Tradepaperbacks 1-3) gelesen und das war sehr durchwachsen, weil die Serie nicht konstant innovativ und spannend ist. Fraction gibt der Nebenfigur von Clint Barton zuviel Raum, ist nicht so witzig/parodistisch wie Nick Spencer (in The Superior Foes of Spider-Man) oder durchgeknallt/spannend wie Ales Kot (Secret Avengers). Aber der vierte (abschließende) Band des Runs macht sich bislang sehr ordentlich.

Lafebre & Zidrou: Lydie [zuletzt gelesen #056]

457 Phantasie? Traum? Was wäre die Welt ohne diese Zutaten? Richtig, ein trostloser Ort. Manchmal kann man sich die Realität einfach nur schönträumen. Und manchmal ist eine Illusion besser als die Wahrheit. In der Tragikomödie wird durch „Flucht nach vorn“ oft ein Ventil geschaffen, um traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Im Film Good Bye, Lenin! von Wolfgang Becker glaubt eine Mutter nach dem Mauerfall immer noch an die Existenz der DDR. Im Spielfilm La vita è bella macht Roberto Benigni den Holocaust zu einem Ausflug mit Tochter. Dabei geht es weniger um die Trivialisierung des Traumas, sondern um die clevere (De-)Konstruktion von Realität. Bei Salleck Publications ist auf Deutsch ein abgescholossener Comic erschienen, der genau in diese Kategorie passt: Lydie von Jordi Lafebre und Zidrou (im Original bei Dargaud erschienen) breitet vor einem tragischen Schicksal eine Geschichte voller Wohlfühlstimmung aus.

Außergewöhnliche Erzählperspektive

Camille erscheint als liebenswerte, jedoch nicht ganz helle junge Frau, die ihr Baby bei der Geburt verliert. Der Vater des Babys ist über alle Berge und ihr eigener Vater vermag es nicht, sie zu trösten. Nach zwei Wochen verkündet sie jedoch voller Euphorie, dass ihr Baby doch überlebt hat und zurückgekehrt ist. Zidrou zeigt sich gleich von Beginn an als gewiefter Erzähler, indem er einen ungewöhnlichen auktorialen Erzähler wählt: eine Marienstatue. Es ist nicht irgendeine Marienstatute. Nein, es ist diejenige, die sich genau in der Gasse befindet, in der Camille lebt.

Anfangs folgt der Leser einer Panelsequenz mit Voice-Over-Passagen der Statue und taucht dadurch in die besagte Gasse ein. Die Erzählerin macht sich einen Spaß und verweist den Leser mit dabei mit einem Augenzwinkern darauf, dass sie sich nicht im gezeigten Panel, sondern oberhalb davon befindet. Der Kniff mit der Erzählerin funktioniert insgesamt sehr gut und Zidrou beutet das Stilmittel nicht weiter unnötig aus, sondern lässt auch die Protagonisten selbst viel zu Wort kommen.

Dezente Farben

Auch in der Panelarchitektur kann sich Zidrou behaupten: Im anfänglichen Schlüsselmoment arbeitet er mit einer Parallelmontage, bei der er auf einer Seite eine Sequenz mit der Geburt von Katzen zeigt, die ertränkt werden, und auf der darauffolgenden Seite, in einer ähnlich strukturierten Sequenz, die Fehlgeburt. Durch diese Gegenüberstellung von zuviel Leben, das von Menschenhand getötet wird, auf der einen Seite und Leben, das sich nie entfalten kann, betont Zidrou die Willkür des Schicksals.

Lafebre illustriert die einfühlsame wie heitere Geschichte durch seine schönen detaillierten Zeichnungen, die im typischen Semi-Funny-Stil gehalten sind, jedoch eine elegante individuelle Note aufweisen. Die Figuren erscheinen dadurch (je nach ihrem Charakter) besonders liebenswürdig oder jähzornig. Auch Lafebres Kolorierung verdient besonderes Lob, denn er versteht es, eine geniale Mischung aus dezenten Farben aufzutragen, die er gelegentlich mit kleinen Schatteneffekten ergänzt. Das wundervolle Artwork passt insgesamt perfekt zur Geschichte.

Lydie ist eine herzerweichende Tragikomödie, die den Leser garantiert ein Lächeln abringt und für alle Fans von Das Nest (von Régis Loisel und Jean-Louis Tripp) eine absolute Pflichtlektüre darstellt. Es gibt auch eine limitierte Vorzugsausgabe mit signiertem Druck und zusätzlichen Skizzenseiten. Beim Verlag gibt es eine Leseprobe.