Was ist gut an Luc Bessons „Lucy“?

Von Luc Besson erwarte ich mir schon lange nichts mehr. Nach Le grand bleu (1988), Nikita (1990), Léon (1994) und Le Cinquième Élément (1997) hat der französische Filmemacher auch gar nichts mehr gemacht, was mich hinterm Ofen vorgelockt hätte. Dann erschien 2014 mit Lucy mal wieder ein Science-Fiction-Blockbuster mit Scarlett Johansson in der Hauptrolle. Die Filmkritik hat den Film ja einhellig verrissen, die Zuschauer sind dennoch alle in die Kinos geströmt. Meine Erwartungshaltung war dementsprechend gering, dennoch war ich neugierig, zumal ich ein eingefleischter Sci-Fi-Liebhaber bin.

Besson liefert uns von Beginn an eine rasante Mischung aus Science-Fiction und Action, die durchaus fesselt (wenn man sich auf die Ungereimtheiten eingestimmt hat). Lucy lebt in Taiwan und liefert widerwillit einen Koffer für einen Freund bei einem Gangsterboss ab und rutscht dadurch unverhofft in ein Drogenexperiment hinein, nachdem ihr zum Schmuggel ein Drogenpaket in den Leib operiert wird. Das Paket platzt und die Leistungsfähigkeit ihres Gehirns steigert sich ins Übermenschliche, wodurch sie Superkräfte bekommt.

5

Intelligenz schützt nicht vor Gewalttätigkeit! Obwohl Lucy mehr Gehrinleistung als ein normaler Mensch abruft, greift sie zur Knarre, um Probleme zu lösen.

Ja, der Film ist stellenweise unlogisch und hauptsächlich unglaubwürdig, sehr kurz und endet abrupt. Ein weiteres Problem ist, das Johansson alias Lucy – zunächst als Opfer, dann als Vollstrecker in typischer Black-Widow-Manier (siehe Bild) – schnell die Oberhand gewinnt und dann keine ernsthafte Herausforderung mehr hat, dadurch geht wieder viel Spannung flöten.

Doch nun kommen wir zu dem, was mich überrascht hat: die Filmsprache! Besson verwendet unvermittelte, assoziative Einschübe, mitten in Dialogen oder laufenden Szenen. Es handelt sich um assoziative Naturbilder zum Thema Evolution, was zum inhaltlichen Schwerpunkt passt. Denn Morgan Freeman verkörpert mit Samuel Norman einen Wissenschaftler, der Experte in den Bereichen Evolution und Gehirn ist. Insofern kreiert Besson eine perfekte Einheit von Form und Inhalt, die diametral zum vorhanden Trash steht.

Fazit

Der Film ist storytechnisch tatsächlicher bockmist und kann die Spannungskurve nicht bis zuletzt halten. Dafür überrascht er durch seine frische Bildsprache. Mit geringer Erwartungshaltung, und einem Interesse für wissenschaftliche Gedankenspiele kann Lucy durchaus unterhalten. Letztlich ist der Stoff jedoch verschenkt und hätte in der Hand eines besseren Regisseurs bestimmt Kultstatus erreichen können. Normalerweise verlange ich ja immer kürzere Filme, aber hier wäre es eindeutig besser gewesen, den Film auszubauen.

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