Warum hat „A God somewhere“ (Vertigo) nichts mit religiöser Missionierung zu tun?

Beim Titel A God Somewhere springen bei mir viele Assoziationsketten an: Von religiösem Erleuchtungskitsch bis zu einer post-nietzsche’esken Abhandlung über einen Übermenschen. Auf den Vertigo-One-Shot von John ArcudiPeter Snejbjerg und Bjarne Hansen trifft (Trommelwirbel: Überraschung, Überraschung!) eher Letzteres zu. Der Titel hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel (2010), von daher war ich auch gespannt, ob er inzwischen Staub angesetzt hat.

Arcudi liefert eine Superhelden-Dekonstruktion bzw. Anti-Superhelden-Story mit einer gelungenen Mischung aus realitätsnahem Setting, filmischer Erzählweise und einem interressanten Konzept. Die Geschichte dreht sich um drei Freunde, bei denen einer durch eine Explosion Superkräfte erhält (soweit nichts aufregend Neues).

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Unfairer Kampf: Rassistische Halbstarke verprügeln einen Schwarzen.

Danach beleuchtet Arcudi jedoch den Wandel der Freundschaft und die Reaktion der Medien auf das Emporkommen des Superhelden, der sich weder maskiert noch in ein hautenges und buntes Kostüm zwängt (jetzt sind wir bei den Neuerungen angekommen). Die Story nimmt schnell an Fahrt auf und urplötzlich nimmt sie atmosphärisch, moralisch und charakterbezogen eine überraschende Wendung ein (die ich hier auf gar keinen Fall vorwegnehmen will!).

Snejbjerg liefert grundsolide Zeichnungen, die von Hansen atmosphärisch stimmig ergänzt werden. Hansen versteht es vor allem, die Stimmungsänderungen aufzufangen und in den entsprechenden Farben darzustellen. Snejbjerg pflegt einen typischen Superhelden-/US-Stil mit einem leichten Hang zur Stilisierung.

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Von der Masse umgarnter Sonnyboy: Der unverhoffte Superheld wird vom Präsidenten eingeladen.

Fazit

Es gibt wohl wenige vergleichbare Titel wie A God Somewhere. Das Alleinstellungsmerkmal ergibt sich aus dem realistischen Ansatz und dem ungewönlichen Freundschaftsleitthema. In Kombination mit expliziter Gewaltdarstellung und Superhelden-Demontage erinnert das ganze wohl am ehesten an Warren Ellis‘ Arbeiten, die vor allem aufgrund ihrer Konzepte interessant sind. Doch hier stimmt auch das Storytelling und die Charakterisierung, wohingegen bei Ellis oft nur die Ideen gut sind! Man merkt dem Vertigo-One-Shot auf gar keinen Fall an, dass er schon 2010 veröffentlicht wurde.

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