Zuletzt gelesen #026: „Scene of the Crime“ von Ed Brubaker

Nachdem ich 2014 in San Francisco war, habe ich Scene of the Crime bei der zweiten Lektüre mit ganz anderen Augen gelesen. Natürlich ist Frisco als Crime-Setting ohnehin aus den Filmklassikern Vertigo von Alfred Hitchcock oder Chinatown von Roman Polanski bekannt. Aber wenn man selbst dort war, ist es halt nochmal was anderes.

Die Miniserie stammt aus der Feder von Ed Brubaker und markiert seinen Durchburch Ende der 1990er Jahre. Danach folgten seine vielfach ausgezeichneten Mainstream-Meisterwerke (der Daredevil-Run und seine Gotham Central-Miniserie), die letztlich wiederum zu den creator-owned Serien (wie Sleeper oder Criminal) führten.

Gemeinsam mit seinen Lieblingszeichnern Michael Lark (Daredevil, Gotham Central und Captain America) und Sean Philips (Sleeper, Criminal, Fatale und The Fade Out) überträgt Brubaker den klassischen Noir-Thriller von Dashiell Hammett und Raymond Chandler in den Comic und die Gegenwart. Ein Privatdetektiv erhält den Auftrag die Schwester einer jungen Frau zu finden. Ab dann nimmt alles seinen typischen Gang inklusive Sogwirkung.

Das Besondere an Scene of the Crime ist zunächst die Noir-Erzählweise: Brubaker (der bis dato noch keine vergleichbar lange Miniserie realisierte) nutzt viel und einen nüchternen Erzähltext, der die Gedankenwelt des Protagonisten widergibt. Die Dialoge sind üppig (Brubaker findet zu üppig, er selbst würde das heute nicht mehr so machen, wie er im Bonusmaterial verrät) und zeitgemäß.

Inhaltich präsentiert Brubaker einen ambivalten Charakter mit Vergangenheit, die ihn in verschiedenen Formen einholt (ein typisches Brubaker-Element, dass er fortan als festen Bestandteil seines narrativen Arsenals nutzt). Die Figuren sind Ambivalent, das Setting und die Handlung sehr realistisch. Es gibt kaum Actionszenen, aber durchaus Gewaltdarstellungen. Insgesamt wirkt die Story noch sehr klar und klassisch wie eine Art Brubaker-Light. Dennoch fesselt die Geschichte und die Figuren sind interessant.

Die Zeichnungen von Lark sind realistisch-stilisiert, die Einstellung wirken sehr filmisch, wobei Lark hier noch nicht auf dem Höhepunkt seines Könnens ist. Die Tusche von Philips sorgt dank des großzügigen Einsatzes von Schwarz für harte Kontraste und die perfekte Stimmung. Im Bonusmaterial sehen wir, dass die Bilder in Schwarzweiß vielleicht sogar die bessere Wahl gewesen wären. Trotzdem schöne Illustrationen, die sehr europäisch wirken und durchschnittliche US-Publikationen immer noch in den Schatten stellen.

Fazit

Scene of the Crime hat den Stein ins Rollen gebracht und ist eine herausragende Crime-Miniserie, die als abgeschlossene Hardcover-Ausgabe (mit Bonusmaterial) von Image Comics neu aufgelegt wurde. Noch nicht so düster und fatal wie die späteren Brubaker-Arbeiten, auf alle Fälle klarer und realistischer. Ein Muss für Crime-Fans!

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