Zuletzt gelesen #036: „Moon Knight 2 – Dead Will Rise“ von Brian Wood und Greg Smallwood

Nachdem Warren Ellis und Declan Shalvey in Moon Knight 1 – From the Dead den Titelhelden in Kurzgeschichten modernisiert haben (aber insgesamt vor allem nur visuell Begeisterung ausgelöst haben), war ich gespannt, was Brian Wood und Greg Smallwood aus dem Charakter machen. Das Kreativteam wurde nicht vollständig ausgewechselt: Die begnadete Koloristen Jordie Bellaire ist auch noch im zweiten Volume mit von der Partie.

Inhaltlich benötigt man keinerlei Vorwissen aus dem ersten Volume. Der Millionär Marc Spector ist in New York damit beschäftigt, terroristische Anschläge zu vereiteln und muss dazu wiederum selbst gegen das Gesetz verstoßen (er bricht beispielsweise in das UNO-Gebäude ein).

Wood interpretiert Moon Knight als schizophrenen Charakter (aber im Vergleich zu Brian Michael Bendis nicht parodistisch-haarsträubend-fatalistisch, sondern mysteriös). Ein Teil von Spectors Persönlichkeit wird von der ägyptischen Gottheit bestimmt, die ihn nach seinem Tod wiedererweckt hat. Faszinierend ist, dass diese Gottheit nun oszilliert und mal für und mal gegen Spector arbeitet. Neben dieser mystisch angehauchten Ebene, breitet Wood eine knallhart politische Story aus, die afrikanische Warlords und Kindersoldaten genauso thematisiert wie das Verhalten der westlichen Welt dazu. Das ist ein extrem spannendes Verhältnis von Fiktion und politischer Wirklichkeit.

Neben dem Inhalt überzeugt Wood zudem durch seine innovative Erzählweise. Zunächst entsteht nach den ersten Kapiteln der Eindruck, Wood mache wie Ellis auch zusammenhangslose Kurzgeschichten. Mit der Zeit erschließt sich jedoch ein roter Faden. Erfrischend wirken auch Seiten- und Panellayout: Die Panels varriieren von kleinen, quadratischen Formen zu filmischen, seitenbreiten Panels. Dadurch wechselt er geschickt das Erzähltempo. Darüber hinaus verwendet er Display-Perspektiven von TV-Kameras (nicht mehr neu, gibt’s spätestens seit Frank Millers The Return of The Dark Knight), Überwachungskameras (eher neu), Smartphone-Kameras (auf jeden Fall neu) und so was ähnliches wie Gopro-Kameras (auch nicht so oft gesehen). Dabei sind typische Display-Elemente eingeblendet und der gesprochene Text wird je nach Person in verschiedenen Farben außerhalb der Panels angebracht. Dadurch wirken die Panels im Vergleich zu üblichen Comicpanels verfremdet, subjektiv und teilweise auch dokumentarisch.

Smallwoods leicht reduzierter und detaillierter Strich wirkt angenehm locker. Er setzt die Vorgaben von Wood herrvorragend um. Bellaires betont flächige Farben ergänzen die Zeichnungen perfekt.

Fazit

Wood tut Moon Knight gut! Moon Knight 2 – Dead Will Rise ist eine klare Steigerung zum ersten Volume und überrascht durch eine Kombination aus spannende Erzählweise, ungewöhnliche Neuinterpration des Charakters, politischen Inhalt (für Wood-Kenner natürlich keine allzu große Überraschung), neue Erzählmittel und ein schönes Artwork. Unbedingt reinschauen!

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