Media Monday #220 u.a. über den italienischen Neorealismus, Kieron Gillen und Fargo

Nein, ich betone diesmal nicht, dass die Zeit zu schnell vergeht (das wisst ihr ja schließich selbst bzw. sonst wird es langweilig). Wie ihr bestimmt mitbekommen habt, hat mich derzeit wieder stärker das Serienfieber gepackt (True Detective S01, Boardwalk Empire S05 und nun Fargo S01). Am Wochenende habe ich dennoch auch wieder eine paar Comics gelesen, die mich allerdings leider eher enttäuscht haben: das assoziative Afterlife-Meta-Drama Appartement 23 von Guillaume Sorel hat gemischte Gefühle bei mir hinterlassen. Silbermond über Providence von Eric Herenguel war ein Fehlgriff, weil ich mir irrtümlicherweise einen Western mit Heldin vorgestellt hatte (das Cover vermittelt den Eindruck) und einen Mystery-Western mit einem großen Figurenensemble bekam. Zudem war die Story etwas wirr erzählt. Auch von der Kolonialisierungsmystery Conquistador von Jean Dufaux (eigentlich Lieblingsautor) hatte ich mir mehr erwartet, aber nach zwei Bänden werde ich die Serie wohl nicht mehr weiterlesen, weil sie nicht an die anderen Dufaux-Serien heranreicht. Hier sind meine Antworten zu den Fragen vom Medien_Journal.

1. Die Serienepisode ____ wird mich vermutlich noch lange beschäftigen, denn ____ . Obwohl ich hin und wieder die Zeit finde, Serien zu schauen, beschäftigt mich normalerweise keine einzelne Episode längerfristig. Klar, The Wire oder Breaking Bad hatten einen Nachhall auf meine Gedankenwelt, aber exzessiv hatte ich mich nicht mit deren Episoden beschäftigt. Zuletzt hatte ich bei Boardwalk Empire Season 5 gerätselt, wie es wohl weitergeht, aber mehr auch nicht. So wichtig ist mir das ganze dann doch nicht bzw. so viel Zeit habe ich nicht (mehr). Für mich sind Serien reine Unterhaltung, Denkanstöße kommen eher aus der Literatur oder von Comics.

2. Ein Durchschnittsmensch kann ja wirklich nicht gerade herausragend schauspielern, aber der Rückgriff des italienischen Neorealismus (zum Beispiel Roberto Rosselini oder Frederico Fellini) auf Laiendarsteller hat sich damals bezahlt gemacht. Das war einfach eine neue Art des Kinos, authentisch und unmittelbar.

3. Als Fan der ersten Stunde macht es mir sehr viel Spaß die Karrieren von Filmemachern wie Darren Aronofsky (seit Pi) oder Christopher Nolan (seit Memento, The Following kam erst danach) zu verfolgen. Klar, auch die beiden machen nicht immer alles richtig, aber sie bewahren sich eine eigene Handschrift und schaffen einen guten Spagat zwischen Mainstream- und Kunstkino.

4. Fernsehen kann man ja dank Streaming etc. mittlerweile quasi überall, doch muss ich sagen, dass ich überhaupt keinen Bock hab‘, mich an meinen Computer im Arbeitszimmer zu setzen und zu streamen, wenn ich einen großen Fernseher im gemütlichen Wohnzimmer habe. Was ich aber ab und an mal streame sind Sportübertragungen, sogar auch schon mal auf dem Smartphone, aber da steht die Gemütlichkeit nicht so im Vordergrund, da geht’s dann mehr um das mitfiebern oder darum, sich kurz ein Bild vom Geschehen zu machen, und das bleibt der Gang zur Apotheke.

5. Bei der Lektüre von Kritiken, die stichhaltig meiner Meinung widersprechen, muss ich immer meine eigene Kritik auf den Prüfstein stellen. Ich kann da nicht anders und hinterfrage, ob ich zu mild oder zu hart mit einem Titel war. Ich meine, ich weiß sicher, ob ich nach dem Konsum/der Rezeption eines Titels zufrieden/enttäuscht war oder gemischten Gefühle empfinde und das ändert sich dann auch nicht wirklich, aber es erschüttert meine die Grundfeste meiner Ansicht.

6. Von der Marvel-Miniserie Journey into Mystery von Kieron Gillen hätte ich mir ja doch deutlich mehr erwartet, denn schließlich erhält sie sehr gute Kritiken und der Autor wird ohnehin hochgelobt. Doch die Story hat mich zeitweise ermüdet, obwohl das Ausgangsszenario (Hintergrund zu Marvel-Megaevent Feat Itself) und der Protagonist (Kid Loki) sehr interessant sind. Seine Young Avengers-Miniserie (ebenfalls Marvel) hat mir auch sehr viel besser gefallen, wobei auch dort nicht die Story, sondern das Storytelling und das Artwork entscheidend war. Nahezu dasselbe gilt für seine creator-owned-Serie The Wicked + The Divine (Image Comics), bei der seine typischen Motive vereint (Musik und Mystery).

7. Zuletzt habe ich die ersten beiden Episoden von Fargo Season 1 gesehen und das war recht unterhaltsam, aber noch nicht herausragend, weil viele Coen-Elemente zwar aufgegriffen wurden, aber das gewisse Etwas noch fehlt. Die Episoden sind im Vergleich zu den Coen-Filmen atmosphärisch nicht dicht genug, das Pfeffer fehlt noch, aber ich bin dennoch gespannt, wie es jetzt weitergeht und ich muss mir wohl auch klarmachen, dass die Coens ja nur auführend produzieren und nicht Regie führen (ein Dilemma, dass ich auch bei Man of Steel und Christopher Nolan hatte).

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2 Kommentare

  1. bullion · September 14, 2015

    Sehr gute Antwort zu 5. So geht es mir tatsächlich auch oft. Es ist wirklich schwer sich komplett auf seine eigene Meinung zu konzentrieren bzw. diese überhaupt zu finden und zu festigen, wenn man beständig mit so vielen unterschiedlichen Meinungen bombardiert wird.

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    • z-wie-klugscheisser · September 14, 2015

      Ja, in manchen Fällen bin ich auch felsfest überzeugt, da kann mich gar nichts erschüttern. Aber wenn es stichhaltige Argumente gibt, dann wackelt das Meinungsgerüst 😉

      Gefällt 1 Person

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