Was kann Spencers Schurken-Persiflage „The Superior Foes of Spider-Man“?

Das Cover The Superior Foes of Spider-Man (2013-2014) hat mich gleich angelacht: Offensichtlich strahlen dem Betrachter nicht ernstzunehmene Schurken aus dem Marvel-Universum entgegen. Was fehlt sind die sonst so bierernsten, finsteren Gesichtsausdrücke, die man mit den Marvel-Superschurken verbindet. Nick Spencer (ich kannte ihn bisher nur aus seinem Secret Avengers-Run und der war eher ernsthafter Natur) hat mit seiner Interpretation der Sinister Six eine erfrischende Schurken-Persiflage geschafft, die in drei Trades abgeschlossen vorliegt.

Inhaltlich zusammengefasst geht es um die fünf Mitglieder (Boomerang, Shocker, Lady Beetle, Speed Demon, Overdrive) der Sinister Six (hört sich nur besser an), die mehr schlechte als rechte Bösewichte abgeben. Nichts klappt, wie es soll, der Anführer ist unzuverlässig und belügt sein Team (und sein Date). Der Weg zu Ruhm und Reichtum scheint (wie immer) versperrt zu sein. Doch dann winkt der ganz große Coup.

Spencer erzählt die aberwitzige Story aus der Egoperspektive des Anführers (Boomerang) und verwendet hierfür viel Erzähltext, so dass jegliche Form von actiongeladener Erzähldynamik ohnehin unmöglich wird. Im Fokus stehen definitiv die Charakter und der (damit einhergehende) absurde Humor. Typisch für eine Persiflage handelt es sich dabei um einen unzuverlässigen Erzähler, wodurch der Leser nicht nur auf’s Glatteis geführt wird, sondern auch der ein oder andere Gag zustandekommt.

Darüber hinaus sprudelt Spencer vor Einfällen was Situationskomik angeht, wofür er comicsprachlich auf innovative Ansätze zurückgreift: Beispielsweise sehen wir als Leser ein Gebäude im Querschnitt, wodurch die wartenden Hindernisse und Gegner offensichtlich sind: völlig absurde Monster und an Video-Games erinnernde Fallstricke scheinen nur auf den Besuch der Sinister Six zu warten.

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Wie wird der Hai gefüttert? Und wer schärft die Messer?

Außerdem entsteht Spencers Humor auch durch in Gedankenblasen reduziert gezeichneten Szenen oder Symbolen (was nicht wirklich neu ist, wenn man an Semi-Funnies wie Asterix denkt, aber im Superheldenschurken-Kontext sehr erfrischend daherkommt), die beispielsweise die wahren Absichten Boomerangs preisgeben oder schlichtweg abwechslungsreich und ohne viel Worte erzählerisch interessant sind.

Durch zahllose popkulturelle Querverweise in den Dialogen ergeben sich viele schlagfertige Dialoge, die man allerdings auch nur dann wirklich versteht, wenn man die Referen bereits kennt. Manchmal schießt Spencer auch über das Ziel hinaus und der Humor gerät ihm stellenweise etwas albern, aber das ist insgesamt betrachtet nur wenig Wasser im Wein.

Gezeichnet hat das Ganze Steve Lieber. Sein Strich passt perfekt zur ironischen Story Spencers. Vor allem die reduzierten Gedankenblasenszenen sind einfach wie herrlich amüsant illustriert. Auch alles Übertriebene gelingt ihm sehr gut. Was er definitiv nicht kann, sind hyperrealistische Figuren.

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Auf dem Krankenbett das Herz ausschütten.

Fazit

Insgesamt variiert der Grad an Humor und Fabulierfreude leicht, und teilweise wiederholt sich Spencer. Dennoch macht die Serie ungeheuer Spaß und vor allem beim dritten und letzten Trade gibt’s einige Schenkelklopfer (versprochen!). Es ist sicherlich von Vorteil wenn man die New Yorker Gangsterbosse aus dem Marvel-Universum (konkret aus Daredevil und Spider-Man) kennt, aber auch so dürfte man gut klarkommen. Ansonsten benötigt man keinerlei Vorkenntnisse aus irgendwelchen Serien. The Superior Foes of Spider-Man reißt einen zwar nicht (ständig) vom Hocker, aber bietet überdurchschnittlichen und für Marvel stark charakterbezogenen Lesepass!

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