Patrice Pellerin: Der Schrei des Falken Gesamtausgabe 3 [zuletzt gelesen #062]

650-307508-20140620133755Exotische Schauplätze, spannende Schatzsuche, ausgefuchstes Katz-und-Maus-Spiel, historisch beeindruckende Bilder und finaler Showdown! Die historisiende Abenteuerserie L’Epervier (Dupuis) von Patrice Pellerin geht in die letzte Runde. Bei comicplus+ ist die Comicserie unter dem Titel Der Schrei des Falken – Gesamtausgabe auf Deutsch in einer edlen Gesamtausgabe erschienen. In drei Bänden liegt der erste Zyklus der Serie vollständig vor (ursprünglich sechs Bände, ebenfalls comicplus+). Der dritte Band der Gesamtausgabe enthält die beiden Bände „Der Schatz am Mahury“ und „Die Tränen des Tlaloc“ sowie Bonusmaterial aus dem französischen Begleitband Archives secrètes.

Exotische Kulisse, historische Pracht und finaler Showdown

Nachdem das Abenteuer in der Bretagne begann und auf hoher See fortgesetzt wurde, landen die Protagonisten 1742 schließlich in Guyana. Yann de Kermeur („Der Falke“) hat die „Pomone“ gestohlen und verfolgt die „Medusa“, die (nachwievor) von den (immer noch) Niederträchtigen Marquis de la Motte und Hervé de Villeneuve gesteuert wird, um die Gräfin Agnès de Kermellec zu befreien und um wieder Herr über sein eigenes (königliches) Schiff zu sein. Doch zunächst holt ihn seine Vergangenheit (und die Intrige) auch in Übersee ein und er wird (wieder einmal) festgenommen und eingesperrt. Währendessen zwingen die Widersacher Kermeurs Mannschaft, gefährliche Tauchgänge in Tonnen durchzuführen, um den Schatz zu bergen. Kann der Falke seine (rechtmäßige) Unschuld beweisen? Die „Medusa“ (samt tapferer Crew) befreien? Und was ist mit dem Schatz (Aztekengold)?

Pellerin streift in dieser Gesamtausgabe nebenbei Themen wie Kolonialisierung und Sklaverei. Der Protagonist erhält dadurch zusätzliche Möglichkeiten zur Demonstration seiner Moralvorstellungen und etabliert sich noch klarer zum integren Helden. Er ist ganz der klassische Held in Reinform, ohne ambivalente Tendenzen und vielschichtige Facetten wie sie der (Anti-)Held der jüngeren Vergangenheit (in der Popkultur) besitzt. Umgekehrt sind die Schurken noch waschechte Schurken, ganz ohne nuancierte Zwischentöne, einfach unmoralisch (zumindest Villeneuve). Komplex sind nicht die Charaktere, sie sind mustergültige Schablonen, allerdings vor einer komplex erzählten und vielschichtig gespinnten Geschichte. Das (und die historische Genauigkeit) macht den Reiz von L’Epervier aus. Beim Frauenbild gibt es jedoch insofern eine Modernisierung, als dass die Gräfin selbstbewusst und mutig auftritt und sogar dem Chevalier das Leben retten darf.

Pellerin führt einen klaren Strich, der sich am Stil seines Vorbilds André Juillard orientiert. Mit einer unnachahmlichen Vorliebe für Details lässt er das 18. Jahrhundert (vor allem die Seefahrt) lebendig werden. Band drei der Gesamtausgabe enthält beeindruckende Bilder von Gebäuden (Kolonialstil), Waffen, Ausrüstung, Urwald, Kleidung und Schiffen. Genial ist beispielsweise auch eine Szene, in der sich Yann mit einem Kajak durch die Mangroven manövriert. Man spürt auf jeder Seite, dass Pellerin befreundete Historiker befragt hat und ausgiebig recherchiert hat. Dieser Umstand und die gewissenhafte Arbeitsweise (Pellerin schreibt, zeichnet und koloriert in Eigenregie!) entschuldigen auch die lange Veröffentlichungsdauer der Einzelbände (alle zwei Jahre erscheint ein neuer Band). In puncto Raumverständnis und Einstellung hat er sich zudem von Jean Giraud (und dessen an den Film angelegtes Panellayout) inspirieren lassen.

Klassiker des Abenteuercomics in edler Ausgabe

Die Aufmachung der Gesamtausgabe lässt keinen Wunsch offen. Der gebundene Band wird auf Vorder- und Rückseite mit Spotlack veredelt. Die wunderschöne Ausgabe wird durch ein leicht strukturiertes, griffiges Vorsatzpapier (hier Dunkelgrün) abgerundet. Das Bonusmaterial enthält einen Kurzcomic sowie illustrierte Erläuterungen über Yann als Korsar und bei Hofe. L’Epervier wurde übrigens gleichnamig verfilmt, nur leider (noch) nicht ins Deutsche synchronisiert.

Der Schrei des Falken – Gesamtausgabe 3 begeistert durch eine spannende Zuspitzung aller vorangegangenen Ereignisse bis zum Finale. Ein erstklassiger Abschluss des ersten Zyklus‘ einer genialen Abenteuerserie. Es wäre mehr als begrüßenswert, wenn auch der zweite Zyklus (bisher zwei Bände) derart prachtvoll zugänglich wird. Auf der Verlagshomepage gibt es mehr Infos zur Gesamtausgabe und beim Comicvertrieb PPM gibt es Leseproben. Für mich ist L’Epervier ohnehin einer der besten Seefahrercomics.

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