Warum gefällt Terry Moores „Rachel Rising“ auch einem Zombie-Hasser?

Ich bin ja sowas von überhaupt kein Horror-Leser. Aber bei Zombies krieg‘ ich für gewöhnlich so richtig die Krise. Weiß nicht warum, aber ich die debilen Halbtoten (gähhhhhhn) einfach nicht ab. Meistens ist es ja auch eher Ramsch, was im Horror-Bereich ausgestoßen wird, aber die eine oder andere Perle entgeht einem dann natürlich, doch das nehme ich gern in Kauf.

Im Fall von Rachel Rising (2012/ongoing), die Terry Moore in Eigenregie bei seinem Verlag Abstract Studio selbst macht und veröffentlicht, musste ich schon ein bisschen über meinen Schatten springen. Aber nachdem mir seine Science-Fiction-Serie Echo (sehr empfehlenswert! unbedingt lesen! abgeschlossen in 5 Trades oder Gesamtausgabe, ebenfalls bei Abstract Studio erschienen) so gut gefallen hatte, wollte ich der neuen Serie zumindest eine Chance geben. Und es hat sich gelohnt!

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Der Autor hatte wahrscheinlich keine behütete Kindheit. Bei diesen morbiden Covermotiven.

Denn erstens handelt es sich bei Rachel Rising um rätselumwobener Mystery (also einer für mich akzeptablen Mischung aus Horror und Thriller) und nicht um schockerzielende Horror. Zweitens gibt’s ein faszinierendes Charakter-Ensemble. Drittens ist es einfach saumäßig spannend. Viertens verwendet Moore lebensnahe Dialoge und Charaktere. Fünftens erhält die Serie schnell einen Soap-Flair. Sechstens ist die Serie arschgeil gezeichnet und auf schwarzem Papier gedruckt, so dass eine düstere Atmosphäre vorherrscht. Und siebtens gibt es vor jedem Kapitel ein knackiges Zitat zum Thema Tod.

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Bei Catwoman wirkt das immer akrobatischer auf den Dächern.

Doch der Reihe nach. Moore entführt uns in das Städtchen Manson (ist es ein Zufall das der bekannte Kriminelle, der etliche Morde beauftragt hatte, Charles Manson heißt), das zum Dreh- und Angelpunkt der Serie wird, und das den Leser unweigerlich und mit staubsaugerstarken Sogkraft in den Bann zieht. Rachel erwacht und alle Zeichen sprechen dafür, dass sie tot war und jetzt wieder lebt. Doch Moore macht jetzt keine stereotype Zombieparade aus dem Ansatz, sondern einen geheimnisvollen Krimi mit einem ordentlichen Schuss morbider Phantastik und sympathischen Frauenfiguren. Comicsprachlich brilliert Moore durch eine filmische Erzählweise und einem faszinierendem Gespür für Einstellung und Rhythmus.

Bei ihm wirkt jedes Panel stilsicher wie übersichtlich. Die Serie ist (wie zuvor auch schon Echo) in Schwarzweiß gehalten mit ausgewogener Detailiertheit, starkem Kontrast, faszinierenden Schraffuren und einem unverkennbaren Strich mit teilweiseem Funny-Hauch. So entsteht eine gelungene Mischung aus Noir-Flair und realistischer Kulisse.

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Klassischer Fall von „gekonnt aneinander vorbeigeredet“.

Fazit

Bisher sind 5 Trades erschienen und mit jedem Band werden mehr Fragen beantwortet. Wer Spaß an rätselhaft-morbiden Szenarios und Soaps hat und klischeefreie Charaktere mag, wird seine Freude an Rachel Rising haben. Erzählerisch und grafisch einfach meisterlich!

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5 Kommentare

  1. comic review (@comicreview_de) · Januar 26, 2015

    Hast du auch schon „Strangers in Paradise“ gelesen? Ich mag Terry Moore auch sehr gern!

    Gefällt mir

  2. Pingback: Zuletzt gelesen #001: “Outcast” und “Das rote Dreieck” | z-wie-klugscheisser

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