Was hat Rick Remender aus Captain America gemacht?

Rick Remender hatte mich zuletzt mit dem ersten Trade der Image-Serie Deadly Class überzeugt. Wenn mich ein Autor so von Grund auf anspricht, dürstet es mich immer nach mehr. Also forsch ich nach, was es sonst noch so gibt: ebenfalls bei Image erschienen war Black Science. Da die Buchhandlung meines Vertrauens aber gerade keine Ausgabe da hatte, bin ich kurzerhand auf Captain America neugierig geworden (wie oft bin ich wohl auf diese Weise auf einen interessanten Comic gestoßen? hm, egal).

Beim Durchblättern ist mir dann sofort das erfrischende Artwork aufgefallen: Die stilisierten Zeichnungen und die bunten Farben kommen sehr Pulp-lastig und überraschend daher. Inhaltlich bekommt es Cap in den ersten beiden Trades in der Dimension Z mit Arnim Zola zu tun. Danach trifft er im dritten Trade auf den Super-Soldier Nuke.

Die größte Stärke von Remenders Captain America-Run ist die Charakterisierung: Durch Rückblicke in Steve Rogers Kindheit, die von Problemen gekennzeichnet ist, und den einschneidenden Ereignissen in der Dimension Z (ich will hier nicht spoilern) erhalten wir ein tiefgehendes Verständnis für Rogers/Cap. Natürlich wirkt das alles etwas stilisiert, wenn Rogers als kleiner Junge in Armut und als Außenseiter aufwächst, aber der Kontrast zwischen Action und Reflexion ist sehr ausbalanciert und sorgt für Abwechslung und Frische.

Selbsttherapie: Rogers reflektiert beim Zeichnen.

Selbsttherapie: Rogers reflektiert beim Zeichnen.

Ein weiterer Pluspunkt der ersten beiden Trades ist das erfrischende Genre-Crossover aus Dick’scher Science Fiction und überbordender Pulp-Fantasy. Normalerweise sehen wir Cap in Straight-Forward-Spy-Thrillern oder (als Anführer der Avengers) in apokalptischen/intergalaktischen Großereignissen. Hier erleben wir ihn unmaskiert als eine Art väterlichen Flash Gordon mit viel Stehvermögen. Die Ereignisse in der Dimension Z wirken sich auch noch auf den weiterem Verlauf der Serie aus: Rogers muss mit die frischen und einschneidenden Ereignisse noch verdauen, da kommt mit Duke schon der nächste Gegner auf ihn zu.

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Cap wird in diesem Leben wohl kein PEGIDA-Anhänger mehr.

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Argumente statt Haue: Cap leistet Überzeugungsarbeit gegen Rechts.

Fazit

Remenders Captain America-Run macht einfach Spaß! Die Kombination aus sehr gute Charakterisierung, ungewöhnlichem Setting und fesselnder Story schlägt ein wie nichts. Das stimmungsvolle Artwork ergänzt die Story perfekt. Die Serie ist gut geeignet für Neu- und Quereinsteiger, man braucht kein Vorwissen aus anderen Serien oder muss mit dem Charakter vertraut sein.

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