„Stereo“: Warum erinnert der Psycho-Thriller an „Drive“ und „Oldboy“?

Mit Stereo (2014) gab’s endlich mal wieder was Deutsches in meinem heimischen Kino. Der Cast ist mit Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu prominent besetzt. Der Regisseur Maximilian Erlenwein war für mich dagegen noch ein unbeschriebenes Blatt. Die Erwartung war mittelhoch. Und so war ich überrascht und hocherfreut ob dieser gelungen Mischung aus Drive (2011) und Oldboy (2003). Inhaltlich geht es um Erik (ein überzeugender Jürgen Vogel, wie wir ihn aus Der freie Wille kennen!), der sich eine neue Existenz aufbauen will, aber von seiner Vergangenheit eingeholt wird.

Aus Drive (und aus der Pusher-Trilogie bzw. von Nicolas Winding Refn allgemein) hat sich Erlenwein das Stilisierende, den einsamen Anti-Helden auf dem Motorad und dem rechten Pfad, die dichte und knisternde Atmosphäre, ausbrechende Gewalt, die elektronische Filmmusik (mit Moderat!!!) und die patriarchaisch-bodensätzige Mafia-Unterwelt übernommen.

Aus Oldboy stammen vor allem der inhaltliche Komponenten: Rache-Motiv, innere Zerrissenheit zwischen Moral und Trieb, ausbrechende Gewalt. In einer Szene verneigt sich Erlenwein explizit vor Park Chan-wook, aber ich will hier nicht spoilern (diejenigen, die Stereo und Oldboy kennen, können die besagte Szene ja kommentieren).

Es gibt noch mehr Filmzitate: so wird auch Stanley Kubricks Filmadaption A Clockwork Orange (1971) in einer Traumsequenz zitiert.

Erwähnenswert ist auch der Schnitt, der der Narration in einzelnen Sequenzen Abwechslung beschert: Durch schnelle Cuts von Nahaufnahmen auf Details durchbricht Erlenwein seine Erzählweise und lässt Andeutungen für sich sprechen. Hätte er gerne noch öfter einsetzen dürfen. Ansonsten ist mir auch das Licht aufgefallen: in den Nachtszenen sorgen beispielsweise Flutlichter auf einem Feld für eine entrückte Stimmung.

Fazit

Stereo ist ein spannender, kompakter, stimmungsvoller, stilisierter, überdurchschnittlicher Psycho-Thriller (made in Germany)! Mich hat es jetzt jedenfalls neugierig auf Erlenweins Debütfilm Schwerkraft (2009) gemacht.

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4 Kommentare

  1. bullion · Februar 24, 2015

    Auch ich habe den Film erst neulich gesehen und fand ihn auch wirklich gut. Die Vergleiche, die du nennst machen absolut Sinn und manchmal hätte ich mir fast schon ein wenig mehr Eigenständigkeit gewünscht. Dennoch absolut sehenswert.

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    • z-wie-klugscheisser · Februar 24, 2015

      Ja, die Referenzen werden ein wenig zum Selbstzweck. Die Parallele zu „Auf History of Violence“ hab ich noch vergessen. Deshalb bin ich auch neugierig auf „Schwerkraft“.

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  2. zirkusmanege · Februar 25, 2015

    Besser gut kopiert, als eine schlechte eigene Idee umsetzen. Setze den Film auf meine Watch-List.

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    • z-wie-klugscheisser · Februar 25, 2015

      Gute Sache, es ist ja auch nicht so, dass Erlenwein gar nichts eigenes gemacht hätte, aber die Parallelen sind unübersehbar. Bin gespannt auf deine Meinung!

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