Warum beeindruckt das Coming-Of-Age-Drama „Doomboy“?

Wer bei Doomboy (2012) an den Marvel-Bösewicht Dr. Doom denkt, liegt völlig daneben: in der Graphic Novel des mexikanischen Comickünstlers und Wahlberliners Tony Sandoval geht es nicht um Superschurken, sondern um Doom-Metal. Genauer um den Jugendlichen „D“, dessen Freundin gestorben ist und der am liebsten Doom-Metal-Frontmann werden will. Doch er macht sich durch sein aufbrausendes Temperament sogar bei Szeneanhängern unbeliebt.

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Nichts gegen eine saftige Prügelelei.

Sandoval entfaltet sein Coming-Of-Age-Drama mit viel Gefühl und einer prise Gewalt. Eine große Stärke des Bandes ist die scharfe Charakter- und Milieustudie: wir tauchen unvermittelt in die Doom-Metal-Szene ein und sehen langhaarige Teenager (die selbst nichts sehen, weil die Haare zu lang sind) und deren obsessive Leidenschaft für eine musikalische Randsparte. Daneben entwickelt sich ein Drama um „D“ und wir lernen den Protagonisten in einer beeindruckenden Komplexität kennen.

Auch in grafischer Hinsicht besticht Doomboy. Sandoval pflegt einen völlig individuellen, präzisen wie gefühlvollen Strich: überdimensionierte Köpfe ruhen (physikalisch völlig untragbar) oft auf spargeldürren Körpern. Dazu kommen surreale und synästhetische Motive: Sandoval visualisiert Doom-Metal in einzelnen Passagen durch phantastisch bis martialisch anmutende Figuren. Die Farben sind herrlich nuanciert, kunstvoll aquarelliert und fein aufgetragen. Deshalb verharrt der Blick des Lesers auch bei stummen und ganzseitigen Sequenzen länger an einem Panel.

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Alles festhalten: jetzt wird’s apokalyptisch.

Fazit

Für Doomboy muss man kein Musik- und schon gar nicht Doom-Metal-Fan sein. Sandoval entwirft ein völlig eigenes Universum, in das man eintaucht und nur schwer wieder herauskommt. Die Graphic Novel weiß grafisch und erzählerisch konstant zu beeindrucken und ist kaum mit irgenwelchen anderen Titeln vergleichbar. Das preisgekrönte Buch ist auf Englisch 2014 bei Magnetic Press (edel, im Querformat, in Halbleinen und mit Spotlack!) erschienen. Eine Perle für Entdecker!

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Ein Kommentar

  1. comic review (@comicreview_de) · Februar 7, 2015

    klingt sehr interessant

    Gefällt mir

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