Zuletzt gelesen #030: „Der Astronaut“ von Danilo Beyruth

2013 war Brasilien im Fokus der Frankfurter Buchmesse. Zu diesem Anlass hat Panini Comics die Graphic Novel Der Astronaut des brasilianischen Illustrators und Comicautors Danilo Beyruth ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht. Die Figur stammt ursprünglich aus Comicstrips aus den 1960er Jahren von Mauricio de Sousa. Beyruth hat aus dem klassischen Kinderstrip einen Erwachsenencomic gemacht.

Im Zentrum der Story steht ein brasilianischer Astrounaut, der auf eine einsame wie gefährliche Mission ins Weltall fliegt. Er soll iom Dienste der Wissenschaft Messdaten von einem Magnetar einholen. Das war’s auch schon kurz und knapp zusammengefasst und bei der dünnen Story wäre alles weitere schon Spoiler. Inhaltlich handelt es sich demnach also um realistische, anspruchsvolle Raumfahrt-Science Fiction ohne Laserschwert, Raumschiffschlachten oder Aliens. Vielmehr ist Der Astronaut eine ruhige, parabelhafte Geschichte, die vom polnischen Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem stammen könnte. Wer Filme wie Solaris (eine Filmadaption eines gleichnamigen Lem-Romans) oder Gravitiy mag, dem könnte Der Astronaut zusagen.

Beyruth macht seine Aufgabe insofern gut, als dass er den Kinderstrip modernisiert und die Vorlage tatsächlich für ein erwachsenes Publikum aufbereitet, indem die Figur realistischen Gefahren aussetzt und auf eine vorstellbaren Mission schickt. Als Rahmenhandlung bettet er den Astronauten in einen Kindheitsrückblick ein, wo ihm der Großvater einen Rat für’s Leben mitgibt. Die Geschichte ist an sich gelungen und spannend erzählt. Beyruht hat sogar ein paar narrative Kniffs auf Lager: Er stellt die Monotonie des gestrandeten Astronauten durch Wiederholung einer kompletten Seite dar, zunächst als identische Seite, dann durch Verkleinerungen der Seite auf immer kleiner werdende Panelgrößen (alles klar, was labbert der da?).

Das Problem von Beyruht ist nur der, dass neben dem guten Ansatz von Geschichte und Erzählweise die Charakterisierung des Protagonisten viel zu kurz kommt. Den Leser berührt das Schicksal des strandenden Astronauten, der unter Lagerkoller zu leiden beginnt, nicht, weil er nicht als komplexe Figur mit interessanter Vorgeschichte dargestellt wird. Dafür ist die Geschichte zu kurz geraten und bleibt leider nur szenarisch und formal interessant.

Die Illustrationen sind grundsolide, leicht reduziert und stilisiert. Die Farben haben mir nicht sonderlich gefallen. Die Kolorierung schafft es nicht, eine dichte Atmosphäre herzustellen, sondern wirkt aufdringlich und plakativ (teilweise zu grell, künstlich). Beim Verlag gibt es eine Leseprobe.

Fazit

Der Astronaut ist im Ansatz und vom Setting her höchstinteressant und deshalb absulut lesenswert, aber in der Umsetzung letztlich leider nur halbgar. Man hat nach der Lektüre das Gefühl, dass etwas fehlt bzw., dass es jetzt erst richtig losgeht. Wer sich für diese Art von Science Ficiton interessiert, sollte lieber gleich zu einem Lem-Roman greifen – das geht hundertprotzentig in die Tiefe!

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