Zuletzt gelesen #048: „The Underwater Welder“ von Jeff Lemire

Nachdem mich jüngst die Miniserien Trillium und The Nobody überzeugt hatten, musste ich einfach noch mehr von Jeff Lemire lesen (ihr kennt das sicherlich selbst, wenn einem ein guter Autor begegnet). Zuvor hatte mich auch schon die Essex County-Trilogie des Kanadiers begeistert, nur Animal Man (schaut euch unbedingt den ersten Band an, der Zeichner ist der Oberhammer!) und Sweet Tooth wollten bei mir nicht zünden (beides eine der wenigen Serien, die ich abgebrochen habe).

Nun gut, lasst uns einen Blick auf The Underwater Welder werfen. Hier geht es um einen Ölbohrinseltaucher, der bald Vater wird, aber vor seiner Verantwortung in die Arbeit und seine tragische Vergangenheit flieht: Sein eigener Vater verschwand vor zwanzig Jahren an einem Halloweentag beim Tauchen. Lemire erzählt wie immer mit aller Zeit der Welt (absolut positiv gemeint!). Wir erhalten durch Dialoge mit der werdenden Mutter, Rückblicken und surrealen Sequenzen eine intensive Charakterstudie des Protagonisten.

Wie in seinen anderen Arbeiten auch ist der Protagonist jemand der seinen Mitmenschen gegenüber unsichtbar bleibt (The Nobody), in die Vergangenheit flieht (Essex County). Das heroische Momentum verkehrt sich dabei diametral zur Familie (Animal Man)/Liebe (Trillium) zum antiheroischen Momentum. Der Antiheld muss seine Familie/Liebe im Stich lassen, um ein letztes Rätsel zu lösen. Lemire verschleiert hier seine Aussage gar nicht hinter einer Allegorie, sondern präsentiert alles klar und offensichtlich.

Dazu hilft auch sein leicht zugänglicher, individueller Strich, der reduzierte Figuren und detaillierte Hintergründe erschafft, machnmal wird dabei etwas auch nur angedeutet. Was mir sehr gut an den Schwarzweißzeichnungen gefallen hat, waren die aquarellierten Graustufen, die für Nuancen sorgen. Insgesamt wirkt das Artwork filigraner als bei The Nobody, wo er dicke Panel- und Sprechblasenkonturen verwendet hat. Die Graphic Novel ist bei TopShelf erschienen.

Fazit

The Underwater Welder zählt zum besten, was Lemire gemacht hat. Der Kanadier gibt sich hier unverfälscht und beobachtungsbegabt was Charaktere und Story angeht und überzeugt mit einem schönen Artwork. Hoffentlich liefert Lemire neben seinen Mainstream-Arbeiten auch in Zukunft noch solche Comicperlen!

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