Zuletzt gelesen #043: „Ritter des verlorenen Landes 4 – Sill Valt“ von Jean Dufaux und Philippe Delaby

Mit Fantasy hab‘ ich eigentlich so meine Schwierigkeiten. Ich mag dieses rückwärtsgewandte soziale Prinzip nicht besonders: Oft gibt es ein feudales Herrschaftssystem und stereotype Figuren (gut, gibt es auch in anderen Genres). Dann die Drachen und Elfen, das ertrage ich nur im Blockbuster-Kino (und auch da nur selten). Nur wenige Autoren und Zeichner vermögen es, mir das Genre dennoch schmackhaft zu machen. Jean Dufaux und Philippe Delaby hatten mich schon im historisierenden Murena von ihrem Können überzeugt. Für die Vorgeschichte zum ersten Zyklus Das verlorene Land haben sich die beiden ein allerletztes Mal vereint, denn leider ist Delaby gestorben.

Der Abschlussband Ritter des verlorenen Landes 4 – Sill Valt bringt den Kampf der Ritter der Vergebung gegen den Guinea Lord und die Morrigans zu einem gelungenen Abschluss. Im Fokus steht der (Unter-)Titelheld, der sich gegen die Morrigan-Anführerin behaupten muss.

Dufaux wechselt geschickt zwischen Erzähltexten und Dialogen und erzählt seine Geschichte linear mit zwei Handlungsebenen: dem Ritter und dessen Novizen (dem wir in Das verlorene Land erneut begegnen bzw. den wir daher bereits kennen), konzentriert sich in diesem Band aber auf den Ritter. Dufaux bietet hier keine großen Schlachten, sondern haarsträubendes Kammerspiel, Intrigen und Illusionen. In der ganzen Serie gibt es eine angenehm überschaubare Anzahl an Fabelwesen und phantastischen Elementen.

Archetypisch, mehr wie ein düsteres Märchen als Heroic-Fantasy schleicht sich der eiskalte Schauer in unser Rückenmark. Faszinierend, verspielt, fatal und abstoßend wirkt das Spiel zwischen Ritter und Hexe. Die Stimmung erinnert mehr an die bedrohlichen Momente eines David Lynch-Films, allerdings mit klassischem Fantasy- oder Horror-Setting und hat vieles von einer Vampirgeschichte.

Delaby präsentiert uns ein letztes Mal plastische, realistische Bilder mit wenigen Konturen und vielen Details. Seine Bilder haben mehr mit den alten Meister der Kunstgeschichte als mit herkömmlichen Comics gemein. Seine Stärken liegen in der Darstellung von ikonischen Bildern mit Symbolkraft. Dazu war auch Jérémy (den wir aus Dufaux‘ Baracuda kennen) an diesem Abschlussband illustrativ beteiligt (vermutlich um Rest zu vollenden, den Delaby nicht mehr geschafft hat). Er versucht in Delabys Fußstapfen zu treten. Bei Splitter gibt es eine Leseprobe.

Fazit

Ritter des verlorenen Landes 4 – Sill Valt ist ein fokussierter Abschluss, der nicht hektisch viele Fäden zusammenbringt, sondern auf den Punkt die Landung schafft. Geniale Fantasy-Serie, nicht nur für Game of Thrones– und Genre-Fans. Hoffentlich macht Dufaux einen neuen Zyklus!

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