Warum wird „Dallas Buyers Club“ überschätzt?

Von Jean-Marc Vallée kannte ich vor Dallas Buyers Club (2013) nur The Young Victoria (2009). Und das (Problem-)Thema Aids klingt auch nicht unbedingt verockend. Trotzdem. 3 Oscars und der ganze Hype um Matthew McConaughey (Interstellar und True Detective) ließen mich dann doch neugierig werden auf das Biopic über den Elektriker und Bullenreiter Ron Woodroof, der 1985 H.I.V. erkrankte.

Die erste Hälfte des Films ist noch richtig mitreißend. Vallée inszeniert mit stakkatohafter Schnittfolge, einer Kamera am Mann und brisanter Story den Kampf Woodroof gegen den von den Ärzten prognostizierten Tod durch Aids. Der abgemagerte McConaughey mimt in bester Christian-Method-Actor-Bale-Manier (siehe The Machinist, Rescue Dawn oder The Fighter – alles cinephile Perlen!) einen rebellischen und homophoben aidskranken Cowboy-Charmeur (siehe Bild), der sich selbst mit Medikamenten versorgt. Das alles ist überhaupt nicht beklemmend oder pathetisch, sondern wütend, trotzig und dynamisch. Das Biopic wird kurzzeitig zu einer Art Drogen-Crime-Drama.

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Wer kann bei diesem charmantem Hemd schon „nein“ sagen?

Doch die zweite Hälfte des Films franst dann aus und die Spannung verläuft sich. Das Problem ist, dass der Film zu formell bleibt. Der eben noch gelobte Cut-Rhythmus wird zur gebetsmühlenartigen Formel, um möglichst noch schnell alle Wegstationen des Woodroofs abzuklappern. Der Regisseur verpasst es, eine Identifikationsfläche zum Protagonisten aufzuauen. Es fehlt eine tiefergehende Charakterisierung, so dass der weitere Verlauf egal wird. Auch wurde ich während der Sichtung nie das Gefühl los, dass ein Bale der Suppe mehr Pfeffer verpasst hätte.

Lediglich Jared Leto (genial in Requiem for a Dream) weiß als Transvestit zu überzeugen und setzt hier und da ein paar Akzente. Auch Jennifer Garner bleibt in ihrer Rolle als Ärztin zu blaß und wird ohnehin erst in der zweiten Hälfte wichtiger.

Fazit

Positv war, dass die erste Hälfte des Films fesselt. Außerdem kommt das Drama unerwartet unpathetisch und handwerklich einwandfrei daher. Punktabzüge gibt’s aber dann in der zweiten Halbzeit, wo der brisante Stoff durch die Finger des Regisseurs rinnt. Hier gilt leider: In der Kürze liegt die Würze!

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