Lupano & Cauuet: Die alten Knacker 1 – Die übrig bleiben [zuletzt gelesen #053]

01Alte Menschen stehen nicht so oft im Zentrum von (Comic-)Geschichten: Sie sind langsam, gebrechlich, hören schlecht… das absolute Gegenteil des Standardhelden! Doch es gibt trotzdem Comics, in denen alte Menschen die Protagonisten sind. In Enki Bilal und Pierre Christins Les Phalanges de l’Ordre Noir (dt. Der Schlaf der Vernunft) treffen sich gealterte Anarchisten, um gegen den Faschismus zu kämpfen (selten so gelacht!), in Pascal Rabatés Les Petits Ruisseaux (dt. Bäche und Flüsse) startet ein Rentner sein Leben noch einmal neu oder in Paco Rocas Arrugas (dt. Kopf in den Wolken) büchsen Geleichgesinnte aus dem Altenheim aus. Und Les Vieux Fourneux (Dargaud) von Wilfred Lupano und Paul Cauuet (dt. Die alten Knacker 1 – Die übrig bleiben, Splitter Verlag) ist eine sozialkritische Komödie zwischen Altersheim, Schwangerschaft und Road Trip.

Flucht nach vorn

Lupano erzählt mit aller Übersicht und sprudelnden Dialogen von den Siebzigjährigen Pierrot, Mimile und Antoine, die sich seit ihrer Kindheit kennen. Ohne Erzähltext und mit wenigen Rückblenden schreitet die Geschichte linear und schwungvoll voran. Der Tod von Antoines Frau Lucette wird zum Ausgangspunkt für einen haarsträubenden Road Trip. Aufgrund des Inhalts eines hinterlassenen Briefes, lässt Antoine mir-nichts-dir-nichts alles stehen und liegen, um mit einem Gewehr nach Italien zu fahren.

Dabei arbeitet Lupano mit Situationskomik und kokettiert mit dem Altsein, indem die schrulligen Charaktere noch einmal ordentlich „auf den Putz hauen“. Antoines hochschwangere Enkelin Sophie steigt gemeinsam mit den anderen beiden „alten Knackern“ in ihren Theaterbus, um die Verfolgungsjagd aufzunehmen. Dabei fungiert sie als sozialkritisches Sprachrohr, indem sie die Fehler der älteren Generation aufzählt. Es ist eine irrwitzige Geschichte mit sympathischen Charakteren und feinem Humor.

Farben- und lebensfroh

Dabei überzeugt Les Vieux Fourneux mit einem übersichtlichen und angenehm gestaltetem Seitenlayout. Es dominieren große Panels, wobei die Panelart variiert. Dazu besticht der Auftaktband durch schöne Illustrationen: Cauuet führt einen detaillierten, karikierenden Strich und verwendet dabei flächige, bunte Farben, die perfekt zur Geschichte passen und eine harmonische, gute Stimmung verbreiten.

Lupano und Cauuet inszenieren vorzüglich eine Mischung aus Generationenkonflikt, Humor und ungebremster Leidenschaft. Les Vieux Fourneux beginnt zwar mit dem Tod, aber besteht dennoch nur aus einer lebensbejahenden Essenz, die wie die aufgehende Sonne in der Toskana wirkt, wie eine wohltuende Verjüngungskur mit Hirn und Charme! Hier geht’s zur Leseprobe bei Splitter.

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2 Kommentare

  1. Manfred Voita · August 14, 2015

    Danke für die seniorengerechten Tipps! Ich schnapp mir mein Seniorenticket, fahr in die Stadt und schau mal, ob mich der Comicladen rein lässt. Aber vielleicht hat mein Buchhändler ja auch ein Einsehen und bestellt mir was.

    Gefällt 1 Person

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