Zuletzt gelesen #039: „Berlin 2 – Bleierne Stadt“ von Jason Lutes

Schon Berlin Book 1 – City of Stones (Drawn & Quarterly) hat mich in jeder Hinsicht überzeugt. So war meine Erwartungshaltung beim zweiten Teil Berlin Book 2 – City of Smoke nicht gerade niedrig. Kurz und knapp: Jason Lutes konnte sich sogar noch einmal steigern. Warum?

Thematisch variiert er noch mehr. Anahnd der Liebesbeziehung des Journalisten und der Kunststudentin zeigt er beispielsweise die Spaltung der Epoche: Während sich der Journalist als konservativ gegenüber Jazz im Speziellen und Amüsment im Allgemeinen zeigt, öffnet sich die Studentin hierfür und lernt die hedonistischen und frivolen Seiten Berlins kennen. Als neue Protagonisten erscheinen afro-amerikanische Jazz-Musiker, die auch inhaltlich für Abwechslung sorgen. Dazu kommen authentisch wirkende Einzelschicksale, die den Leser erfreifen.

Erzählerisch zieht Lutes alle Register: Er verwendet nicht mehr so stark, aber weiterhin auch Tagebucheinträge und Gedanken der Protagonisten. Darüber hinaus auch politische Agitation, Berliner Dialekt und viele Songs (was schon stark an das Brecht’sche Theater erinnert). An manchen Stellen folgt Lutes einer Nebenfigur eine Seite lang auf ihrem alltäglichen Weg nach Hause von einem Interview mit dem Journalisten. Das geschieht komplett textfrei und der Leser sieht neben den Straßen Berlins (anhand von der Inneneinrichtung und/oder Alltagszene zu Hause) wie die Lebensrealität der Menschen war.

Auch grafisch hat sich Lutes weiterentwickelt: Sein Strich wirkt nun eine Spur filigraner und sicherer als zuvor. Er variiert zwischen kontraststarken Nachtszenen, detailreichen Hintergründen und schnellen Panelabfolgen. Manchmal zeigt er nur Details und deutet etwas an, das sich nur durch „Mitarbeit“ des Lesers erschließt. So sehen wir zum Beispiel einen Mann, der in Abfolge mehrerer stummer Panels in eine Kabine geht (man weiß nicht genau, was es genau ist [oder ich bin einfach nur zu doof]), woruafhin man unten, im nicht abgeschossenen Abschnitt der Kabine, nur noch ein Paar Schuhe sieht. Dann gesellt sich ein zweites Paar Schuhe hinzu und die Schuhe „umarmen“ sich. Das zeigt welches Potential im grafischen Erzählen bzw. im Medium „Comic“ steckt und auch, welches Talent Lutes besitzt. Auf Deutsch ist der Band bei Carlsen erschienen.

Fazit

Lutes schafft es tatsächlich und steigert sich in Berlin Book 2 – City of Smoke sogar noch gegenüber dem ersten Band. Wir erleben hautnah das Berlin in den letzten Atemzügen der Weimarer Republik in alle seinen Facetten. Die Graphic Novel ist Klassiker, der in keiner gut sortierten Comic-Bibliothek fehlen darf, die einen literarischen Anspruch erhebt. Ich bin gespannt auf den Abschlussteil!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s