Warum elektrisieren Blackman/Del Mundo in „Elektra: Bloodlines“?

Bei Elektra muss ich (so wie jeder andere vernünftige Comicleser auch) unweigerlich an Frank Miller und Bill Sienkiewicz‘ Miniserie Elektra Assassin (1986/87) denken. Und leider auch an Ben Affleck und die grottenschlechte Daredevil-Adaption (aber das nur am Rande). Nein. Hier soll es um den neuesten Anlauf von Haden Blackman und Michael Del Mundo gehen, der im ersten Trade Elektra: Bloodlines zusammengefasst von Disney …äh… Marvel veröffentlicht wurde.

Schon auf den ersten Blick ist klar, in welche Kerbe das (mir bis dato noch unbekannte) Team schlägt: Die farbenfrohe Kolorierung, die leicht expressiven Zeichnungen, die konturlose Panelgestaltung und das verschieden gefärbte Lettering knüpfen an das innovative Artwork Sienkiewicz‘ an. Auf den zweiten Blick erkennt man aber auch feine Neuerungen, die einen extreeem frischen Eindruck hinterlassen. Viele Doppelseiten sorgen für einen schnellen Leserhythmus. Also, Lob an Del Mundo!

Choreografierter Konjunktiv: was hätte Elektra alles werden können?

Choreografierter Konjunktiv: was hätte Elektra alles werden können?

Storytechnisch geht’s darum, dass Elektra Cape Crow finden muss, gleichzeitig aber von Bloody Lips (australisches Metawesen, das mit dem Essen seiner besiegten Gegner deren Fähigkeiten und Erinnerungen aufnimmt) gejagt wird (wirklich kurz zusammengefasst). In Sachen Charakterisierung baut Blackman eine nette Vater-Mutter-Tochter-Prägung auf, die Elektra maßgeblich zu dem gemacht hat, was sie ist.

Erfrischend erscheint auch die Genre-Mischung aus atmosphärischer dichter Pulp-Fantasy und geradliniger Auftragsmörder-Action sowie die narrativen Perspektivwechsel zwischen Elektra und Bloody Lips: mal nimmt der Erzähltext die Sicht der Einen und mal die des Anderen ein. Es ist zwar das alte Katz-und-Maus-Spiel, aber so kunterbunt interpretiert, dass es wieder Spaß macht!

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Jetzt wird’s schamanisch! Bloody Lips auf einer von zahlreichen Double-Pages.

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Es kommt auf die Größe an: Captain Kirk wäre sicher sehr neidisch auf den Phaser.

Fazit

Ich würde die neue Elektra-Serie gar nicht erst mit dem Klassiker vergleichen. Sie lehnt sich zwar grafisch eindeutig daran an, aber beschreitet sonst neue Pfade: Ein visuell beeindruckender Start mit stimmiger Charakterisierung und gelungenem Genre-Mix. Es gibt nur wenige Anspielungen auf ältere Stories oder andere Figuren, so dass Elektra: Bloodlines auch für Neu- und Quereinsteiger geeignet ist. Bin jedenfalls seeehr gespannt, wie’s weitergeht!

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