Warum kann das Psychatrie-Drama „Elephant Song“ nicht ganz überzeugen?

Mit dem Mystery-Thriller Cruel & Unusual (2014) habe ich euch schon einmal einen kanadischen Film vom 41. Internationalen Filmfestival Würzburg vorgestellt. Das Drama Elephant Song (2014) von Charles Binamé kommt ebenfalls aus Kanada. Darin geht es um den Patienten Michael Aleen (Xavier Dolan), der Dr. Toby Green (Bruce Greenwood) über den Verbleib eines Kollegen aufklären soll.

Was zunächst so harmlos klingt, entpuppt sich schnell als gerissenes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem zunehmend der brilliante wie durchtriebene Michael die Oberhand zu haben scheint. Binamé nimmt sich viel Zeit um das illustre Hin-und-Her zwischen Patient und Psychiater zu inszenieren: Michael führt Dr. Green (und die Zuschauer) immer wieder auf’s Glatteis und sorgt für die eine oder andere Überraschung.

Zunächst gelingt es dem Regisseur auch gut, den Zuschauer bei der Stange zu halten, aber spätestens nach der Hälfte entgleitem ihm die (narrativen) Zügel. Die Charakterisierung von Michael wirkt abgenutzt: man kennt das Psychiater-Patient-Spiel ja schon aus Filmen wie K-Pax (2002 – sehr empfehlenswert mit Kevin Spacey und Jeff Bridges) beziehungsweise Michaels Charakterisierung hätte tiefergehen müssen. Ein Kindheitstrauma wird zwar angesprochen, aber das bleibt zu wenig.

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Wer hat die Nase vorn? Greenwood (rechts ) oder Dolan (links)?

Zugutehalten will ich dem Film, dass er eine einwandfreie handwerkliche Leistung abliefert: Die Kamera sorgt in Bezug auf die eingeschränkten Schauplätze dank variierenden Detail- und Nahaufnahmen für viel Abwechslung. Auch der narrative Rahmen (Green und Catherine Keener alias Peterson berichten jeweils ihre Erlebnisse in kurzen Einschüben) lockert die Geschichte immer wieder auf. Vor allem visuell setzt der Film spannende Akzente: das Tageslicht und Spiegelungen werden kunstvoll integriert und Schärfenverlagerungen und (bewusst) unscharfe Sequenzen gehören zu den ästhetischen Highlights. Die Kamera scheint sich zeitweise in die Falten und Hautporen einzugraben, so dass fast schon physische Nähe zu den Protagonisten entsteht. Was sie denken und fühlen muss der Zuschauer oft aber allein davon ableiten.

Fazit

Elephant Song ist ein handwerklich überdurchschnittlicher Film, der inhaltlich jedoch nicht über die Gesamtlänge überzeugt. Wer geistige Schlagabtausche und anspruchsvolle Dialoge mag, wird dem Drama sicherlich viel abgewinnen. Der Titel spielt im Übrigen auf ein französisches Kinderlied und ein Wortspiel an: Un élephant ca trompe.

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