Zuletzt gelesen #037: „Nemo – River of Ghosts“ von Alan Moore und Kevin O’Neill

Der grummelige und dickköpfige Brite Alan Moore zählt zu meinen absoluten Lieblingsautoren. Mit seiner Serie The Leaugue of Extraordinary Gentlemen hat er gemeinsam mit dem Zeichner Kevin O’Neill eine vielschichtige und verweisverspielte Hommage und Persiflage auf die Klassiker der Abenteuer- und Avantgardeliteratur (von Jules Verne und H. G. Wells bis zu William S. Burroughs und Thomas Pynchon) realisiert, die in der viktorianischen Epoche beginnt und eine Abenteuergeschichte mit Sci-Fi- und fantastischen Elementen darstellt.

Nachdem Moore mit dem Blackdossier einen vorübergehenden Höhepunkt in puncto Qualität erreichte, sank er in den drei Century-Bänden (jeder Band spielte in einer anderen Epoche: „1910“, „1968“, „2009“) leider etwas ab (sehr obskur und überfrachtet, jedoch immer noch lesenswert). Durch den Spin-Off Nemo („Heart of Ice“ und „Roses of Berlin“) wechselte er das Figurenensemble, indem er die Tochter Nemos in den Fokus rückte, das Niveau stieg wieder an, weil die Geschichten schlanker und abenteuerlastiger wurden.

Im dritten Band Nemo – River of Ghosts (Top Shelf/Knockabaout) ist Nemos Tochter inzwischen eine betagte Greisin. Allein ihre Nemesis befeuert sie zu seinem letzten Abenteuer mit der Nautilus. Im Zentrum steht die Weltbedrohung durch verrückte Nazi-Wissenschaftler. Bei Moore ist das alles (angenehm) überzeichnet und übertrieben, genauso wie Gewaltdarstellung. Die Heldin ist ein abgeklärter, einsilbiger Charakter, die genau weiß, was sie will und resolut ihr Ziel anstrebt. Sie steht in Kontakt mit ihren Ahnen, die nur sie sieht (dadurch entstehen witzige Situationen).

Moore verwendet keinen Erzähltext. Manche Passagen sind auch dialogfrei. Er ist ein Meister der stummen Erzählung: durch filmische Einstellungen (Einstellungsperspektiven, die sich wiederholen) und filmische Sequenzen (seitenbreite Panels und Figuren, die sich in puncto Körperhaltung minimal verändern und gestikulieren). Die Dialoge wiederum sind schlagfertig und unterhaltsam.

Die Illustrationen sind sehr farbenfroh und unterstreichen die Stimmung der Erzählung. O’Neills Strich ist individuell mit einem karikierenden und kantigem Einschlag. Seine Stärke liegt in der übertriebenen Darstellung von Gewalt und detailreichen „Wimmel“-Szenen. Gefällig sind seine technischen Gadgets und Vehikel, die sich an der klassischen Abenteuerliteratur orientieren. Der Band ist gebunden und bei Top Shelf erschienen.

Fazit

Nemo – River of Ghosts macht ungemein Spaß! Die Story ist fabulierfreudig, die Charaktere sympathisch und die Zeichnungen leichtfüßig. Der Band ist nicht so überfrachtet, sondern linearer als die Century-Bände. Doch nun sollte sich das Kreativteam etwas Neues ausdenken. Vielleicht ein neuer Spin-Off? Es gäbe ja noch genug Figuren!

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