Warum ist Ales Kots „Change“ ein Klassiker der Satire?

Auf den One-Shot Change (2012-2013) hatte ich mich schon richtig gefreut. Nachdem mir Ales Kot schon in der aktuellen Secret Avengers-Serie (2014/ongoing) aufgefallen war, stürzte ich mich sogleich auf sein Image-Projekt Zero (2013/ongoing). Beides empfehlenswerte Serien, vor allem Zero, bei der er mit wechselnden Zeichnern zusammenarbeitet. Bei der abgedrehten und postmodernen Science-Fiction-Satire Change hat der Autor sich mit Sloane Leong, Morgan Jeske, and Ed Brisson (Lettering) zusammengetan.

Als allererstes muss ich sagen, dass sich Change sehr schwer in irgendwelche Kategorien packen (und. ich. liebe. Genreeinordnungen.) oder mit anderen Werken vergleichen lässt (das wird auch sehr gerne gemacht, um einen Titel besser einschätzen zu können). Am einfachsten lässt sich Change als absurde Science-Fiction-Satire beschreiben.

Ja. Es gibt so etwas wie eine Story. Die dreht sich um einen Rapper, der einen Blockbuster drehen will und deshalb mit der Drehbuchautorin diskutiert. Ein zweiter Handlungssrang ist ein Paar, das sich kennenlernt, wobei die Frau schizophren ist. Daneben gibt es eine groteske Alien-Invasion, die den Rapper zu manipulieren scheint. Doch die Story ist alles andere als straight oder logisch: ohne Vorwarnung werden Protagonisten angegriffen oder unvermittelte Erzählsprünge gemacht.

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Normalerweise heißt es Ohrenbluten beim Telefonieren.

Die Reize an Change sind neben der experimentellen Erzählform und der abgedrehten Story das innovative Artwork. Jeske hat einen dynamischen und expressiven Strich mit einer wuchtigen Stärke für groteske und surreale Motive einerseits und einer lässigen Souveränität für leicht stilisierte Figuren andererseits. Unschlagbar und das Sahnehäubchen sind dazu die antinaturalistischen Farben von Leong, die uns Leser stimmungsmäßig aufsaugen und in die bizarre Welt Kots katapultieren.

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Beim Date kein Glück gehabt?

Literarische Vorbilder könnten der experimentelle Beat-Generation-Autor William S. Burroughs (vielleicht hab ihr schon mal was von Naked Lunch von 1959 gehört) und Vertreter des absurden Theaters wie Samuel Beckett (Murphy) gewesen sein. Für letzteres spricht, dass Kot selbst den existentialistischen Schriftsteller Albert Camus‘ Der Mythos des Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde (1942) in Change rezitiert. Und für erstes sprechen Burroughs typische Alien-Paranoia-Agenten-Drogen-Satiren. Beim Namedropping im Web bin ich auch auf den experimentellen Kultregisseur David Lynch (Lost Highway von 1996) gestoßen, aber ich finde das unpassend: nur weil etwas unlogisch, verstörrend und  surreal ist, muss nicht gleich immer Lynch als Referenz herangezogen werden.

Fazit

Einem Drogentrip gleich mäandern wir als Leser in Change zwischen abgedrehtem Alienwahn, psychotischem Beziehungsdrama und stilisiertem Hollywood-Insight durch Kots stürmische Groteske. Eines ist dabei sicher: nichts ist sicher, alles ändert sich. Doch Nonsense liefert Kot auch nicht, am Ende gibt es schon eine Message!

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