Zuletzt gelesen #033: „Capote in Kansas“ von Ande Parks und Chris Samnee

Der (von mir überaus geschätzte) Crime-Comicautor Ed Brubaker ist von der Graphic Novel Capote in Kansas (Oni Press)  Ande Parks (Szenario) und Chris Samnee (Illustrationen) so begeistert, dass er die beiden Autoren sogleich auf seine Favoritenliste setzt. Nun, das ist ein Wort!

Zuvor hatte ich noch nie etwas vom Schriftsteller Truman Capote gelesen. Obwohl ich ein Fan von Filmklassiker bin, habe ich auch keine der Filmadaptionen gesehen. Das einzige, was ich schon gesichtet hatte, war der Film Capote, der über den Schriftsteller und den Entstehungsprozess seines Tatsachenromans In Cold Blood (dt. Kaltblütig). Leider ist es schon ein paar Jährchen her, dass ich den Film gesehen habe, aber vielleicht erinnert sich ja noch jemand von euch an den Film und es entsteht eine Diskussion.

Und genau darum geht es auch in Capote in Kansas (Parks stammt übrigens aus Kansas, kennt den Schauplatz und die Menschen). Der renommierte New Yorker Schriftsteller Capote geht nach Kansas, um einen Mord als Grundlage für den ersten Tatsachenroman der Literaturgeschichte heranzunehmen. Dabei stößt er bei den Einwohnern auf viele (provinzielle) Vorbehalte gegenüber seiner (großstädtischen) Person. Auf der anderen Seite fasziniert ihn einer der verurteilten Mörder, der mehr ist als er zu sein scheint.

Parks verzichtet vollständig auf einen Erzähltext, wodurch das Erzähltempo flüssig ist. Allein durch die Dialoge und Handlungen schreitet die Handlung voran. Ein narrativer Kunstgriff liegt darin, dass Parks eines der Opfer als Geist in Szene setzt (sie erscheint und unterhält sich mit Capote, wodurch unter anderem moralische Aspekte von Capotes Arbeit thematisiert werden, aber auch dessen Charaktereigenschaften unterstrichen werden).

Samnee ist ein Virtuose was harte Schwarzweißkonstraste und akurate Zeichnungen angehen. Die Figuren haben mich stark an den deutschen Comicautor Reinhard Kleist erinnert. Die teils geometrisch aufgebauten Schatten- und Lichteffekte und leicht stilisierten Hintergründe (jedoch mit verspielten Details) vermitteln eine strenge Akuratesse und erinnern an den franko-belgischen Comicautor Marc-Antoine Mathieu oder an den bedrohlich-mysteriösen US-Comicautor Charles Burns. Die Illustrationen sind deshalb reichhaltig, so dass der Blick beim Lesen auch ohne Erzähltext öfter an einem Panel hängen bleibt. Insgesamt herrscht eine enorm dichte Noir-Atmosphäre vor. Auf der Verlagsseite von Panini Comics gibt es eine Leseprobe für die deutsche Ausgabe (Hardcover).

Fazit

Der erzählerische Kunstgriff und die genialen Illustrationen lassen den Leser tief in die Provinzwelt, den Mordfall und Capotes Seelenleben bei der Recherchearbeit eintauchen. Capote in Kansas ist eine exakt aufbereitete und stimmungstark illustrierte Graphic Novel über einen höchst interessanten Hintergrund der Literaturgeschichte!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s