Zuletzt gelesen #041: „Das Schweigen unserer Freunde“ von Mark Long, Jim Demonakos und Nate Powell

Das Thema „Bürgerrechtsbewegung“ erinnert mich an meine Facharbeit über die Black Panthers und deren Rolle der US-Bürgerrechtsbewegung. Dann gibt es ja noch einige Filme (PantherMalcolm X  oder Selma), die das Thema behandeln. Im Comicbereich hab‘ ich bereits die empfehlenswerte Graphic Novel Martin Luther King gelesen.

Die Comicautoren Mark Long und Jim Demonakos haben sich in The Silence of Our Friends (im Original bei First Second erschienen) nicht dafür entschieden, eine schillernde Persönlichkeit aus der Bürgerrechtsbewegung hervorzuheben. Vielmehr haben sie einen (meiner Meinung nach erfrischend) andere Vorgehensweise gewählt, indem sie die verwobenen Schickale einer weißen und einer afro-amerikanische Familie als spannendes Sozialdrama in Houston im geschichtsträchtigen Jahr 1968 inszenieren.

Der Vater der weißen Familie ist Alkoholiker und Fernsehreporter (angelehnt an Longs eigenen Vater) und gerät dabei zwischen die Fronten von repressiver Polizei auf der einen Seite und demonstrierenden Afro-Amerikaner auf der anderen Seite. Er hadert täglich mit seinem Gewissen, denn sein Vorgesetzter ist ein Rassist. Der Vater der afro-amerikanischen Familie ist Bürgerrechtsaktivist mit Kontakten zur Black Panther-Partei. Er verteidigt den Fernsehreporter und schießt Freundschaft mit ihm.

Die beiden Autoren erzählen ihre Story linear, ohne Erzähltext und sehr temporeich: Man liest die 208 Seiten problemlos in einer guten Stunde, zum Teil auch aufgrund stummer Sequenzen. Sie konzentrieren sich ganz auf die beiden Familien, deren Schicksale sich kreuzen. Dabei charakterisieren sie vor allem die Familienväter und die Kinder, wodurch sie eine multiperspektivische Sichtweise auf diesen umwälzenden Abschnitt der Bürgerrechtsbewegung eröffnen. Ohne „Faktenregen“ und Zeigefinger (aber mit moralischer Parteinahme für die Bürgerrechtsbewegung) zeigen sie Kampf und Opfer auf allen Seiten. Das macht die vergangenen Ereignisse sehr greifbar.

Der Zeichner Nate Powell hat einen leichtfüßgien, eleganten Strich. Die Figuren weisen einen leichten Einschlag an Zuspitzung auf, die Hintergründe sich etwas reduziert. Der Kontrast der schwarzweißen Zeichnungen wird durch Graustufen und Schrafuren aufgeweicht, so dass die inhaltliche Vielschichtigkeit auch grafisch vermittelt wird. Insgesamt hat mir das Artwork sehr gut gefallen. Zur deutschen Ausgabe Das Schweigen unserer Freunde gibt es eine Leseprobe bei Egmont Graphic Novel.

Fazit

The Silence of Our Friends ist eine unterhaltsame und gleichzeitig vielseitige Graphic Novel über ein brisantes Thema. Natürlich schaffen die Autoren keinen Überblick über die US-Bürgerrechtsbewegung, aber das Buch macht auch dank des schönen Artworks leicht zugänglich, was ein Kernpunkt der sozialen Bewegung war, und warum es in solchen Zeiten schwer ist, sich selbst treu zu bleiben. Hat Spaß gemacht!

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