Zuletzt gelesen #028: „Die Katze des Rabbiners – Gesamtausgabe 2“ von Joann Sfar

Das Judentum wird oft negativ assoziiert: entweder mit dem Holocaust oder mit dem Nahostkonflikt. Die schillernden Seiten werden dabei oft vergessen. Dabei enthält die jüdische Kultur viel kreatives Potential: Angefangen von jüdischen Denkern und Künstlern bis hin zur Klezmer-Musik. Einige jüdische Künstler zeichnen sich durch selbstreflexiven-satirischen Humor aus. Man denke zum Beispiel an Ethan & Joel Coen und ihren Film A Serious Man. (So und jetzt kommt der Übergang zum Comic!) Natürlich habt ihr es schon geahnt, auch in der Welt der Sprechblasen und Panels gibt es solche jüdischen Künstler.

Joann Sfar, Mitglied der (berühmt-berüchtigten) L’Assocation (französische Comicvereinigung, die sich vom Mainstream abkoppelte, um experimentelle Autorencomics zu realisieren), ist bekannt für seine humorvollen Geschichten vor dem Hintergrund jüdischer Kultur. Seine bekannteste Serie Le Chat du Rabbin (dt. Die Katze des Rabbiners) erscheint als gebundene Gesamtausgabe mit schmuckem Leinenrücken.

Die zweite Gesamtausgabe enthält die Bände 4 (dt. „Das irdische Paradies“) und 5 (dt. „Jerusalem in Afrika“), womit dann alle aktuellen Bände der fortlaufenden Serie vorliegen. Allgemein handelt die Serie von der titelgebenden sprechenden und philosophierenden Katze, die einem Rabbiner gehört, und die zu Beginn des 20. Jahrhunderts Abenteuer an der Seite verschiedener und wechselnder Protagonisten erfährt. In „Das irdische Paradies“ begleitet die Katze eine gealterte Legende mit einem Löwen in Afrika. In „Jerusalem in Afrika“ macht sich die Katze mit einer illustren Truppe auf, um in Äthiopien das jüdische Utopia zu suchen.

Le Chat du Rabbin zeichnet sich durch Fabulierfreude aus: Sfar schweift thematisch gerne mal ab oder führt den Leser auf’s Glatteis (Achtung: jetzt wird’s wirr!), indem eine erzählte fiktive Geschichte in der Geschichte zunächst als normale Handlung erkennbar ist und erst nach Ausgang als erzählte Geschichte erkennbar wird (und? Alles verstanden?). Der Autor schafft außerdem phänomenal, nebenher und beiläufig jüdische Themen zu vermitteln: in Verkleidung der Satire und des Abenteuers.

Die leichtfüßigen und farbenfrohen Zeichnungen (die Kolorierung stammt von Brigitte Fidalky) enthalten genug Details für die historische Kulisse, nehmen sich sonst aber viele grafische Freiheiten. So führt Sfar einen krakeligen Strich, der eine sympathische Grundstimmung erzeugt. Selbst wenn keine Pointe oder kein schlagfertiger Dialog vorkommt, hat man beim Lesen deshalb immer ein Lächeln auf den Lippen. Beim Verlag gibt es eine Leseprobe.

Fazit

Auch der zweite Sammelband von Le Chat du Rabbin kann die Qualität der vorangegangenen Episoden halten. Es macht einfach Spaß in den Kosmos aus jüdischer Kultur/jüdischem Humor, schräger und kautziger Charakteren und nicht zuletzt der philosophierenden Katze einzutauchen. Klassiker und Pflichtlektüre!

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