Zuletzt gelesen #004: Warum ist „Black Widow“ ein stilsicherer Spionage-Thriller?

Zuletzt hatte ich doch einige Marvel-Serien gelesen. Der Verlag hat sich seit dem Neustart (Marvel Now!) erneuert. Eine Innovation daraus waren Serien wie The Superior Soes of Spider-Man, die ihren Fokus mehr auf Charaktere legen, oder Serien, die visuell neue Pfade betreten wie Elektra. Nun habe ich mit Black Widow noch eine Serie begonnen. Bisher sind zwei Trades erschienen und da mich die Ästhetik sofort angesprochen hatte, habe ich im Laden meines Vertrauens gleich beide bestellt.

Die Story stammt von Nathan Edmonson (noch nie gehört) und nimmt im ersten Trade plottechnisch gleich volle Fahrt auf, jedoch noch ohne durchschlagend zu überzeugen. Wir erleben Natasha Romanova als Geheimagentin im Feld, die (buchstäblich, also als Freelancer) auf eigene Rechnung oder im Auftrag von S.H.I.E.L.D. spioniert und Zielpersonen befreit oder tötet, wobei sie auf befreundete Helden (Daredevil, Punisher, Winter Soldier) trifft. Hier werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die Marvel-Redakteure nicht allein auf den Charakter verlassen wollten, was unnötig ist, aber andererseits sind Team-Ups und Cameos ja auch nicht ungewöhnlich für Superheldencomics. Plottechnisch spannend wird es dann im zweiten Trade, weil die Herausforderungen interessanter und gefährlicher für Natalia werden.

Ähnlich wie bei Elektra werden die Actionsequenzen durch eine Grundfrage strukturiert: Wer bin ich? Die Identitätsfrage wächst zwar nicht zur Identitätskrise aus, aber Zweifel über das Widow’sche Einzelgängertum macht sich hier und da breit. Während Elektra ihre Identität aus der Vergangenheit (narrativ durch Erinnerungen) bezieht, baut sich die Identität der Ex-KGB-Agentin eher aus der Gegenwart zusammen: heimatlos bzw. überall beheimatet, findet sie sich überall zurecht, aber ist nirgends zuhause. Nur wenige Konstanten (wie ihre Katze oder ihr Anwalt) stützen ihren ungewöhnlichen Lebensrhythmus.

Vollkommen überzeugend sind dagegen die Illustrationen von Phil Noto. Es gibt keine Tusche, sondern „nur“ kolorierte Bleistiftzeichnungen, wodurch die Ästhetik sehr plastich wirkt. Die lichtdurchfluteten, bunten Farben wirken stilistisch sehr frisch und verleihen der Serie einen ganz individuellen Look (hoffentlich lassen die nicht andere Illustratoren ran). Weniger Hochglanz wie gewohnt und sehr übersichtlich gestaltet, gefällt das Artwork auf Anhieb ohne mit der Zeit etwas davon einzubüßen.

Fazit

Black Widow ist eine stilsichere Marvel-Serie, die mit der Zeit auch inhaltlich interessanter wird. Im Espionage-Thriller-Bereich kommt Black Widow nicht an Ales Kots Zero (derzeit das beste in dem Genre) heran, muss sich aber nicht vor Ed Brubakers Velvet verstecken. Ich werde die Serie (ähnlich wie Elektra) erstmal weiterlesen und abwarten, ob sie sich weiter steigert.

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4 Kommentare

  1. stiefelniels · März 26, 2015

    Bin als vollkommener Comic-Noob vor kurzem auf den ersten Band der Hawkeye-Reihe gestoßen. Hatte mich optisch irgendwie angesprochen. Schade, dass du da keinen Einblick geben kannst. 🙂
    Aber du hattest mir vor kurzem mehr als genug Lesetipps gegeben, da wollte ich langsam auch mal angreifen.

    Gefällt 1 Person

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