Dufaux & Jérémy: Barracuda 5 – Kannibalen [zuletzt gelesen #066]

U_3863_1A_ECC_BARRACUDA_05.IND8Das Piratengenre feiert ein Revival – und das ist gut so. Wobei die Seeräuber und Rum trinkenden Schatzsucher im Comicbereich nie wirklich weg waren. Mit Barracuda (Dargaud) machen Jean Dufaux und Jérémy eine Serie (sechs Bände sind geplant, aber da wäre ich vorsichtig, bei Dufaux kann es mitunter auch mehr werden), die das Genre nicht grundlegend erweitert (auch hier geht es um einen Schatz), aber resolut und mit interessanten Figuren umsetzt. Dufaux hat sich als Meister von Abenteuerserien vor historischen Kulissen erwiesen: Serien wie Murena oder Giacomo C. zählen zum besten, was der Belgier gemacht hat. Erfreulicherweise verzichtet er in Barracuda auf phantastische Elemente (wie im schwächeren Conquistador), es gibt nur wenige magische Elemente. Nun hat die Egmont Comic Collection den fünften Band unter dem Titel „Kannibalen“ auf Deutsch veröffentlicht.

Wenn sich Schicksale und Säbel kreuzen

17. Jahrhundert: Raffy (Sohn des Piraten Blackdog) ist in den Händen der Spanier, nachdem diese Puerto Blanco erfolgreich eingenommen haben und die wollen den Ehebrecher am liebsten massakrieren. Seine Herzensdame Maria del Scuebo und Jean Forehand, die den Roten Falken zu Hilfe ruft, wollen ihn mit den verbliebenen Freunden befreien. Auch Blackdog befindet sich in Gefangenschaft: die kannibalistischen Moori verlangen (wie alle anderen auch) den Diamenten von Kashar. Gibt Blackdog seinen Schatz Preis, um seinen Sohn zu retten und seine Freiheit zu erkaufen? Was hat es mit dem Roten Falken auf sich?

Auch im fünften Band spielt sich alles hauptsächlich auf der Insel ab. Dennoch gibt es einige typische Piratenmomente. Die „Barracuda“ bekommt einen Kurzeinsatz und die Freibeuter kämpfen vereint gegen die Spanier. Die Ereignisse spitzen sich jetzt drastisch zu (Dufaux hat alle Fäden fest in der Hand), so dass im abschließenden sechsten Band das endgültige Finale kommen darf. Der Belgier erzählt sehr rasant (wenig dialogreiche Szenen) und verwendet einen (sparsam eingesetzten) Erzähler. Er wechselt dabei immer wieder die Handlungsebenen und Schauplätze und schafft es, das große Figurenensemble mit Überblick einzusetzen.

Kraftvolle und intensive Bilder

Jérémys Illustrationen bestechen aufgrund intensiver Farben durch eine greifbare Unmittelbarkeit. Seine Zeichnungen sind eindrucksvoll, weil er einen individuellen Strich führt und kraftvolle Bilder schafft, egal ob historische Kleidung, Waffen, Schiffe oder Gebäude, Figuren, Kampfszenen oder ruhige Szenen. Sein großes Vorbild könnte der verstorbene Comiczeichner Philippe Delaby gewesen sein (mit dem Dufaux in Murena und Ritter des verlorenen Landes zusammengearbeitet hat). Das besondere an Jérémys Bildern ist die dichte Atmosphäre, die zwischen Realismus und magischer Entrücktheit oszilliert. Man spürt förmlich den Urwald auf der Insel, das plätschernde Meer und die Energie, die von den Protagonisten ausgeht (dabei ist Jérémy noch ein blutiger Anfänger).

In Barracuda 5 spitzen sich die Handlungen zu, die Spannung erreicht einen vorläufigen Höhepunkt. Dufaux und Jérémy haben alles fest im Griff und bescheren dem Leser beste Piratenkost mit viel Gewalt, interessanten Charakteren und einem magischen Schatz. Was mir auch sehr gut gefallen hat, war das graue Vorsatzpapier, das mit einer Kampfszene (man sieht die Kannibalen-Horde) illustriert ist. Mehr Infos zur Serie gibt es auf der Verlagsseite.

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