Die 5 besten (Anti-)Utopien des Comics

Wie kann sich der Mensch verbessern? Wie kann die Gesellschaft gerechter werden? Diese Fragen beantworten (literarische) Utopien seit Thomas MorusUtopia (1516) mit idealen Staatswesen bzw. Gesellschaftsformen, die sich auf hermetisch abgeriegelte Regionen (oft Inseln, auch Staaten und später Planeten). Zuvor gab es bereits philosophische Texte in der griechischen Antike, doch die eigentliche Blütezeit des Staatsromans markiert Morus generischen Klassiker.

Im 20. Jahrhundert etablierte sich als Folge und Kritik an der fortschreitenden Industrialisierung und Rationalisierung die Anti-Utopie, also der Entwurf von Negativstaaten bzw. negativen Gesellschaftsformen, die u.a. mit George Orwells Nineteen Eighty-Four (1949) ihren Höhepunkt erreichte. Erst mit Ernest Callenbachs ökologischer Utopie Ecotopia (1975) gab auch wieder ideale Gesellschaftsformen innherhalb der Literaturgeschichte.

Übrigens gibt es mannigfaltige Mischformen, vor allem in Verbindung mit Science-Fiction-Subgenres wie Space Operas, Near-Future-Thriller, Cyber Punk oder Postapokalypsen. Allzu oft werden negative Science-Fiction-Szenarien als Dystopien bezeichnet, obwohl sie keine umfassenden Gesellschaftsentwürfe enthalten, sondern lediglich vereinzelte negative Aspekte aufgreifen.

Vor diesem (viel zu kurz skizzierten) Hintergrund sind die gleich aufgezeigten Comics zu betrachten, die sich allesamt mehr oder weniger auf die klassischen Texte beziehen bzw. deren Ideen aufgreifen.

La ville qui n’existait pas (1977) von Pierre Christin und Enki Bilal

Der utopische Entwurf bezieht sich nur auf eine Stadt, die unter einer Glaskuppel zum sozialen Arbeiterparadies werden soll. Parabelhaft und kunstvoll illustriert!

V for Vendetta (1982-89) von Alan Moore und David Lloyd

Moore hat mit dieser Miniserie eine polyphone Dystopie geschaffen, die als (pop)kulturell-literarische Amalgam-Hommage vor allem an Orwell, Aldous Huxley, Ray Bradbury, Judge Dredd, Vincent Price, David Bowie, Beethoven, Thomas Pynchon und Robin Hood verstanden werden muss. Schicht und ergreifend ein Meisterwerk (sowohl des Comics und als auch der Anti-Utopie) und weit besser als seine Filmadaption!

Tipp: Ich schwör‘ auf die schwarzweiße Edition, die auf Deutsch bei Speed erschienen ist. Sonst les‘ auch lieber auf Englisch/ im Original, aber der Text ist sehr anspruchsvoll (teilweise Passagen im Shakespeare-Englisch).

S.O.S. Bonheur (1984-86) von Jean van Hamme und Griffo

Hier überwacht das kommunistische Staatswesen das Glück der Menschen bis zum geplanten Urlaub. Van Hamme konzentriert sich auf das Alltagsleben der Bürger und liefert dadurch unnachahmliche dramatische Schlaglichter. Realistisch und (im besten Sinne) zurückhaltend-spröd illiustriert!

Ursprünglich in drei Bänden veröffentlich, gibt es beim schreiber&leser-Imprint Alles Gute! eine schöne Gesamtausgabe.

La guerre éternelle (1988-89) von Joe Haldeman und Marvano

Comicadaption des dystopischen Anti-Kriegsromans von Haldeman. Inhaltlich beginnt die Miniserie als Space-Opera und endet als Dystopie. Es geht um die Desillusionierung durch Krieg und die Entfremdung bei der sich veränderten Gesellschaft in der Heimat. Erzählerisch verwendet Marvano in La guerre éternelle an Frank Miller angelehnte Fernsehnachrichtensequenzen. Absoluter Klassiker!

Ähnlich wie S.O.S. Bonheur ursprünglich in drei Bänden erschienen und zuletzt als gebundene Gesamtausgabe von Carlsen veröffentlicht worden

Fahrenheit 451 (2010) von Ray Bradbury und Tim Hamilton

Diese Comicadaption vermischt stilistisch Art Déco mit Noir und hebt dadurch gewisse Aspekte des Romans hervor. Inhaltich sollte eh jeder die Geschichte von Bradbury kennen, der hierfür das Vorwort verfasst hat. Auch als Comic ein Klassiker!

Auf Deutsch bei Eichborn erschienen.

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