Die Comics von Darren Aronofsky

Viele wissen vielleicht gar nicht: Darren Aronofsky ist auch Comicautor. Und es handelt sich dabei nicht um müde 1:1-Versionen zu seinen Filmen oder uninteressanten Prequels (wie etwas bei Inception oder Django Unchained). Vielmehr handelt es sich um Director’s Cut-Versionen, die tiefer als die jeweiligen Filme gehen.

The Fountain – Director’s Cut (2005)

Der Film gilt gemeinhin als der schwächste Aronofsky – und da würde ich gar nicht widersprechen. Meiner Meinung nach ist es aber immer noch ein sehr guter Hollywood-Film, der den ganzen Durchschnitt locker in die Tasche steckt. Die Graphic Novel ist vom Prinzip her genauso wie der Film aufgebaut, aber manche Aspekte werden genauer resp. anders ausgelegt, wodurch die Intention Arronofskys klarer und stärker hervortritt. Für alle, die den Film nicht gesehen haben: Es gibt drei Erzähl- und Zeitebenen (Vergangenheit während der Reconquista – Gegenwart – phantastische Zukunftswelt), die in abwechselnder Folge inszeniert werden. Protagonisten sind in allen drei Ebenen ein Liebespaar.

Das Besondere (und ein weiterer Vorteil gegenüber dem Film) ist die grafische Gestatlung durch den Maler und Comiczeichner Kent Williams (einer meiner Lieblingszeichner!!!! Den muss ich euch ürgendwann auch noch genauer vorstellen). Williams hat einen skizzenhaften und ausdrucksstarken Strich mit schwacher Konturierung. Seine Figuren erinnern stark an den Künstler Egon Schiele. Williams‘ Farben sind zum Teil antinaturalistisch und wechselhaft, wodurch ihm eine entrückte Atmosphäre gelingt. Seine eklektizistische Gesamtästhetik setzt sich vor allem aus Expressionismus, Abstraktion und der Wiener Secession zusammen – so verwendet der Maler auch einzele grafische Elemente, die an Gustav Klimt angelehnt sind: ornamentale Kolorierung. Es gibt nur sehr wenige derart künstlerisch versierte Comickünstler wie Williams – Georg Pratt und Jon J. Muth sind zwei weitere Comic-Maler-Beispiele (mit letzterem hat Williams schon zusammengearbeitet, doch dazu wann anders mehr).

The Fountain ist im Original als Hardcover mit Schutzumschlag bei Vertigo und auf Deutsch bei Panini Comics erschienen.

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Alle auf einen ist gemein.

Noé (2012-2014)

Noé (dt. Noah) ist die Comicvorlage (die Comic-Tetralogie entstand vor dem Drehbuch.) zum kommerziellsten Film Aronofskys: Noah. Es handelt sich um eine freie und phantastisch interpretierte Adaption der entsprechenden Bibelgeschichte – oder anders ausgedrückt: Aronofsky hat aus dem Bibelstoff einen dramatischen Fantasy-Blockbuster gemacht. Da der Regisseur hier mit franko-belgischen Zeichnern zusammengearbeitet hat und die Serie von einem frankobelgischen Markt erstveröffentlicht wurde, hat sie (für Filmfans) verwirrenderweise einen französischen Originaltitel.

Inhaltlich gilt hier dasselbe wie für The Fountain: Die Storyline ist diesselbe wie im Film, aber einzelne Handlungsstränge und Aspekte werden hier variiert oder ausführlicher behandelt, dafür ist der Film unmittelbarer und visuell eindrucksvoller. Bei der Inszenierung stand dem Filmemacher Ari Handel zur Seite. Gezeichnet hat die Tetraolgie Niko Henrichon, der einen typisch franko-belgischen Strich führt und stimmungsvolle, dem phantastischen Stoff entsprechenden Farben. Noé ist visuell nicht so künstlerisch wie The Fountain, aber macnhe mögen ja eh lieber Mainstream .

Noé ist im Original bei Le Lombard und auf Deutsch in vier gebundenen Alben in der Egmont Comic Collection erschienen.

Was haltet ihr davon? Habt ihr die Filme gesehen? Was haltet ihr von Director’s Cut-Varianten im Comicformat?

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4 Kommentare

  1. Wortman · März 17, 2015

    Elemente, die an Klimt erinnern, das klingt schon mal gut 🙂 Hier hängen mehrere Klimt an den Wänden…
    Fountain ist aber immer noch um längen besser als sein Noah… Da hat es mir ja (als Ungläubiger) schon beim Anblick des Trailers gegraust.

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    • z-wie-klugscheisser · März 17, 2015

      Ja, „Noah“ ist zweifelsohne der schwächste Aronofsky, weil kommerziellste bzw. Blockbuster. Dennoch hat mir auch „Noah“ gefallen und Spaß gemacht, aber er kann den anderen Arbeiten nicht das Wasser reichen – deshalb von mir nur 4/5.

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      • Wortman · März 17, 2015

        Deswegen ist Geschmack unterschiedlich 😉 Sonst hätte man nichts zu reden…
        Mich reizt Noah auch nicht im Geringsten.

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  2. Pingback: Zuletzt gelesen #014: “Trillium” von Jeff Lemire | z-wie-klugscheisser

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