Zuletzt gelesen #002: „Conan“ von Brian Wood

Wer Brian Wood noch nicht kennt: er ist ein talentierter US-Comicautor, der sich vor allem durch Independent-Arbeiten für Dark Horse, Vertigo und Image Comics einen Namen gemacht hat. Er versteht es, klassische Genres neu zu interpretieren und durch seine prosaisch-episodenhaften Erzählweise zu brandmarken. Nachdem ich schon seinen stilprägenden Near-Future-Thriller Channel Zero (mit Becky Cloonan), seinen wegweisenden Coming-Of-Age-Road-Trip Local (mit Ryan Kelly), seine Wikingerserie Northlanders (u.a. Ryan Kelly, Becky Cloonan und Fiona Staples) und seine Superhelden-Volleyball-Dystopie Mara (mit Ming Doyle). Als sein zentrales Opus Magnum wird in der Regel die ausufernde Near-Future-Thriller-Serie DMZ (u.a. mit Andrea Mutti und David Lapham) genannt, mich schreckt dabei aber allein schon die schiere Länge ab (12 Trades). Daher habe ich mich auf den überschaubaren Conan-Run gestürzt, der in gerade mal vier Trades vorliegt und im Original bei Dark Horse erschienen ist.

Zentral geht der Conan -Run um Geschlechtsbilder: Die (veränderte) Rolle von Mann und (beziehungsweise zur emanzipierten) Frau. Bêlit und Conan sind ein Liebespaar wie Bonny&Clyde erleben durch ihre Abenteuer etliche Zerreißproben. In Zeiten, wo Scheidungen fast schon zum Normalfall gehören oder feste Bindungen zu Karrierehindernissen werden überprüft Wood auf höchst unterhaltsame Weise, wie Liebe unter widrigen Umständen bestehen kann. Conan akzeptiert selbstverständlich eine zur Göttin stilisierte, unabhängige Frau und diese wiederum akzepitert bedingungslos den ihr kulturell fremden Mann.

Daneben muss festgehalten werden, dass Wood einen textlastigen Erzählstil pflegt mit prosaischem Erzähltext und deftigen Dialogen. Woods typische episodenhafte Erzählweise (wie in der noch laufenden Dark Horse-Serie The Massive oder am stärksten in der 7-bändigen Vertigo-Serie Northlanders) kommt dabei allen zugute, die keinen Bock haben, die komplette bzw. ausufernde Conan-Serie zu lesen. Wood beginnt einfach aus dem Nichts heraus und schildert in vier Trades seine Interpretation des Wilden.

Die Zeichnungen sind weniger formvollendete Hochglanz-Optik und schwanken stark. Woods Conan zählt deshalb sicherlich nicht zu den am besten gezeichnetsten Serien, aber sie visualisieren das Raue der Story sehr gut – also eher Rock als Pop. Immerhin die Farben stammen von Dave Stewart, die Stimmung auf hoher See oder im Kampfgetümmel an Land gut einfängt. Ansonsten stammen die Zeichnungen u.a. von Paul Azaceta, den ich hier ja schon für Outcast gelobt hatte, und Becky Cloonan.

Zu den einzelnen Bänden: Ich würde sagen, dass der erste Band (Conan 13: „Quenn of the Black Coast“) der beste ist. Der zweite Trade (Conan 14: The Death) ist auch noch okay (aber schon merklich schwächer), wohingegen der dritte (Conan 15: The Nightmare of the Shallows) getrost ausgelassen werden kann (hier wiederholt sich Wood und verläuft sich im Nirgendwo). Der Abschlussband (Conan 16: Song of Bêlit) schlägt dann wieder versöhnlich den Bogen zum ersten Band. Also im Prinzip reichen der Auftakt- und der Schlussband, wer nicht genug bekommt, kann ja dann immer noch die anderen Bände holen. Auf Deutsch ist der Run unter dem Titel Conan – Der Barbar bei Panini Comics erschienen.

Fazit

Woods Conan-Run zeigt vordergründig gewohnte und deshalb kurzweilige Savage-Adventure-Kost, die qualitativ schwankend, aber ausdrucksstark illustriert wurde. Macht Spaß und setzt keinerlei Vorkenntnisse der laufenden Serie voraus, ist aber nur Wood-Komplettisten in seiner Gänze ans Herz gelegt, sonst lieber selektiv die Bände auswählen. Ansonsten zählt Conan sicherlich nicht zum Besten, was Wood gemacht hat. Neueinsteigern würde ich den One Shot Mara (Image) oder die Serie Northlanders (Vertigo) empfehlen.

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