Didier Convard: Das geheime Dreieck – Gesamtausgabe 7 [zuletzt gelesen #059]

Krimis sind imm650-308130-20141202084312er wieder faszinierend. Und esoterische Krimis erfreuen sich (nicht erst) seit Dan Brown größter Beliebtheit. Freimaurer, Geheimkulte, ganz klar, das passt hervorragend zum Krimi. Le Triangle Secret (dt. Das geheime Dreieck) ist eine solche esoterische Krimiserie und sie stammt aus der Feder des Comicszenaristen Didier Convard, der dazu mit wechselnden Zeichnern zusammengearbeitet hat. Was ist noch so besonders an der Serie? Die Handlung des Krimis ist eigentlich in der Gegenwart angesiedelt, aber durch Rückblicke in die Geschichte gibt es immer wieder längere Passagen, die in verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte spielen. Außerdem gibt noch zwei weitere unschlagbare Komponenten. Die eine ist die Vorstellung, dass der Vatikan eine eigene militante Untergrundschwadron unterhält, um seine Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Die zweite ist die Thematisierung der Unsterblichkeit, die universell erscheint und eng an Jesus Christus geknüpft wurde.

Überblick über die Serie oder: Was ist bisher passiert?

Der erste Zyklus ist seinerzeit beim ehemaligen Ehapa Verlag erschienen und längst vergriffen. Hier geht es um die „Erste Loge“, die sich als Traditionsahnen von Jesus Christius sehen, aber nicht in religiöser, sondern in wissenschaftlicher Hinsicht. Sie suchen das fünfte Evangelion, das „Narrentestament“, das von einer Verwechslung beim Tode Christi handelt. Gegner sind die „Hüter des Blutes“, die das kirchliche Dogma (Jesus starb am Kreuz und ist wiederauferstanden) mit Gewalt verteidigt.

Ab dem zweiten Zyklus hat comicplus+ das Ruder übernommen. Hier geht es weiterhin um den Kampf zwischen den Parteien. Ein Ritualmörder hackt seinen Opfer die rechte Hand ab und markiert deren Stirne mit einer fünf, die auf die Ritter verweisen, die das Grab von Christi Bruder Thomas gefunden haben. Der zweite Zyklus markiert den Höhepunkt der Serie. Gerade die historischen Episoden sind genial.

Dritter Zyklus „Die Hüter des Blutes“

Mit Le Triangle Secret L’intégrale (dt. Das geheime Dreieck – Gesamtausgabe) liegt nun eine neunbändige edle Gesamtausgabe vor, die auf Deutsch ebenfalls bei comicplus+ erscheint und die Serie in edler Form zugänglich macht. Band 7 der Gesamtausgabe enthält die ersten beiden Einzelbände des dritten Zyklus „Les Gardiens du Sang“ (dt. „Die Hüter des Blutes“), der zeitlich vor den Ereignissen der ersten beiden Zyklen spielt. Von daher kann man den Zyklus im Prinzip ohne Vorkenntnisse bzw. vor den anderen beiden Zyklen lesen, aber davon würde ich trotzdem abraten.

Hier steht Professor Jean Nomane im Fokus, der überraschend nach drei Jahren wieder bei seiner ehemaligen Freundin auftaucht und wegen Mordes an Kardinal Mottelli gesucht wird. Nach und nach wird jedoch klar, dass es eine geschickt eingefädelte Intrige der „Hüter des Blutes“ war, die ihn zum Verdächtigen gemacht hat. Währenddessen forscht eine geheime vatikanische Forschungsgruppe in Kooperation mit einem Schweizer Konzern an einer Essenz für die Unsterblichkeit.

Dialogreich und detailliert

Convard erzählt seine Geschichte hauptsächlich mit dialogreichen Sequenzen. Dadurch werden wir als Leser unmittelbar in das Geschehen hineingeworfen und erfahren nach und nach mehr von den Verstrickungen und Drahtziehern im Hintergrund. Andererseits ist es auch ein erklärungswütiger Erzählstil, man muss viel lesen, was nicht heißt, dass nichts passiert. Im Gegenteil, die Schauplätze ändern sich oft und es passiert viel. Es gibt ein großes Figurenensemble, bei dem man den Überblick bewahren muss. Dennoch macht das alles sehr viel Spaß. Es ist nur kein Comic, den man nebenher oder zwischendurch konsumiert, sondern einer, der die volle Aufmerksamkeit erfordert.

Im Allgemeinen erzählt Convard sehr ruhig, klassisch und spröde, was ich nicht negativ, sondern positiv auslege. Im dritten Zyklus hat er sich jedoch herausgenommen eine Idee drastischer zu werden, was jedoch immer noch im Rahmen bleibt. Denis Falque zeichnet die Gegenwartsepisoden. Er führt einen detailliert-realistischen Strich mit leicht individueller Note, wodurch alles schön übersichtlich bleibt, aber auch reizvoll erscheint. Die Pariser Stadtszenen wirken sehr realistisch und die Figuren haben einen individuellen Stil.

Die historischen Rückblicke werden von wechselnden Zeichnern übernommen und führen uns diesmal zu Cagliostro, der hier als Universalgenie und geistiger Bruder von Christus inszeniert wird. Die ersten historischen Abschnitt hat Patrick Jusseaume gezeichnet, der einen reduzierten Strich plegt, der im Vergleich mit den anderen Zeichnern unspektakulärer und stilisierter wirkt. Den zweiten hat André Juillard (der Meister höchstselbst!) übernommen, der bislang auch schon die Cover illustriert hat und für seinen unnachahmlichen klaren Stil bekannt ist. Während Convard den ersten Rückblick mit Dialogen und Nomane als Erzähler ausstattet, wird der zweite Rückblick ausschließlich von Nomane erzählt. In Voice-Over-Passagen berichtet er von Cagliostros Abenteuer in Ägypten, wobei die Szenen systematisch in seitenbreiten, filmischen Panels angelegt sind. Dadurch wirkt diese Passage schematischer als die erste, die in abwechslungsreichen Panelstrukturen angelegt ist.

Guter Inhalt und schöne Aufmachung

Der siebte Band von Le Triangle Secret L’intégrale verspricht spannende Krimikost, wobei der dritte Zyklus nicht an die herausragende Qualität des zweiten Zyklus anknüpfen kann. Vor allem die historischen Rückblicke waren im zweiten Zyklus beeindruckender. Convard liebäugelt außerdem mit dem Heldenkino, wenn immer wieder Anspielungen auf jenes ausgeprochen werden und es gibt einen stilisierten Vollstrecker. Dennoch wissen auch diese beiden Abenteuer zu fesseln und enthalten einen interessanten Hauptcharakter. Wer nicht genug bekommt vom Le Triangle Secret-Universum, sollte unbedingt zugreifen. Für Schmalspurleser reichen sicherlich auch die ersten beiden Zyklen.

Die Gesamtausgabe erscheint in gebundenen Bänden mit Spotlack und enthält insgesamt neben den drei Zyklen („Das geheime Dreieck“, „I.N.R.I.“ und „Die Hüter des Blutes“) die ersten beiden Bände des Spin-Offs „Hertz“. Jeder Band der Gesamtausgabe ist jeweils auf 1.000 Exemplare limitiert und enthält Bonusmaterial. Diesmal eine bewertende Einordnung des dritten Zyklus, eine Skizze von Jusseaume, eine Studie von Juillard und eine Infobox über Cagliostro. Die wunderschöne Aufmachung wird durch ein leicht strukturiertes Vorsatzpapier (hier Gelb) abgerundet. Beim Verlag gibt es mehr Infos zur Gesamtausgabe und beim Comicvertrieb PPM gibt es (eine) Leseprobe(n).

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