Zuletzt gelesen #046: „Narren“ von Jason Lutes

Nachdem mich bereits Houdini und Berlin dermaßen begeistert hatte, wollte ich unbedingt mehr von von Jason Lutes lesen. Zack – eh ich mich’s versah, hatte ich sein Erstlingswerk Jar of Fools (Drawn & Quarterly) als Sammelband in den Händen. Klingt nach Zauberei und darum geht es auch in dieser Graphic Novel. Ein abgehalfteter Zauberer hat keine Aufträge, liegt mit der Miete im Rückstand und trifft seinen schrulligen Mentor wieder. Die Ex des Zaubertrickkünstlers arbeitet in einem Diner und lässt sich ausrauben von einem alleinerziehenden Vater, der seine Tochter durchfüttern muss, ausrauben.

Lutes verwebt die Schicksale dieser Anti-Helden zu einem liebenswert nostalgischem Gegenwartscomic über veraltete Künste, die keinen Platz mehr in einer technisierten Welt haben. Daneben ist es ein Drama über Beziehungen gebeutelter Charaktere, die sich ihr Daseinsrecht mit jedem Tag erkämpfen. Es sind diese grundsympathischen und charakterstarken Figuren, die die Geschichte sehr lebendig und besonders machen.

Erzählerisch nimmt Lutes schon vieles Vorweg, was er hinterher in seiner Berlin-Trilogie zur Blüte treibt: beobachtende, stumme Sequenzen durchbrechen die dialogreichen Szenen. Auf einen Erzähltext verzichtet er vollständig, wodurch wir den Charakteren neutral begegnen. Allegorische Traumsequnzen wechseln mit tragischen und emotionalen Momenten oder humorvollen Szenen.

Die Schwarzweißzeichnungen sind reduziert und im Vergleich zu Berlin gröber. Der harte Kontrast wird durch Schatteneffekte verstärkt. Es gibt ausreichen Details damit der Blick auch mal hängenbleibt, aber insgesamt wirken die Bilder dennoch sehr roh. Auf Deutsch ist das Buch unter dem Titel Narren bei Carlsen erschienen (wird aber leider nicht mehr auf der Verlagsseite aufgeführt).

Fazit

Jar of Fools ist eine wunderbare Geschichte mit feinen Charakterstudien vor einem urbanen Setting. Damit hat er alles, was einen guten Arthouse-Film oder einen modernen Großsstadtroman ausmacht. Sollte genauso wie Berlin und Houdini in keiner gut sortierten Comicsammlung (mit Anspruch) fehlen!

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