Warum erinnert „7 Psychopaths“ von Sean Phillips an „Inglorious Basterds“?

Beim Titel 7 Psychopaths (2010) musste ich unweigerlich an Martin McDonaghs (höchst empfehlenswerten) Thriller-Satire Seven Psychopaths (2012) denken. Aber schon beim Durchblättern, wenn Hakenkreuze und der Führer erscheinen, wird schnell klar, dass es zumindest vom Setting her in eine ganz andere Richtung geht. 7 Psychopaths ist ein One-Shot, der auf Englisch bei Boom! Studios erschienen ist, aber ursprünglich auf Französisch bei Delcourt erstveröffentlicht wurde. Der britische Zeichner Sean Philipps (wer ihn nicht kennt: selbst schuld! The Fade Out) erzählt im Vorwort (mit Stolz geschwellter Brust) wie es dazu kam, dass er mit Fabien Vehlman zusammenarbeitete.

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Gut gebrüllt, Löwe!

Das ungewöhnliche Team-Up ist umso mehr verblüffend, als dass sich Vehlmann nur schwer einordnen lässt: ich hatte von ihm zuvor lediglich die morbide und phantastische Graphic Novel Jenseits (2009) gelesen, die in jeder Hinsicht außergewöhnlich war. Doch zum Szenario von 7 Psychopaths ist es dann noch einmal ein großer Sprung. Zunächst geht es um den Zweiten Weltkrieg (gähn) und Adolf Hitler (gääähhn). Doch das Interessante dabei ist, dass die Alliierten ein Team von sieben charakterlich fragwürdigen Männern und einer Frau zusammenstellen. Diese Sieben sind so durchgeknallt oder verkorkst wie Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet und sollen Hitler ermorden.

Obwohl ich inzwischen echt keine Weltkriegs-Szenarien mehr sehen kann, hat mich 7 Psychopaths überzeugt. Das liegt daran, dass das Rekrutieren der Teammitglieder mindestens soviel Spaß macht wie bei Steven Soderberghs Heist-Thriller Ocean’s Eleven (2001). Und stimmungsmäßig hat mich das Ganze angenehm an Quentin Tarantinos Krieg-Satire Inglorious Basterds (2009) erinnert.

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Schlecht gezielt.

Phillips zeigt sich von einer ungewöhnlichen Seite: Sein Strich wirkt hier angepasst an den franko-belgischen Markt. Die Zeichnungen sind weniger holzschnittartig, sondern filigraner und realistischer. Dennoch ist auch hier sein individueller Stil noch erkennbar – so bleibt er sich beim Abfeuern eine Waffe treu und stellt dies durch seine unverkennbare und mignola’eske stilisierte Feuerblume dar.

Fazit

Die Mischung aus franko-belgischer Autorenschaft und us-amerikanischer Illustrationskunst geht in 7 Psychopaths voll und ganz auf! Ja, es ist sogar schade, dass es endet und wir die Charaktere nicht mehr wieder sehen. Wer Krieg-Thriller-Satiren mag, für den ist Vehlman und Phillips Arbeit ein absolutes Muss.

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